|
Gitschener Post - Frühling 1999
Nr. 4 / Frühling / Sommer 1999
Editorial
Liebe Freunde von Gitschenen,
der vergangene Winter wird uns wohl
allen in unvergesslicher Erinnerung bleiben. Alle, die auf Gitschenen wohnen und
alle, welche trotz den unmöglichen Umständen - Gitschenen war während ca.
zwei Wochen von der Umwelt abgeschnitten - vorbeikommen konnten, stimmen überein,
dass man so etwas hier oben noch kaum je gesehen hat. In der Vergangenheit hat
es zwar immer wieder strenge Winter mit viel Schnee gegeben - so z.B. 1945 oder
1951 -, aber die Monate Februar und März 1999 werden bezüglich
Schneemengenzuwachs plus Lawinengefahr eindeutig als Rekordmonate in die
Gitschener Geschichte eingehen. Zwischen dem 7. und 28. Februar war das Wetter
am schlimmsten. Die Einheimischen durften ihre Häuser nicht mehr verlassen und
es gab sogar Evakuierungen. Als sie dann nach Tagen mit intensivstem Schneefall,
Sturm und Lawinengefahr zum ersten Mal die Umgebung nach Schäden untersuchen
gehen konnten, bemerkten sie, dass es leider auch auf Gitschenen zu einem
enormen Schneeschaden gekommen war: die Alphütte (mit Stall) "Geissboden"
wurde von einer "Maisanderlawine" zerstört. Beim Zusammenstellen der
Berichte zu dieser Zeitung ahnten wir damals nicht im geringsten, dass mehrere
davon unheimlich gut zum vergangenen Winter passen würden. Es zeigt sich, dass
die Launen der Natur leider auch vor Gitschenen nicht immer Halt machen.
In dieser Ausgabe berichten wir aber
nicht nur über Lawinen und Winter, sondern wir bieten Ihnen selbstverständlich
auch sonst äusserst informativen, interessanten Lesestoff. Wussten Sie zum
Beispiel, dass das Schulhaus Isenthal umgebaut worden ist, dass bis vor noch
nicht allzu langer Zeit die Hauptverbindung zum Isenthal über den Urner See führte
oder, dass die Vorstellungen zu einer neu entstandenen Alpenmode Uri aus
Gitschenen stammen? Diese Ausgabe der Gitschener Post berichtet Ihnen ausführlich
zu diesen und anderen auserlesenen Themen. Den beteiligten Autoren möchte ich
an dieser Stelle herzlich danken für ihre aufwendigen und teilweise sogar echt
wissenschaftlichen Arbeiten.
Inzwischen ist der Frühling
ausgebrochen und die letzten Schneereste des strengen Winters werden bald
verschwunden und durch prächtige Alpenblumen ersetzt worden sein. Am nächsten
sonnigen Wochenende sollten Sie sich dieses Farbenschauspiel nicht entgehen
lassen. Falls das Wetter nicht mitspielt, so gehen Sie trotzdem nach Gitschenen
und lassen Sie sich im Gasthaus mit seiner fertig renovierten Küche von Neuem
verwöhnen.
Mit freundlichen, alpinen Grüssen
Frühlings- und Bärenerwachen
auf Gitschenen
Mitte Mai 1999 wird auf Gitschenen
eine bärenstarke Saison eröffnet. Die „Bärenspezialistin“ Ruth Voisard
stellt ab 13. Mai bis und mit 26. Juni 1999 ihre Bärenkunstwerke im Alpenkunsthäuschen
aus. Auf originelle Art werden die Teddies in verschiedenen Situationen
dargestellt. Sie können alpenmodisch bekleidete Bären studieren, welche in
diversen, lustigen Situationen gezeigt werden. So gibt es zum Beispiel Bären
bei der Arbeit, Bären auf dem Bauernhof oder Bären in der Küche zu sehen.
Frau Ruth Voisard wird in der Zeit vom 13. Mai bis 16. Mai und während ihrem
Teddy-Bär Kurs vom 25. Mai bis 28. Mai in Gitschenen anwesend sein und ihr
Handwerk persönlich vorstellen. Im Teddy-Bär Kurs gibt es noch freie Plätze.
Am 16.
Mai 1999 ist die offizielle Saisoneröffnung,
welche um 11 Uhr im Alpenkunsthäuschen mit einer musikalischen Umrahmung sowie
einem Apero gefeiert wird.
