Gitschenen - Sonnenterrasse im Kanton Uri - Schweiz  
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Gitschener Post - Frühling 1999

Nr. 4 / Frühling / Sommer 1999


Editorial

Liebe Freunde von Gitschenen,

der vergangene Winter wird uns wohl allen in unvergesslicher Erinnerung bleiben. Alle, die auf Gitschenen wohnen und alle, welche trotz den unmöglichen Umständen - Gitschenen war während ca. zwei Wochen von der Umwelt abgeschnitten - vorbeikommen konnten, stimmen überein, dass man so etwas hier oben noch kaum je gesehen hat. In der Vergangenheit hat es zwar immer wieder strenge Winter mit viel Schnee gegeben - so z.B. 1945 oder 1951 -, aber die Monate Februar und März 1999 werden bezüglich Schneemengenzuwachs plus Lawinengefahr eindeutig als Rekordmonate in die Gitschener Geschichte eingehen. Zwischen dem 7. und 28. Februar war das Wetter am schlimmsten. Die Einheimischen durften ihre Häuser nicht mehr verlassen und es gab sogar Evakuierungen. Als sie dann nach Tagen mit intensivstem Schneefall, Sturm und Lawinengefahr zum ersten Mal die Umgebung nach Schäden untersuchen gehen konnten, bemerkten sie, dass es leider auch auf Gitschenen zu einem enormen Schneeschaden gekommen war: die Alphütte (mit Stall) "Geissboden" wurde von einer "Maisanderlawine" zerstört. Beim Zusammenstellen der Berichte zu dieser Zeitung ahnten wir damals nicht im geringsten, dass mehrere davon unheimlich gut zum vergangenen Winter passen würden. Es zeigt sich, dass die Launen der Natur leider auch vor Gitschenen nicht immer Halt machen.

In dieser Ausgabe berichten wir aber nicht nur über Lawinen und Winter, sondern wir bieten Ihnen selbstverständlich auch sonst äusserst informativen, interessanten Lesestoff. Wussten Sie zum Beispiel, dass das Schulhaus Isenthal umgebaut worden ist, dass bis vor noch nicht allzu langer Zeit die Hauptverbindung zum Isenthal über den Urner See führte oder, dass die Vorstellungen zu einer neu entstandenen Alpenmode Uri aus Gitschenen stammen? Diese Ausgabe der Gitschener Post berichtet Ihnen ausführlich zu diesen und anderen auserlesenen Themen. Den beteiligten Autoren möchte ich an dieser Stelle herzlich danken für ihre aufwendigen und teilweise sogar echt wissenschaftlichen Arbeiten.

Inzwischen ist der Frühling ausgebrochen und die letzten Schneereste des strengen Winters werden bald verschwunden und durch prächtige Alpenblumen ersetzt worden sein. Am nächsten sonnigen Wochenende sollten Sie sich dieses Farbenschauspiel nicht entgehen lassen. Falls das Wetter nicht mitspielt, so gehen Sie trotzdem nach Gitschenen und lassen Sie sich im Gasthaus mit seiner fertig renovierten Küche von Neuem verwöhnen.

Mit freundlichen, alpinen Grüssen


Frühlings- und Bärenerwachen auf Gitschenen

Mitte Mai 1999 wird auf Gitschenen eine bärenstarke Saison eröffnet. Die „Bärenspezialistin“ Ruth Voisard stellt ab 13. Mai bis und mit 26. Juni 1999 ihre Bärenkunstwerke im Alpenkunsthäuschen aus. Auf originelle Art werden die Teddies in verschiedenen Situationen dargestellt. Sie können alpenmodisch bekleidete Bären studieren, welche in diversen, lustigen Situationen gezeigt werden. So gibt es zum Beispiel Bären bei der Arbeit, Bären auf dem Bauernhof oder Bären in der Küche zu sehen. Frau Ruth Voisard wird in der Zeit vom 13. Mai bis 16. Mai und während ihrem Teddy-Bär Kurs vom 25. Mai bis 28. Mai in Gitschenen anwesend sein und ihr Handwerk persönlich vorstellen. Im Teddy-Bär Kurs gibt es noch freie Plätze.

Am 16. Mai 1999 ist die offizielle Saisoneröffnung, welche um 11 Uhr im Alpenkunsthäuschen mit einer musikalischen Umrahmung sowie einem Apero gefeiert wird.

Während der Bärenausstellung wird im Gasthaus ein bärenbetontes Menu erhältlich sein. Dazu gehört Bärensuppe, Bärlauchravioli, von Bären heiss geliebtes Schweinssteak mit Honig-Kruste, Bären-(Beeren)-Dessert.

Wie ist man für den Sommer 1999 auf das Thema Bär gekommen? Nun, Gitschenen hat eine althergebrachte Beziehung zu Bären. Dass es hier einst viele Bären gegeben haben muss, zeigt sich zum Beispiel im Namen eines Gitschener Hausbergs, welcher Bärenstock heisst. Im Tal durchstreiften noch im letzten Jahrhundert einige Bären die Gegend. Wenn Sie durch das Dorf Isenthal hoch gehen, so sehen Sie am oberen Dorfende, links an einer Hauswand aufgehängt, die Tatzen des (vorläufig) letzten Bären des Tals. Deshalb und weil sowieso die Bärenkurse von Frau Voisard im Kursangebot sind, entschloss man sich, dieses Jahr auf Gitschenen einmal diese prächtige Schöpfung etwas in den Mittelpunkt zu stellen.

Im vergangenen Winter wurde die Küche des Gasthauses vergrössert und mit neuen Einrichtungen versehen. Ab sofort wird man Sie noch besser bedienen können. Es sind auch wieder ein paar sehr gute Speiseüberraschungen für Sie bereit.


Sanierung, An- und Umbau des Schulhauses Isenthal

Das in den Jahren 1935 von Architekt Utiger Altdorf erbaute Schulhaus Isenthal wird derzeit umgebaut. Damals kostete der weitsichtig und massiv konzipierte Neubau nur Fr. 152'000 und diente nun mehreren Generationen als Schul- und Gemeindehaus.

Eine Gesamtrenovation für das Schulhaus drängte sich nun aber augenfällig auf. Das Schulhaus entsprach den heutigen schulischen Bedürfnissen nicht mehr und auch in energetischer, sicherheitstechnischer und feuerpolizeilicher Hinsicht genügte es nicht mehr. Mit dem 1997 ausgearbeiteten Projekt beabsichtigte nun die Gemeinde, eine Nutzungstrennung zwischen Wohnen, Schule und Gemeindedienste zu vollziehen. Im Schulhaus werden zwei Wohnungen in zwei zusätzliche Schulräume umgestaltet. Im Holzschopfbereich wurde zudem ein gesetzlich vorgeschriebener Werkraum angebaut. Nun können sämtliche Klassen und auch der Kindergarten im Schulhaus unterrichtet werden, was sich auf den Schulbetrieb und die Kosten positiv auswirken wird.