Während der Bärenausstellung wird im
Gasthaus ein bärenbetontes Menu erhältlich sein. Dazu gehört Bärensuppe, Bärlauchravioli,
von Bären heiss geliebtes Schweinssteak mit Honig-Kruste, Bären-(Beeren)-Dessert.
Wie ist man für den Sommer 1999 auf
das Thema Bär gekommen? Nun, Gitschenen hat eine althergebrachte Beziehung zu Bären.
Dass es hier einst viele Bären gegeben haben muss, zeigt sich zum Beispiel im
Namen eines Gitschener Hausbergs, welcher Bärenstock heisst. Im Tal
durchstreiften noch im letzten Jahrhundert einige Bären die Gegend. Wenn Sie
durch das Dorf Isenthal hoch gehen, so sehen Sie am oberen Dorfende, links an
einer Hauswand aufgehängt, die Tatzen des (vorläufig) letzten Bären des Tals.
Deshalb und weil sowieso die Bärenkurse von Frau Voisard im Kursangebot sind,
entschloss man sich, dieses Jahr auf Gitschenen einmal diese prächtige Schöpfung
etwas in den Mittelpunkt zu stellen.
Im vergangenen Winter wurde die Küche
des Gasthauses vergrössert und mit neuen Einrichtungen versehen. Ab sofort wird
man Sie noch besser bedienen können. Es sind auch wieder ein paar sehr gute
Speiseüberraschungen für Sie bereit.
Sanierung, An- und Umbau des
Schulhauses Isenthal
Das in den Jahren 1935 von Architekt
Utiger Altdorf erbaute Schulhaus Isenthal wird derzeit umgebaut. Damals kostete
der weitsichtig und massiv konzipierte Neubau nur Fr. 152'000 und diente nun
mehreren Generationen als Schul- und Gemeindehaus.
Eine Gesamtrenovation für das
Schulhaus drängte sich nun aber augenfällig auf. Das Schulhaus entsprach den
heutigen schulischen Bedürfnissen nicht mehr und auch in energetischer,
sicherheitstechnischer und feuerpolizeilicher Hinsicht genügte es nicht mehr.
Mit dem 1997 ausgearbeiteten Projekt beabsichtigte nun die Gemeinde, eine
Nutzungstrennung zwischen Wohnen, Schule und Gemeindedienste zu vollziehen. Im
Schulhaus werden zwei Wohnungen in zwei zusätzliche Schulräume umgestaltet. Im
Holzschopfbereich wurde zudem ein gesetzlich vorgeschriebener Werkraum angebaut.
Nun können sämtliche Klassen und auch der Kindergarten im Schulhaus
unterrichtet werden, was sich auf den Schulbetrieb und die Kosten positiv
auswirken wird.
Auch der Gemeindesaal und die Bühnenanlage
sind angepasst worden. Gemeinde und Vereine erhalten eine moderne Bühne, die
als Mobilanlage sowohl im Gemeindesaal als auch in der Turnhalle für Grossanlässe
eingesetzt werden kann. Mit dem Umbau wurden auch die Fassaden und Fenster wärmetechnisch
erneuert. Die Fassadensanierung war dringend nötig, um die Grundsubstanz des
Gebäudes zu schützen. Der Einbau einer modernen Holzschnitzel-Heizung, die nun
das Schul-, das Gemeindehaus und die Turnhalle beheizt, erscheint im Hinblick
auf den Waldreichtum der Gemeinde eine sinnvolle, Arbeitsplätze erhaltende
Massnahme. Die Bürgergemeinde ist verantwortlich für die Bereitstellung der
Holzschnitzel.
Die Gemeindekanzlei war bisher in
einem engen Raum im Schulhaus untergebracht. Eine moderne Gemeindeverwaltung mit
Kanzlei, Sitzungsräumen, Archiv und einem Kulturraum wurde nun mit dem gleichen
Umbauprojekt bereits im Jahre 1997 im früheren Pfarrhelferhaus (Kindergarten)
verwirklicht. Eine effiziente Verwaltung ist für die wachsenden
Gemeindeaufgaben von grosser Bedeutung und der Umbau stiess bei der Bevölkerung
anlässlich des Tags der offenen Türe an der letzten Chilbi auf reges
Interesse.