Auch der Gemeindesaal und die Bühnenanlage sind angepasst worden. Gemeinde und Vereine erhalten eine moderne Bühne, die als Mobilanlage sowohl im Gemeindesaal als auch in der Turnhalle für Grossanlässe eingesetzt werden kann. Mit dem Umbau wurden auch die Fassaden und Fenster wärmetechnisch erneuert. Die Fassadensanierung war dringend nötig, um die Grundsubstanz des Gebäudes zu schützen. Der Einbau einer modernen Holzschnitzel-Heizung, die nun das Schul-, das Gemeindehaus und die Turnhalle beheizt, erscheint im Hinblick auf den Waldreichtum der Gemeinde eine sinnvolle, Arbeitsplätze erhaltende Massnahme. Die Bürgergemeinde ist verantwortlich für die Bereitstellung der Holzschnitzel.

Die Gemeindekanzlei war bisher in einem engen Raum im Schulhaus untergebracht. Eine moderne Gemeindeverwaltung mit Kanzlei, Sitzungsräumen, Archiv und einem Kulturraum wurde nun mit dem gleichen Umbauprojekt bereits im Jahre 1997 im früheren Pfarrhelferhaus (Kindergarten) verwirklicht. Eine effiziente Verwaltung ist für die wachsenden Gemeindeaufgaben von grosser Bedeutung und der Umbau stiess bei der Bevölkerung anlässlich des Tags der offenen Türe an der letzten Chilbi auf reges Interesse.

Die Gemeinde Isenthal rechnet für Schulhaus, Gemeindekanzlei und Heizzentrale mit Gesamtkosten von Fr. 2'690'000. Die Gesamtkosten für das Schulhaus allein betragen über Fr. 2 Mio. Der Gemeinde verbleibt dank Subventionen und privaten Spenden noch ein grosser Betrag von voraussichtlich gut Fr. 800'000.

Isenthal führt heute für die 53 Primar- und 15 Kindergartenkinder 3 Primarabteilungen und einen Wanderkindergarten. Die 1928 gegründete Sekundarschule befindet sich seit 1971 im Oberstufen-Kreisschulzentrum in Seedorf. Die Gemeinde Isenthal hat einer guten Schulbildung immer grosses Gewicht beigemessen. Sie möchte auch in Zukunft den Jugendlichen eine gute Ausgangslage für die Bewältigung der nicht einfachen Aufgaben im eigenen Dorf und ausserhalb des Tales bieten.

Josef Schuler, Isenthal


Mit dem "Seil" kam der Aufschwung

Kurzer Blick auf die Siedlungsgeschichte von Gitschenen

Bekanntlich präsentiert sich Gitschenen in heutiger Zeit als ganzjährig bewohntes, gastliches Hochplateau. In früheren Jahrhunderten hingegen wurde dieses sonnig gelegene, aber abgeschlossene Berggebiet nur den Sommer hindurch alpwirtschaftlich genutzt, ursprünglich sogar von Nidwalden aus. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1533 (Benno Furrer: "Die Bauernhäuser des Kantons Uri"). In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden dann einfache Heimstätten auf 1500 m bis 1600 m Höhe. Sie gehörten in der Regel zu im Grosstal gelegenen Gütern, so z.B. das Heimwesen "untere(r) Gitschenen-Berg" (Aschwanden) zum "Schattenberg" und ursprünglich sogar zur Altdorfer "Bärenmatt", die "hintere obere Egg" (Imholz) zum "Schwarzwald", die "Egg"- Güter der "Schuenis" (Bissig) zum "Wyssigli" oder "obere Egg", "Kneiwies" und "obere(r) Gitschenen-Berg" (Gisler) zur "unteren Schwändi" (ausführliche Bezeichnungen laut Grundbuch, im Gebrauch etwas gekürzt). Diese Gitschener Heimet, "Berg" genannt, wurden nur als Stufenbetriebe geführt und waren nicht ständig bewohnt. Anfangs Sommer zogen die Bauersleute mit dem Viehbestand dort hinauf. Man bewirtschaftete die Alpgebiete und brachte Heu und Wildheu ein. Im Herbst kehrten die meisten Familienangehörigen wieder ins Talgut zurück, während Söhne oder Knechte mit dem Vieh oben blieben, bis um Mitte Januar der Futtervorrat aufgebraucht war.

Vermutlich als Folge der Bevölkerungszunahme in den Bergtälern und den damit verbundenen Erbteilungen um die Wende zum 20. Jahrhundert wurden auch die Gitschener Höfe verbessert und ganzjährig bewohnbar gemacht. Bald kamen auch Seilbahnen auf, welche höher gelegene Gebiete erschlossen. Da ergriffen die Gitschener die Initiative und setzten um 1927 ein ganz einfaches "Seil" in Betrieb. Das war der Beginn eines langsamen Aufschwungs und der späteren touristischen Anziehungskraft.

Doch nicht immer zeigt das landschaftlich reizvolle Gitschenen sein liebliches Gesicht! In früheren, schneereichen Wintern war der Aufenthalt in dieser Höhenlage oftmals mühsam und gefährlich. Wohl achteten die Bauern beim Erstellen ihrer Heimstätten auf eine möglichst sichere Lage, aber die Naturgewalten sind unberechenbar, und in Lawinenwintern haben schon einige Gebäude Schäden erlitten. Ein Hof war besonders stark betroffen und ist im Verlaufe von wenigen Jahrzehnten gänzlich verschwunden. Zu diesem Thema gibt es in dieser Zeitung noch mehr zu lesen.

Hedi Kleiner-Aschwanden, Meilen


Schreibweisen für den Bergbauernhof „Kneiwies“

Wie die folgende Tabelle zeigt, haben sich im Laufe der Zeit für ein und denselben Bergbauernbetrieb fünf verschiedene Schreibweisen entwickelt:

Kneuwis im Grundbuch und in der Eidgenössischen Landestopographie bis mindestens 1936
Chneuwis Eidgenössische Landestopographie später bis heute
Chneiwis Mundartsprache
Kneiwis häufig gebraucht in Schriftsprache
Kneiwies Schreibweise der heutigen Besitzer sowie der Gitschener Post

Hedi Kleiner-Aschwanden, Meilen


Leserpost / Post von „Internetten“

Danke vielmals für die GITSCHENER POST.
Ich möchte sehr gerne wieder ins Kursus bei euch..!!
M. E., Dänemark

Herzliche Gratulation zum Internetauftritt "Gitschenen". Tolle Leistung von Ihnen und vom Hotel! Mit freundlichen Grüssen
S. G., MEYERS MODEBLATT Zürich

Mein Kompliment zur Homepage Gitschenen. Falls Sie Lust hätten, eine weitere Homepage zu gestalten, würden mich die Preise interessieren. Für ihre Nachricht danke ich Ihnen herzlich.
F. B., Flüelen