Die Gemeinde Isenthal rechnet für
Schulhaus, Gemeindekanzlei und Heizzentrale mit Gesamtkosten von Fr. 2'690'000.
Die Gesamtkosten für das Schulhaus allein betragen über Fr. 2 Mio. Der
Gemeinde verbleibt dank Subventionen und privaten Spenden noch ein grosser
Betrag von voraussichtlich gut Fr. 800'000.
Isenthal führt heute für die 53
Primar- und 15 Kindergartenkinder 3 Primarabteilungen und einen
Wanderkindergarten. Die 1928 gegründete Sekundarschule befindet sich seit 1971
im Oberstufen-Kreisschulzentrum in Seedorf. Die Gemeinde Isenthal hat einer
guten Schulbildung immer grosses Gewicht beigemessen. Sie möchte auch in
Zukunft den Jugendlichen eine gute Ausgangslage für die Bewältigung der nicht
einfachen Aufgaben im eigenen Dorf und ausserhalb des Tales bieten.
Josef Schuler, Isenthal
Mit dem "Seil" kam der Aufschwung
Kurzer
Blick auf die Siedlungsgeschichte von Gitschenen
Bekanntlich präsentiert sich
Gitschenen in heutiger Zeit als ganzjährig bewohntes, gastliches Hochplateau.
In früheren Jahrhunderten hingegen wurde dieses sonnig gelegene, aber
abgeschlossene Berggebiet nur den Sommer hindurch alpwirtschaftlich genutzt,
ursprünglich sogar von Nidwalden aus. Die erste schriftliche Erwähnung stammt
aus dem Jahre 1533 (Benno Furrer: "Die Bauernhäuser des Kantons
Uri"). In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden dann einfache
Heimstätten auf 1500 m bis 1600 m Höhe. Sie gehörten in der Regel zu im
Grosstal gelegenen Gütern, so z.B. das Heimwesen "untere(r)
Gitschenen-Berg" (Aschwanden) zum "Schattenberg" und ursprünglich
sogar zur Altdorfer "Bärenmatt", die "hintere obere Egg" (Imholz)
zum "Schwarzwald", die "Egg"- Güter der "Schuenis"
(Bissig) zum "Wyssigli" oder "obere Egg", "Kneiwies"
und "obere(r) Gitschenen-Berg" (Gisler) zur "unteren Schwändi"
(ausführliche Bezeichnungen laut Grundbuch, im Gebrauch etwas gekürzt). Diese
Gitschener Heimet, "Berg" genannt, wurden nur als Stufenbetriebe geführt
und waren nicht ständig bewohnt. Anfangs Sommer zogen die Bauersleute mit dem
Viehbestand dort hinauf. Man bewirtschaftete die Alpgebiete und brachte Heu und
Wildheu ein. Im Herbst kehrten die meisten Familienangehörigen wieder ins
Talgut zurück, während Söhne oder Knechte mit dem Vieh oben blieben, bis um
Mitte Januar der Futtervorrat aufgebraucht war.
Vermutlich als Folge der Bevölkerungszunahme
in den Bergtälern und den damit verbundenen Erbteilungen um die Wende zum 20.
Jahrhundert wurden auch die Gitschener Höfe verbessert und ganzjährig
bewohnbar gemacht. Bald kamen auch Seilbahnen auf, welche höher gelegene
Gebiete erschlossen. Da ergriffen die Gitschener die Initiative und setzten um
1927 ein ganz einfaches "Seil" in Betrieb. Das war der Beginn eines
langsamen Aufschwungs und der späteren touristischen Anziehungskraft.
Doch nicht immer zeigt das
landschaftlich reizvolle Gitschenen sein liebliches Gesicht! In früheren,
schneereichen Wintern war der Aufenthalt in dieser Höhenlage oftmals mühsam
und gefährlich. Wohl achteten die Bauern beim Erstellen ihrer Heimstätten auf
eine möglichst sichere Lage, aber die Naturgewalten sind unberechenbar, und in
Lawinenwintern haben schon einige Gebäude Schäden erlitten. Ein Hof war
besonders stark betroffen und ist im Verlaufe von wenigen Jahrzehnten gänzlich
verschwunden. Zu diesem Thema gibt es in dieser Zeitung noch mehr zu lesen.