Super, was du da ins net gestellt hast, gratulation. meine frau ist so begeistert von den bildern, dass sie für ende september gleich für eine woche ferien bei ihrem chef eingegeben hat...
E. B., Regensburg

Im Oktober 97 durfte ich den Schwyzer-Örgelikurs in Gitschenen besuchen und seither erhalte ich die vielgeliebte Gitschener Post. Dafür danke ich ganz herzlich. Wir alle erinnern uns immer gerne an den wunderschönen Aufenthalt. In der Beilage sende ich meinen Vorschlag für den Namen der Mazurka, welche Markus Flückiger komponieren will. Ich bin gespannt auf das neue Stück - höre ich doch selber auch sehr gerne Mazurkas. Schon jetzt freue ich mich auf die neue Post.
M. M., Zürich

Herzlichen Dank für den Wettbewerbsgewinn! Ein unverhofftes Weihnachtsgeschenk, das ich gerne im Verlaufe des Sommers einlösen werde.
B. K., Döttingen

Wir haben viele Freunde die gerne und viel wandern. Allen habe ich vorgeschwärmt von Gitschenen und viele wollen Euch im nächsten Sommer besuchen. Ich wäre froh, wenn ich ihnen Prospekte von Gitschenen und die Gitschener Post geben könnte.
L. S., Hunzenschwil


Lorenz Mühlemann - Leiter des neuen Schweizer Zither-Kultur-Zentrums

Ob all dem lauten Techno- und HipHop-Getöne wird die Sehnsucht nach leisen und feinen Klängen immer grösser. Kein Wunder, dass das Interesse am Saiteninstrument Zither zunimmt. Aber nicht nur deshalb, sondern weil die Zithergeschichte ein Stück Kulturgeschichte ist und weil ihm die Zither persönlich am Herzen liegt, gründete Lorenz Mühlemann das Schweizer Zither-Kultur-Zentrum, das am 21. Februar 1999 an der Burgdorfstrasse 8 in Konolfingen seine Pforten öffnete.

Kurzinterview:

Sie befassen sich seit rund 20 Jahren mit der Zither. Wie hat Ihre Leidenschaft angefangen?
Ganz harmlos... Ich kam durch Zufall zu einer alten Zither, klimperte ein bisschen darauf herum und war überrascht: der feine Klang, das einfache Spiel, der nostalgische Hauch - das hat mich verzaubert.

Die Zither hat ein verstaubtes Image...
Verstaubtes Image? Ich erlebe das anders. Ich erinnere mich an jene Holländer, die mit Mercedes, Zither und Anzug unbedingt über Neujahr zu Besuch kommen wollten, an eine Delegation des Zitherverbandes Japan, die einmal in unserer Wohnstube Platz fanden - und in einer Beiz in Prag gründete ich mit anderen ein Komitee für ein Zitherspiel-Treffen, das dann im September 98 unter Beteiligung von Aktiven und Besuchern aus 15 Nationen stattfand...

Sie spielen Zither, restaurieren, unterrichten, dokumentieren. Was gefällt Ihnen am besten?
Die Summe von allem. An Konzerten entsteht Gemeinsamkeit, beim Unterrichten gebe ich vieles weiter, und aus einer Zitherleiche wieder ein Musikinstrument zu machen, ist ein ganz besonderer Vorgang. Mit dem Dokumentieren ergeht es mir wie jedem Forscher: Je mehr man sich in eine Materie vertieft, desto weiter wird das Feld.

Dieser Artikel wurde von Katja Schmid verfasst und ist im Frühjahr 1999 im Meyers Modeblatt erschienen.


Das Schicksal des Heimwesens "Oberer Gitschenen - Berg"

Dieses Berggut, am Fusse einer Fluh zwischen dem "Kneiwies" und dem "unteren Gitschenen - Berg" der Familie Aschwanden gelegen, an der Stelle, wo heute noch der Fussweg zur Alp Gitschenen ansteigt, gehörte der Familie Gisler von der "unteren Schwändi". Wohl kaum einer hätte indessen gedacht, dass diese Lage nicht lawinensicher sei. Doch schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts musste man das Gegenteil erfahren. Der Verdingbub Michael Aschwanden, der "Träppi-Michi", verbrachte den Winter 1894/95 dort oben beim Ratsherrn Josef Gisler. Noch bis ins hohe Alter wusste er zu erzählen, wie eine grosse Tanne, die etwas oberhalb von Haus und Gaden gestanden habe, eines Nachts von einer Staublawine gefällt worden sei und mit Getöse zwischen die beiden Gebäude zu liegen kam, die glücklicherweise keinen Schaden nahmen. Die Bewohner hätten sich am Morgen zuerst einen Weg zum Stall freischlagen müssen.

Rund 20 Jahre später, nämlich in der Nacht vom 13. auf den 14. Januar des Kriegsjahres 1915, ereignete sich erneut ein Lawinenniedergang, dem der Gaden zum Opfer fiel. Nachdem Ratsherr Gisler 1906 das Isental verlassen hatte, kamen die väterlichen Liegenschaften ganz in den Besitz seines Bruders Augustin. Aus der Feder seiner Enkelin Käthy Furrer-Gisler stammt die nachfolgende, anschauliche Schilderung des Unglücks, wie es ihr von ihrem Vater, dem "Stini-Wysel", überliefert worden ist:

Sogar auf einer Ansichtskarte wurde die durch die "Zingel-Läüwi" angerichtete Zerstörung in Bild und Text festgehalten. Nebst 16 Stück Grossvieh kamen Kälber, Schafe, Ziegen und Schweine um und nur eine Sau soll überlebt haben. Ein Bub aus St. Jakob, der 1908 geborene "Port-Otti", erinnerte sich auch in späteren Jahren noch an den schrecklichen Anblick der toten Tiere, die ins Tal abtransportiert werden mussten.

Familie Gisler verliess nun das bisherige stattliche Wohnhaus und zog ins sicher gelegene "Kneiwies" um, das eher als Alphütte zu bezeichnen war und zuerst noch ausgebaut werden musste. Das alte Haus erfüllte fortan seinen Zweck als Ferienhaus für Pfadilager und Private. Da Familie Wahler aus Basel über Jahre hinweg während der Sommermonate dort ständiger Gast war, erhielt es die Bezeichnung "Baslerhuisli". Leider waren auch seine Jahre gezählt, denn gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, am 8. März 1945, schlug die "Zingel-Läüwi" erneut zu und zerstörte das ehrwürdige Haus bis auf die Grundmauern. Wie dieser Schreckenstag von den Bewohnern des "Kneiwies" erlebt wurde, hält ein Erinnerungsbericht des damaligen Knechtes, Alois Aschwanden, fest:

Während des Winters können sich die Bauern Zeit nehmen, um Reparaturarbeiten, z.B. an Gebäuden, auszuführen. Im Jahre 1944 hatten der Meister und ich das Dach des "Baslerhuisli" zur Hälfte mit Federschindeln frisch gedeckt. Dieses Jahr sollte auch die andere Hälfte erneuert werden. Am 8. März 1945 waren "Stini-Wysel" und ich wieder daran, Federschindeln herzustellen und hielten uns zu diesem Zweck oben im "Kneiwies"- Haus auf. Um etwa 14 Uhr wurde es plötzlich stockdunkel, und wir verspürten einen starken "Rupf". Es war uns sofort klar, dass eine Staublawine niedergegangen sein musste. Nachdem sich der Schnee gesetzt hatte, zogen wir, nichts Gutes ahnend, die einfachen Skier an und mussten den Ort des Unglücks nicht lange suchen. Vom früheren Wohnsitz der "Stinis" ragten nur noch die Grundmauern empor, bedeckt vom Stubenboden. War das ein trostloser Anblick! Ein Glück nur, dass sich niemand im Haus aufgehalten hatte! Bis etwa 100 m vom Nachbarhof entfernt, lagen in der Ebene zerbrochene Holzteile, Betten und Hausrat sowie die Trümmer von Kachelofen und Kamin zerstreut herum. Die noch stehenden Gebäudeteile waren geschützt gewesen durch einen Hügel. Auch das übrige Haus hätte keinen so grossen Schaden nehmen können, wenn nicht eine weiter oben stehende Tanne darauf hinunter gestürzt wäre und dadurch die starke Zerstörung verursacht hätte. Natürlich waren auch die Gitschener Nachbarn von der Lawine aufgeschreckt worden und zu Hilfe geeilt. Es stellte sich in der Folge heraus, dass an den Häusern "hintere Egg" und "untere Gitschenen" ebenfalls Schäden entstanden waren. Die aus Holz bestehenden Trümmer des Baslerhauses konnten nur noch als Brennholz verwendet werden. Bei Bedarf transportierte man sie ins "Kneiwies", zersägte sie und speiste damit den Kachelofen. Was als nicht brennbar übrig geblieben war, führte man mit Schlitten zum Tobel und entsorgte es dort auf die damals übliche Weise.

Damit war das Schicksal eines typischen Gitschener Heimwesens für alle Zeiten besiegelt. Heute findet sich an Ort und Stelle kaum mehr ein Hinweis auf sein früheres Bestehen!

Hedi Kleiner-Aschwanden, Meilen und Käthy Furrer-Gisler, Isenthal


Gitschenen und der Lawinenwinter 1915

Im Jahre 1915 herrschte ein garstiger Winter. Bereits lag eine grosse Menge Schnee auf den Wiesen und kein Ende war in Sicht. Es schneite und stürmte unaufhörlich. Die Familie Gisler war mit dem ganzen Viehbestand auf Gitschenen, 1600 m über Meer. Da spürt man die Härte der Winter. Doch in der Stube war es gemütlich warm. Alois und Franz, die beiden Söhne des Augustin Gisler, hatten diesen Abend noch einige Arbeiten im Stall zu erledigen. Eine Kuh war am Kalben. So schauten sie halt mehrere Male in den Stall. Der Weg dorthin wurde immer beschwerlicher wegen der grossen Schneemenge. Jedes Mal musste man sich den Weg neu bahnen. Da beschlossen sie, im Stall zu warten, bis das Kälbchen kam. Sie hatten sich ja einiges zu erzählen und machten sich auch keine Sorgen wegen des vielen Schnees. So wurde es ziemlich gemütlich bei der wohligen Wärme, die die Kühe abgaben. Doch bald gab es alle Hände voll zu tun. Das Kälbchen wollte auf die Welt, man musste kräftig anpacken. Die beiden Burschen freuten sich, dass die Geburt gut verlaufen war. Die Kuh bekam einen ganzen Kessel voll Kaffee-Schnaps und das Kälbchen versuchte sich in den ersten Gehversuchen und wollte natürlich auch seine Milch. Franz und Alois spürten bald die Müdigkeit. Die Zeit zeigte ja schon über Mitternacht. Doch die letzten Arbeiten mussten noch verrichtet werden und dann wollten die beiden endlich ruhig den Rest der Nacht in ihren Betten verbringen. Sie schauten nochmals bei allen Tieren vorbei und machten sich mit der Stalllaterne auf den Weg zum Haus. Draussen schneite und stürmte es noch immer. Franz und Alois schauten sich jetzt doch besorgt an. So viel Schnee ist schon ein wenig unheimlich. Sie traten ins Haus, wischten den Schnee von den Kleidern und wollten zu Bett gehen. Doch halt, was war das? Eine besonders heftige Sturmböe liess das Haus erzittern. Da wurde es einem Angst und Bange. War das der Sturm, eine Lawine oder gar das Brüllen des Viehs? Es waren unheimliche Momente. Dann eine erdrückende Stille - Totenstille. Die Stalllaterne wurde wieder entzündet, es gab ja zu jener Zeit weder Elektrizität noch ein Telefon auf dieser Höhe. Die beiden Brüder machten angstvoll kehrt, um draussen nachzuschauen, was los war. Erschrocken stellten sie fest: "Da ist ja kein Stall mehr!" Türme von Schnee lagen vor ihnen, sonst konnte man nichts erkennen. Eine riesige Lawine hatte den Stall samt dem, Vieh weggefegt. Entsetzen machte sich breit. Vor kurzer Zeit nur hatten sie noch einem kleinen Kälbchen auf die Welt geholfen und jetzt war da nichts mehr. Die Haare standen ihnen zu Berge, als Franz und Alois erkannten, dass sie nur wenige Minuten von den Schneemassen getrennt hatten. So schnell sie konnten, eilten sie ins Haus, um Hilfe zu holen. Doch sie waren zu wenig und konnten solch einer Masse Schnee nicht trotzen. Stini ging in finsterer Nacht und bei starkem Schneegestöber ins Tal, um zusätzliche Helfer anzuwerben. Man bedenke, bei diesen Verhältnissen ein fast aussichtsloses Unterfangen. Trotzdem gab es gar keine andere Möglichkeit. Diese nächtlichen Stunden wollten nur schleppend vorbeigehen. Bei Tagesanbruch zeigte sich dann der ganze Schreck. Die volle Tragik des Unglücks wurde wahrgenommen. Nichts mehr war da, wo es ursprünglich hingehörte. Holzbalken, Heu, eine tote Kuh, eine Ziege... ein trauriger Anblick.

Käthy Furrer-Gisler, Isenthal


Gitschenen und der Lawinenwinter 1945

Über persönliche Erlebnisse und Erfahrungen aus ihrer Jugendzeit wissen die Brüder Meinrad und Wendelin Imholz von der "Hinteregg" eindrücklich zu berichten:

Der Kriegswinter 1945 war sehr schneereich und liess mehrere Lawinen zu Tal fahren. Im Februar herrschte eine längere Schönwetterlaune. Den Tag über war es warm, des Nachts gefror der Schnee, so dass eine harte Decke entstand. Als das Wetter anfangs März umschlug, schneite es während 2 bis 3 Tagen unaufhörlich, aber still, d.h. ohne Wind, auf die harte Unterlage. Mulden und Tobel waren bald mit Schnee ausgefüllt, während sich in den höheren Regionen 7 bis 8 Meter hohe Wächten gebildet hatten. Im Grosstal herrschte die gleich prekäre Situation. An einem Dienstag schneite es um 10 Uhr so ergiebig, dass die Schüler nach Hause geschickt wurden und etwa eine Woche lang nicht zur Schule gehen konnten. Diese Vorsichtsmassnahme erwies sich als sehr klug, denn 2 bis 3 Tage später donnerten die Staublawinen zu Tal, ausgelöst durch einen Sturm und begünstigt durch die enormen Schneeverwehungen. Die Babergerlawine löste sich nachts etwa um 4 Uhr, ergoss sich über den "Neien" und richtete dort Schaden an. Die Zingellawine auf Gitschenen ging gleichentags um die Mittagszeit auf bewohntes Gebiet nieder. Sie zerstörte zuerst das "Baslerhuisli" und bewegte sich dann auf die "Hinteregg" zu. Bei der "Oberegg" teilten sich die Schneemassen. Der grössere Teil fuhr gegen das Bachtobel und riss dabei ein lichtes "Wäldli" mit etwa 40 Tannen mit sich in die Tiefe. Ein kleinerer Teil landete beim Haus der "Frendler" und drückte die hintere Wand des Gadenhauses ein. Die Bewohner wussten zuerst nicht, was geschah. Da ein Sturm tobte, meinte man, es sei ein neuer "Gux". Doch war es plötzlich stockfinster und das Haus begann zu ächzen und zu krächzen. Nach dem ersten Schrecken entdeckte man Risse am Kachelofen und am Kamin und die Türen klemmten. Beim Nachlassen des Druckes gingen sie wieder besser, aber nicht mehr so gut wie vorher. Auch das Nachbargehöft "Gitschenen" war in Mitleidenschaft gezogen worden. Dort hatte der Luftdruck den Abtrittanbau weggerissen.

Einen Schutzengel hatte der 12-jährige Meinrad! Die Tiere der Bergbauernfamilie waren im Stall auf der "oberen Egg" untergebracht, der vor der Lawine durch einen "Gubel" (= Hügel) geschützt war. Täglich dreimal hatte jemand nach den 7-8 Kühen, den 4-5 Schafen und den Hühnern zu schauen. Morgens und abends wurde gehirtet, um die Mittagszeit hiess es "i Gadä lüägä" und den Hühnern Korn bringen. An jenem Tag sollte auch auf das Befinden eines kranken "Jährlig" geachtet werden. Beim "Znyyni" wurde bestimmt, dass Meinrad dieses Amt zu übernehmen habe. Um nicht einzusinken, bediente man sich damals noch einfacher "Fassdauben" oder Brettlein. Als es Zeit war zu gehen, bat der Bub eine seiner Schwestern, ihm ihre Schuhe zu leihen, doch diese war damit nicht einverstanden. Während die beiden "zangget hend", ging die Lawine nieder. Wäre Meinrad schon auf dem Weg gewesen, hätte er wohl den sicheren Tod gefunden. Der geschwisterliche Streit hatte ihm das Leben gerettet!

Die Gitschener-Lawinen machten auch dem Schweizer Militär im Zweiten Weltkrieg mehr als einen Strich durch die Rechnung! Im Sommer 1940 erstellten Soldaten eine Militärtelefonleitung von Gitschenen durchs Sulztal über den Schoneggpass. Sie hatten Quartier auf der "Egg" bezogen. Die Stangen und Drähte wurden vom Grosstal mit dem alten Drahtseil zur Höhe gefahren und dann von Pferden weiter transportiert. Doch im Winter 1944 zerstörte die "Fyyfer-Läüwi", die vom Oberalpgrat herunterfuhr, diese Leitung, wie auch einen Stall im Bachtobel. Nun legten die Soldaten die neue Leitung weiter oben an, doch fiel diese 1945 ebenfalls der "Zingel-Läüwi" zum Opfer. Der ins Tobel stürzende Lawinenzug rasierte alle im Wege stehenden Stangen weg. Die meisten brachen auf der Höhe der harten Schneeschicht entzwei. Die Drähte lagen wirr durcheinander. Daraufhin brach das Militär die ganze Leitung endgültig ab, denn auch der Krieg ging ja dem Ende entgegen.

Die damals schon bestehende, private Telefonleitung ins Heimwesen "Gitschenen" war ebenfalls gefährdet. Infolge des Luftdrucks berührten sich die Leitungsdrähte. Der entstehende Kurzschluss liess das Telefon im Haus erklingen. Sepp, ein Cousin der "Frendler"- Kinder, entging dadurch einer Körperstrafe, die ihm sein Vater in diesem Augenblick erteilen wollte!

Abschliessend darf dankbar festgehalten werden, dass in den geschilderten, gefährlichen Wintern auf Gitschenen wenigstens keine Menschenleben zu beklagen waren.

Hedi Kleiner-Aschwanden, Meilen


Base Karoline in der Lawinengefahr (1951)

Ich hörte zufällig von einer mir bekannten Bauernfamilie, dass die Mutter schwanger und dazu etwas gesundheitlich angeschlagen sei. So nahm ich eines Tages die Ski auf die Achsel und ging ins Jakobstal. Von dort aus fuhr eine lebensgefährliche Seilbahn nach Gitschenen. Mit dieser fuhren jeweils einige Kinder in die Schule. Gott sei Dank kannten selbige keine Angst, und so fuhren sie meistens sogar fröhlich in die Tiefe. Bei grossen Schneestürmen hatten die Kinder die Erlaubnis, der Schule fern zu bleiben. Auch dies war ein Fest für sie. Für uns Ältere aber bedeutete die Fahrt mit dem vorsintflutlichen Gefährt nicht eitel Freude, und wir fühlten uns in dieser Kiste kaum des Lebens sicher. Beim allerkleinsten Sturm wusste man nie, ob die Kiste ausgeleert würde.

Einmal fiel der Föhn ins Land und die Bahn kippte um. Fünf Schweine verloren dabei ihr junges Leben. Dabei hatten drei Regierungsräte von Altdorf unerhörtes "Schweineglück", denn genau eine Viertelstunde vor dem Unfall waren sie in die Höhe gehisst worden. Genau ein halbes Jahr später wurden ein Mann und eine hochschwangere Frau hinaufgeseilt. Etwa 50 Meter vor der Seilbahnstation Gitschenen wurde der Mann hinausgeschleudert. Zum grossen Glück konnte sich die schwangere Frau an einer Latte festhalten, sonst wäre es ihr wohl übel ergangen. Das Kindlein kam verfrüht, aber gesund und heil auf die Welt. Und so wurde es von den neun Geschwistern mit grosser Freude angenommen.