Hedi Kleiner-Aschwanden, Meilen
Schreibweisen für den
Bergbauernhof „Kneiwies“
Wie die folgende Tabelle zeigt, haben
sich im Laufe der Zeit für ein und denselben Bergbauernbetrieb fünf
verschiedene Schreibweisen entwickelt:
| Kneuwis |
im
Grundbuch und in der Eidgenössischen Landestopographie bis mindestens
1936 |
| Chneuwis |
Eidgenössische
Landestopographie später bis heute |
| Chneiwis |
Mundartsprache |
| Kneiwis |
häufig
gebraucht in Schriftsprache |
| Kneiwies |
Schreibweise
der heutigen Besitzer sowie der Gitschener Post |
Hedi Kleiner-Aschwanden, Meilen
Leserpost / Post von
„Internetten“
Danke vielmals für die GITSCHENER
POST.
Ich möchte sehr gerne wieder ins Kursus bei euch..!!
M. E., Dänemark
Herzliche Gratulation zum
Internetauftritt "Gitschenen". Tolle Leistung von Ihnen und vom Hotel!
Mit freundlichen Grüssen
S. G., MEYERS MODEBLATT Zürich
Mein Kompliment zur Homepage
Gitschenen. Falls Sie Lust hätten, eine weitere Homepage zu gestalten, würden
mich die Preise interessieren. Für ihre Nachricht danke ich Ihnen herzlich.
F. B., Flüelen
Super, was du da ins
net gestellt hast, gratulation. meine frau ist so begeistert von den bildern,
dass sie für ende september gleich für eine woche ferien bei ihrem chef
eingegeben hat...
E. B., Regensburg
Im Oktober 97 durfte ich den Schwyzer-Örgelikurs
in Gitschenen besuchen und seither erhalte ich die vielgeliebte Gitschener Post.
Dafür danke ich ganz herzlich. Wir alle erinnern uns immer gerne an den
wunderschönen Aufenthalt. In der Beilage sende ich meinen Vorschlag für den
Namen der Mazurka, welche Markus Flückiger komponieren will. Ich bin gespannt
auf das neue Stück - höre ich doch selber auch sehr gerne Mazurkas. Schon
jetzt freue ich mich auf die neue Post.
M. M., Zürich
Herzlichen Dank für den
Wettbewerbsgewinn! Ein unverhofftes Weihnachtsgeschenk, das ich gerne im
Verlaufe des Sommers einlösen werde.
B. K., Döttingen
Wir haben viele Freunde die gerne und
viel wandern. Allen habe ich vorgeschwärmt von Gitschenen und viele wollen Euch
im nächsten Sommer besuchen. Ich wäre froh, wenn ich ihnen Prospekte von
Gitschenen und die Gitschener Post geben könnte.
L. S., Hunzenschwil
Lorenz Mühlemann - Leiter des
neuen Schweizer Zither-Kultur-Zentrums
Ob all dem lauten Techno- und
HipHop-Getöne wird die Sehnsucht nach leisen und feinen Klängen immer grösser.
Kein Wunder, dass das Interesse am Saiteninstrument Zither zunimmt. Aber nicht
nur deshalb, sondern weil die Zithergeschichte ein Stück Kulturgeschichte ist
und weil ihm die Zither persönlich am Herzen liegt, gründete Lorenz Mühlemann
das Schweizer Zither-Kultur-Zentrum, das am 21. Februar 1999 an der
Burgdorfstrasse 8 in Konolfingen seine Pforten öffnete.
Kurzinterview:
Sie
befassen sich seit rund 20 Jahren mit der Zither. Wie hat Ihre Leidenschaft
angefangen?
Ganz harmlos... Ich kam durch Zufall zu einer alten Zither, klimperte ein
bisschen darauf herum und war überrascht: der feine Klang, das einfache Spiel,
der nostalgische Hauch - das hat mich verzaubert.
Die
Zither hat ein verstaubtes Image...
Verstaubtes Image? Ich erlebe das anders. Ich erinnere mich an jene Holländer,
die mit Mercedes, Zither und Anzug unbedingt über Neujahr zu Besuch kommen
wollten, an eine Delegation des Zitherverbandes Japan, die einmal in unserer
Wohnstube Platz fanden - und in einer Beiz in Prag gründete ich mit anderen ein
Komitee für ein Zitherspiel-Treffen, das dann im September 98 unter Beteiligung
von Aktiven und Besuchern aus 15 Nationen stattfand...