Nun aber wurde auch ich trotz des Hudelwetters bei einer freundlichen Familie herzlich aufgenommen. Die drei Kinder Theresli, Kätherli und Xaverli schauten hinter den verschneiten Fenstern interessiert, was das wohl für eine Frau sein könnte, die es wagte, trotz schneeweissem Haar mit angeschnallten Ski zu ihnen zu gelangen.

Die gute Mama, Käthi Gisler, nahm mich sehr herzlich auf in ihre Gemeinschaft, und sie stellte mich den Kindern vor. Ich sei eine Art Familienhelferin, sagte sie. und die Kinder müssten ja etwas mehr gehorchen, sonst würde ich zu früh wieder davonfahren. Bald war ich für die Kinder die Base Karoline. Alle drei schauten mich treuherzig an, als ob sie jederzeit die brävsten Engel wären. Xaverli fragte mich: "Warum hesch dü so schneewisses Haar und chasch so güet schifahre?" Die Mutter erklärte dann, ich sei noch nicht so alt, wie sie meinten. Es gebe Menschen, die schon früh mit weissem Haar beglückt würden. Ich versprach dann allen Kindern, ich würde sie alle drei Ski fahren lehren, so dass sie, statt mit der gefährlichen Seilbahn, mit den Skiern in die Schule fahren könnten. Ja, ich stand vor einer strengen Zeit; vor allem mit dem Flicken hatte ich viel zu tun. Zum grossen Glück war ich eine gewandte Näherin und Büglerin. Es standen drei grosse Körbe vor mir, und ich berechnete genau die Zeit für das Bügeln eines Hemdes.

Die Bäuerin brauchte eine ganze Stunde für vier Hemden. Ein Bauernhemd, das meistens im Stall gebraucht wird. sollte man aber rasch bügeln können. Ich brachte ihr das bei und sie erwies sich als gelehrige Schülerin und war mir sehr dankbar. Ja, diese gute Frau kam kaum vor elf Uhr abends ins Bett. Nach vier Tagen war alle Wäsche geflickt und gebügelt, aber trotzdem kam es zu einer sehr schweren Zeit. Mit jedem Tag wurde der Schneefall schlimmer. Nach sechs Tagen konnte man überhaupt nicht mehr zu den Fenstern hinaus sehen. Die Kinder allerdings waren froh, zu herrlichen Schulferien zu kommen, denn in 1600 m Höhe gab es eine gewaltige Schneemenge. Auch der Kachelofen frass unvernünftig viel Holz, aber trotzdem war es nur beim Ofenbänklein sehr warm. Am Abend musste ich den vier Kindern viele Geschichten erzählen. Somit vergessen sie die Angst vor den zu erwartenden Lawinen.

Es war im Jahre 1951. Diese Zeit bleibt mir unvergesslich. Milch und Brot wurden rar. So lebten wir von Lindenblütentee, magerem Käse und Suppe. Auch Äpfel hatte es genügend im Keller. Also mussten wir nicht hungern. Aber drei Wochen in Angst leben zu müssen, war kein Vergnügen, denn das ganze Jakobstal wurde samt dem Vieh nach Isenthal disloziert. Aber wir konnten die Dislokation nicht mehr wagen, weil wir die höchstgelegene Station waren. Auch erwartete man von beiden Seiten des Tales vereinzelte Lawinen. Zum grossen Glück konnten wir durch das Radio vernehmen, was in der Schweiz passierte. Man vernahm von schrecklichen Lawinen in Airolo, Andermatt und Graubünden. 91 Lawinentote wurden gemeldet. Auch unser Telefon wurde öfters unterbrochen. Jeden Tag kam eine Militärpatrouille, um die gestörten Telefonleitungen reparieren zu können. Die Kinder konnte ich nur mit Geschichten beruhigen. Ich brachte sie jeweils in den Kleidern ins Bett, denn man war keinen Tag sicher vor Lawinen. Käthi und ihr Mann konnten sich kaum der grossen Angst erwehren. Es kam dann zu einem grossen Sturm. In dieser Nacht wurde das Haus erschüttert. Ich bin dann mit den Kindern in die Kammer geflüchtet und wir beteten ununterbrochen. Wenig später aber dislozierten wir mit den Eltern in den Stall. Vater Alois führte uns und seine gesegnete Frau an einen sicheren 0rt. Er glaubte, wir wären beim Vieh besser aufgehoben. Aber es ging nicht lange und das Vieh wurde sehr unruhig. Die Schweine grunzten, die Kühe muhten und die Geissen meckerten. Wie konnte man da im Heu ruhig schlafen? Die Kinder heulten, als ob es ums Sterben ginge. Vater Alois sagte zu mir: "Weisst Du, Base Karoline, wenn wir noch den Morgen erleben, gehst Du mit den Skiern ins Isenthal. Wir wollen nicht, dass Du mit uns unter die Lawine kommst." Aber ich wollte die Leute nicht im Stich lassen. Ich war ganz sicher, dass wir überleben würden.

Plötzlich fing es an, im Gebälk zu krachen und das Vieh und Barri brüllten fürchterlich. Auch Mutter Käthi schrie: "Erbarm's Gott, ermarm’s Gott, der heilige Wendelin möge uns behüten!" Vater Alois nahm allen Mut zusammen. Er ging hinaus, um nach dem Häuschen zu schauen. Nach langen, langen Minuten erschien er wieder und sagte mit glänzenden Augen: "Kinder, Kinder, danket dem Herrgott, d'Laüwi isch hert bim Hüs verby z'Bodä gfahrä".

Oh, wie haben wir alle aufgeschnauft, dass wir endlich die Angst los geworden waren. Wir zogen dann beruhigt wieder in unser Häuschen und schliefen den Schlaf der Gerechten. Aber anderntags schneite es so, dass die Flocken gross wie Gitziohren über unsere Dächer fielen. Von Skifahren war keine Rede. Wir wären glatt alle eingesunken. Es dauerte noch viele Tage, bis sich der Schnee setzte. Jetzt aber erkrankte das vierjährige Kätherli an einer Magenvergiftung. Der Arzt empfahl eine strenge Diät, und die Medikamente wurden durch eine Militärpatrouille übergeben. Anfänglich konnten wir nicht wissen, wo die Vergiftung herrührte. Dann aber wusste ich es genau. Bestimmt lag der Herd in einer Mandarine, die innerlich etwas angefault war. Ich setzte die Kleine auf eine schwere Diät. Die Mutter wollte es anfänglich nicht glauben, dass man ihr Kind hungern lassen konnte. Aber ich sagte ihr, es gebe nur eine Lösung, die Diät, die andere wäre der Tod von Kätherli. So wird der Magen total geschont.

Es gab nur Schwarztee und Haferschleimsuppe und später etwas Zwieback. In den Fiebern redete die Kleine nichts anderes als von der Angst vor einer kommenden Lawine. Doch, je mehr es aufhörte zu schneien, desto leichter wurde es der Kleinen. Die Mutter war sehr dankbar, dass ich sie nicht verlassen hatte. Sie wäre nicht imstande gewesen, ein schwerkrankes Kind zu pflegen und all die andere Arbeit leisten zu können. Ja, diese Frau war tief fromm, und sie betete meist auf den Knien, um die Angst zu verlieren, aber sie betete nicht umsonst. Es fiel zum Glück kein Schnee mehr, und als er sich gesetzt hatte, kam die junge, tüchtige Hebamme zur rechten Zeit ins Haus. Als Toneli durch die ersten Schreie seine Ankunft meldete, war es mir, als ob ein Vogel den nahenden Frühling ankünden würde.

Miggi Muther


lsenthal und der Zugang über den See

Mit viel Engagement, Sachkenntnis und Liebe zum Detail ist an dieser Stelle bereits zweimal über die Verbindungen nach Gitschenen, respektive die beteiligten Verkehrsmittel geschrieben worden: über die Seilbahn(en) und über die Postautoverbindung.

Wenn wir uns heute der Schifffahrt - oder mindestens einigen wenigen speziellen Aspekten des Schiffsverkehrs - zuwenden, so vor allem deshalb, weil lsleten und damit das lsenthal lange Zeit ganz wesentlich auf diese Transportart angewiesen war. Die Literatur zur Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee ist reich und vielgestaltig. Von prächtigen Fotoalben über eher technisch gefärbte Bücher über die einzelnen Schiffe (insbesondere auch über die majestätischen Raddampfer) bis hin zu Kapitänsportraits und diverse historische Recherchen findet der Interessierte eine reiche Auswahl. Wir beschränken uns hier deshalb auf einzelne Facetten, welche einigermassen direkt mit der Erschliessung des Isenthals verbunden sind.

Vor der Einführung des dampfgetriebenen Schiffes, also vor 1837, beherrschten insbesondere die grossen Schifferzünfte von Uri und Luzern mit ihren zahlreichen Segel- und Ruderschiffen verschiedensten Kalibers und Zuschnitts die Szene. Diese Art der Schifffahrt reicht tief in die Geschichte zurück und dürfte bereits zur Römerzeit eine recht grosse Rolle gespielt haben. Dieser archaische Schiffsverkehr diente im Kern vorwiegend dem Transit - Handelswaren aller Art von Nord nach Süd und von Süd nach Nord. Daneben wurden aber - nach dem reinen Bedarfsprinzip - die Uferorte bedient und versorgt. Was unter welchen Umständen ins Tal und mit welchen Schiffen über den See gelangt ist, lässt sich wohl erahnen, die Geschichte müsste aber vermutlich im einzelnen noch geschrieben werden.

Die 1837 mit der ersten "Stadt Luzern" eröffnete Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee läutete nun aber ganz andere Dimensionen ein. Die Schifferzünfte (vor allem in Uri) protestierten deshalb lebhaftestens gegen diese neue (wohl als teuflisch verrufene) Erfindung. Dank der Weitsicht und Initiative des hochangesehenen Urners Carl Emmanuel Müller (1804-69) konnten aber die härtesten Konfrontationen vermieden werden, zumal Müller die Gelegenheit bald einmal beim Schopf packte und der ersten Luzerner Schifffahrtsgesellschaft 1846 seine eigene urnerische Postdampfschifffahrts-Gesellschaft als Konkurrenzunternehmen entgegenstellte.

In der allerersten Zeit der Dampfschifffahrt wurden fast nur direkte Transitfahrten Luzern-Flüelen und umgekehrt durchgeführt. Die wichtigsten Uferorte, etwa Weggis und Brunnen, wurden aber bald einmal mit Kähnen vom im See draussen anhaltenden Schiff aus bedient. Stationsanlagen wie wir sie heute kennen, haben sich nur ganz zögerlich durchgesetzt - immerhin sind Bauen und lsleten im Jahr 1874 (erste Landungsbrücke bis 1901 etwa beim heutigen "Seegarten“) mit festen Landungsvorrichtungen ausgerüstet worden. Ab jenem Zeitpunkt konnte man wohl mit Fug behaupten, dass mindestens diese beiden Uferorte einigermassen "an die Welt angeschlossen" waren. Treibende Kraft hinter der Eröffnung dieser beiden Landungsstellen war aber mit Sicherheit nicht das Allgemeininteresse, sondern die Bedürfnisse der neu eröffneten Dynamitfabrik in lsleten.

Bauen und lsleten wurden denn zunächst von den durchgehenden Kursen auch nur sporadisch angefahren - der Lokalverkehr im oberen Urnersee wurde nämlich von der Sprengstofffabrik in eigener Regie mit dem von der Schifffahrtsgesellschaft vorerst gemieteten und dann angekauften Schraubendämpferchen "Rütli" besorgt. Dieser Zustand dauerte eine gute Generation lang, d.h. von 1874 bis 1908. In diesem Jahr pachteten die Sprengstoffwerke den etwas leistungsfähigeren Schraubendampfer "Schwan" und zwei Jahre später, also 1910, übernahm die Schifffahrtsgesellschaft den Lokalverkehr Flüelen-Isleten-Bauen in eigener Regie, vor allem wohl deshalb, weil neben den Personaltransporten zur Dynamitfabrik nun auch der Tourismus langsam aufblühte und die Mobilität der Bevölkerung ganz allgemein etwas anzusteigen begann. Auch dem "Schwan" waren lange Jahre im Kanton Uri zugemessen: das Schiff blieb - ab 1920 in ein Motorschiff umgebaut - bis etwa 1930 treu auf seinen Stammkursen. Etwa zu diesem Zeitpunkt wurde der "Schwan" durch die legendär gewordene und auch heute noch als Reserveschiff vorhandene "Reuss" ersetzt. Dieses in Deutschland an der Elbe gebaute, sehr gefällige und robuste Motorschiff war in der Folge für beinahe 50 Jahre das "Wahrzeichen" des Urnersees bis etwa 1970 mit Heimathafen Flüelen - später Brunnen. Seit etwa jenem Zeitpunkt werden ab Flüelen keine Lokalkurse mehr gefahren - die Post hat das Schiff definitiv und zuverlässig abgelöst. lsleten ist aber mehr und mehr sehr gut in den Gesamtfahrplan der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee eingebunden worden und ausserhalb des eigentlichen Winter-Werktagfahrplanes (aber durchaus an Wintersonntagen) kann das Isental per Schiff sehr bequem und vor allem auch auf sehr sympathische Weise erreicht werden.