Sie
spielen Zither, restaurieren, unterrichten, dokumentieren. Was gefällt Ihnen am
besten?
Die Summe von allem. An Konzerten entsteht Gemeinsamkeit, beim Unterrichten gebe
ich vieles weiter, und aus einer Zitherleiche wieder ein Musikinstrument zu
machen, ist ein ganz besonderer Vorgang. Mit dem Dokumentieren ergeht es mir wie
jedem Forscher: Je mehr man sich in eine Materie vertieft, desto weiter wird das
Feld.
Dieser Artikel wurde von Katja Schmid
verfasst und ist im Frühjahr 1999 im Meyers Modeblatt erschienen.
Das Schicksal des Heimwesens
"Oberer Gitschenen - Berg"
Dieses Berggut, am Fusse einer Fluh
zwischen dem "Kneiwies" und dem "unteren Gitschenen - Berg"
der Familie Aschwanden gelegen, an der Stelle, wo heute noch der Fussweg zur Alp
Gitschenen ansteigt, gehörte der Familie Gisler von der "unteren Schwändi".
Wohl kaum einer hätte indessen gedacht, dass diese Lage nicht lawinensicher
sei. Doch schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts musste man das Gegenteil
erfahren. Der Verdingbub Michael Aschwanden, der "Träppi-Michi",
verbrachte den Winter 1894/95 dort oben beim Ratsherrn Josef Gisler. Noch bis
ins hohe Alter wusste er zu erzählen, wie eine grosse Tanne, die etwas oberhalb
von Haus und Gaden gestanden habe, eines Nachts von einer Staublawine gefällt
worden sei und mit Getöse zwischen die beiden Gebäude zu liegen kam, die glücklicherweise
keinen Schaden nahmen. Die Bewohner hätten sich am Morgen zuerst einen Weg zum
Stall freischlagen müssen.
Rund 20 Jahre später, nämlich in der
Nacht vom 13. auf den 14. Januar des Kriegsjahres 1915, ereignete sich erneut
ein Lawinenniedergang, dem der Gaden zum Opfer fiel. Nachdem Ratsherr Gisler
1906 das Isental verlassen hatte, kamen die väterlichen Liegenschaften ganz in
den Besitz seines Bruders Augustin. Aus der Feder seiner Enkelin Käthy
Furrer-Gisler stammt die nachfolgende, anschauliche Schilderung des Unglücks,
wie es ihr von ihrem Vater, dem "Stini-Wysel", überliefert worden
ist:
Sogar auf einer Ansichtskarte wurde
die durch die "Zingel-Läüwi" angerichtete Zerstörung in Bild und
Text festgehalten. Nebst 16 Stück Grossvieh kamen Kälber, Schafe, Ziegen und
Schweine um und nur eine Sau soll überlebt haben. Ein Bub aus St. Jakob, der
1908 geborene "Port-Otti", erinnerte sich auch in späteren Jahren
noch an den schrecklichen Anblick der toten Tiere, die ins Tal abtransportiert
werden mussten.
Familie Gisler verliess nun das
bisherige stattliche Wohnhaus und zog ins sicher gelegene "Kneiwies"
um, das eher als Alphütte zu bezeichnen war und zuerst noch ausgebaut werden
musste. Das alte Haus erfüllte fortan seinen Zweck als Ferienhaus für
Pfadilager und Private. Da Familie Wahler aus Basel über Jahre hinweg während
der Sommermonate dort ständiger Gast war, erhielt es die Bezeichnung "Baslerhuisli".
Leider waren auch seine Jahre gezählt, denn gegen Ende des Zweiten Weltkrieges,
am 8. März 1945, schlug die "Zingel-Läüwi" erneut zu und zerstörte
das ehrwürdige Haus bis auf die Grundmauern. Wie dieser Schreckenstag von den
Bewohnern des "Kneiwies" erlebt wurde, hält ein Erinnerungsbericht
des damaligen Knechtes, Alois Aschwanden, fest:
Während des Winters können sich die
Bauern Zeit nehmen, um Reparaturarbeiten, z.B. an Gebäuden, auszuführen. Im
Jahre 1944 hatten der Meister und ich das Dach des "Baslerhuisli" zur
Hälfte mit Federschindeln frisch gedeckt. Dieses Jahr sollte auch die andere Hälfte
erneuert werden. Am 8. März 1945 waren "Stini-Wysel" und ich wieder
daran, Federschindeln herzustellen und hielten uns zu diesem Zweck oben im
"Kneiwies"- Haus auf. Um etwa 14 Uhr wurde es plötzlich stockdunkel,
und wir verspürten einen starken "Rupf". Es war uns sofort klar, dass
eine Staublawine niedergegangen sein musste. Nachdem sich der Schnee gesetzt
hatte, zogen wir, nichts Gutes ahnend, die einfachen Skier an und mussten den
Ort des Unglücks nicht lange suchen. Vom früheren Wohnsitz der "Stinis"
ragten nur noch die Grundmauern empor, bedeckt vom Stubenboden. War das ein
trostloser Anblick! Ein Glück nur, dass sich niemand im Haus aufgehalten hatte!