Wir schliessen diese Betrachtung mit einigen Gedanken zum legendären "Marktschiff". Jahrzehntelang verliess an den Tagen des grossen Altdorfer Winter Marktes ein grosses Dampfschiff Luzern um 05:20 Uhr, welches nach einem Halt an fast allen Stationen jeweils um 08:35 Uhr in Flüelen eintraf. Tags darauf verliess das Marktschiff Flüelen um 16:10 Uhr in Richtung Brunnen-Beckenried-Luzern. lsleten wurde aufwärts um 08:15 Uhr bedient, talwärts am Folgetag um 16:25 Uhr. Transportiert wurden Landwirte und - vor allem - ihr auf den Markt zu bringendes oder dort erstandenes Grossvieh. Wenn das Marktschiff erzählen könnte - der Geschichten wären wohl Legion! Auf dem vorderen Hauptdeck wurden die Relinge mit Steckvorrichtungen, Brettern und Halterungen erhöht und die Sippe der Rinder bevölkerte diesen sonst den Zweitklasspassagieren vorbehaltenen, luftigen Teil des Schiffes. Hinten im gemütlich geheizten Salon werden die Bauern und Händler bei einem Kaffee Träsch derweil wohl den Marktereignisssen entgegengefiebert oder darüber nachphilosophiert haben.

Für diesen heute pittoresk anmutenden Sondereinsatz wurden diverse Schiffe bereitgestellt, ab 1949 aber fast ausschliesslich das kürzlich generalrevidierte und bestbekannte DS "Uri". Das Marktschiff konnte sich recht lang gegen die Strassenkonkurrenz halten, doch Mitte der Sechzigerjahre verschwand dieses sympathisch-archaische Angebot aus den Fahrplänen der SGV - der Lastwagen hatte seinen Tribut gefordert.

Jürg Meister, Basel


Begebenheit mit einer Hochzeit

Für eine bestimmte Hochzeit wurde gewünscht, dass man diverse Regionen, aus welchen die Gäste kommen, berücksichtigen solle. So wurde bei der Talstation und der Bergstation „Tea“ auf englische Art serviert. Dazu gab es englische Brötchen (nach Rezept des Brautpaars). Bei der Kapelle servierten wir Bayrisches Bier und eine bayrische Spezialität. Die Hauptspeise im Gasthaus war Schweizerisch und das Dessertbuffet sollte Kroatisch sein.

Aber auch bei dieser Hochzeit ging nicht alles „nach dem Schnürchen“. Das Brautpaar war öfters in Gitschenen gewesen, um die diversen Einzelheiten zu besprechen. Die fremdländischen Spezialitäten wurden vorgestellt mit Rezept und in natura. Die Wirtin konnte so sehen, wie das Endprodukt aussehen sollte. Bei der Bayrischen Spezialität ist es dann passiert. In der Küche wurden die Silser Brötli halbiert und eine Füllung zubereitet. Die bereitgestellten Salzstengeli sollten dann in die fertigen Silser Brötli als Dekoration gesteckt werden. Wie es halt in der Hektik vorkommen kann, hat sich die Chefin leider in der Küche zu wenig deutlich ausgesprochen und in einem kurzen Moment waren die Salzstengeli mit dem Mixer in der Füllung verkleinert worden. Oh Schreck!

Es war Samstag ca. 15:30 Uhr - in letzter Minute holte uns ein rettender Engel aus dem Dorf erneut einen Sack Salzstengeli und schickte diese per Express nach Gitschenen. Im letzten Moment waren unsere Bayrischen Silser Brötli richtig und perfekt dekoriert - und der Apero vor der Kirche konnte zeitgerecht serviert werden.

Wir wollen auch in Zukunft solche „Begebenheitsgeschichten“ veröffentlichen. Es ist allerdings möglich, dass, wenn wir einmal 100%ige Profis sein werden, der Stoff für weitere Geschichten ausgehen könnte. Aber dies wird wohl noch eine Weile dauern!

Beatrice Herger-Kieliger, Isenthal


Klosterfrauen

Im Pfarrhaus Isenthal sind dies mit Apfelmus gefüllte Omeletten. Hier das Rezept für 4 Personen:

  • 3 Äpfel

  • 100 g Zucker

  • 5 Eier

  • 4 dl Milch

  • 150 g Mehl

  • 1 Prise Salz

Die Äpfel in Stücke schneiden, mit 80 g Zucker und etwas Wasser weichkochen, durch ein Sieb streichen und beiseite stellen. 2 Eier, 2 dl Milch, Mehl und Salz verrühren. Eine Stunde ruhen lassen. Dann mit dieser Masse 4 grosse machen. Die Omeletten mit Apfelmus bestreichen und aufrollen. In eine Auflaufform geben. Restliche Milch mit 3 Eiern verrühren, den restlichen Zucker zufügen und diesen Guss über die Omeletten verteilen. Bei 180 Grad etwa 50 Minuten lang im Ofen überbacken. Warm servieren.


Der grosse Wettbewerb der Gitschener Post

Gewinner des Frühling 1998 Wettbewerbs

Im Scherenschnitt von Sabine Abt mussten die Fliege und die Grille gefunden werden. Aus den eingegangenen, richtigen Lösungen haben wir die folgenden drei Gewinner gezogen:

1.   Preis Wochenende auf Gitschenen für zwei Personen: Frau Brigitte Kaufmann, Klingnau

2.   Preis Mittagessen für zwei Personen: Frau Marie-Louise Gubler, Zug

3.   Preis Zabigteller für zwei Personen: Herr Peter Ernst, Biel

Wir gratulieren den Gewinnern herzlich!


Sinsgäuer Schonegg

Unbekannter Übergang vom Engelberger- ins Isenthal

Vorschlag für eine vierstündige Wanderung durch herrliche, unberührte Berglandschaft

Hinfahrt:

Mit der Bahn gelangt man von Luzern über Stans nach Wolfenschiessen und nimmt dort den Bus nach Oberrickenbach.

Wanderung:

Bei der Talstation der Luftseilbahn zum Bannalpsee wandern Sie los über Fur, überqueren den Bach nach Unter Spis und erreichen über eine Krete Ober Spis. Von dort geht es zur Haghütte und zur Hüethütte. Folgen Sie den Wegweisern. Über Flüelenboden und dem Rinderstaffel gelangen Sie zum Sinsgäuer Schonegg Pass auf 1924m. Der Abstieg führt an der Sulztalerhütte vorbei und nach etwa vier Stunden Wandern erreicht man Gitschenen mit Gasthaus und Luftseilbahn.

Rückfahrt:

Mit der Luftseilbahn kommen Sie nach St. Jakob, wo sie den Bus bis Altdorf/Flüelen und einen anderen bis Stans nehmen können. Alternativ ist es möglich, ab Isleten mit dem Schiff bis Beckenried und von dort mit dem Bus bis Stans zu fahren.

Rundfahrtbillet:

In Stans können Sie ein kombiniertes Rundfahrtbillet kaufen.

 


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Last Update: 22.11.2009