Bis etwa 100 m vom Nachbarhof entfernt, lagen in der Ebene zerbrochene
Holzteile, Betten und Hausrat sowie die Trümmer von Kachelofen und Kamin
zerstreut herum. Die noch stehenden Gebäudeteile waren geschützt gewesen durch
einen Hügel. Auch das übrige Haus hätte keinen so grossen Schaden nehmen können,
wenn nicht eine weiter oben stehende Tanne darauf hinunter gestürzt wäre und
dadurch die starke Zerstörung verursacht hätte. Natürlich waren auch die
Gitschener Nachbarn von der Lawine aufgeschreckt worden und zu Hilfe geeilt. Es
stellte sich in der Folge heraus, dass an den Häusern "hintere Egg"
und "untere Gitschenen" ebenfalls Schäden entstanden waren. Die aus
Holz bestehenden Trümmer des Baslerhauses konnten nur noch als Brennholz
verwendet werden. Bei Bedarf transportierte man sie ins "Kneiwies",
zersägte sie und speiste damit den Kachelofen. Was als nicht brennbar übrig
geblieben war, führte man mit Schlitten zum Tobel und entsorgte es dort auf die
damals übliche Weise.
Damit war das Schicksal eines
typischen Gitschener Heimwesens für alle Zeiten besiegelt. Heute findet sich an
Ort und Stelle kaum mehr ein Hinweis auf sein früheres Bestehen!
Hedi Kleiner-Aschwanden, Meilen und Käthy
Furrer-Gisler, Isenthal
Gitschenen
und der Lawinenwinter 1915
Im Jahre 1915 herrschte ein garstiger
Winter. Bereits lag eine grosse Menge Schnee auf den Wiesen und kein Ende war in
Sicht. Es schneite und stürmte unaufhörlich. Die Familie Gisler war mit dem
ganzen Viehbestand auf Gitschenen, 1600 m über Meer. Da spürt man die Härte
der Winter. Doch in der Stube war es gemütlich warm. Alois und Franz, die
beiden Söhne des Augustin Gisler, hatten diesen Abend noch einige Arbeiten im
Stall zu erledigen. Eine Kuh war am Kalben. So schauten sie halt mehrere Male in
den Stall. Der Weg dorthin wurde immer beschwerlicher wegen der grossen
Schneemenge. Jedes Mal musste man sich den Weg neu bahnen. Da beschlossen sie,
im Stall zu warten, bis das Kälbchen kam. Sie hatten sich ja einiges zu erzählen
und machten sich auch keine Sorgen wegen des vielen Schnees. So wurde es
ziemlich gemütlich bei der wohligen Wärme, die die Kühe abgaben. Doch bald
gab es alle Hände voll zu tun. Das Kälbchen wollte auf die Welt, man musste kräftig
anpacken. Die beiden Burschen freuten sich, dass die Geburt gut verlaufen war.
Die Kuh bekam einen ganzen Kessel voll Kaffee-Schnaps und das Kälbchen
versuchte sich in den ersten Gehversuchen und wollte natürlich auch seine
Milch. Franz und Alois spürten bald die Müdigkeit. Die Zeit zeigte ja schon über
Mitternacht. Doch die letzten Arbeiten mussten noch verrichtet werden und dann
wollten die beiden endlich ruhig den Rest der Nacht in ihren Betten verbringen.
Sie schauten nochmals bei allen Tieren vorbei und machten sich mit der
Stalllaterne auf den Weg zum Haus. Draussen schneite und stürmte es noch immer.
Franz und Alois schauten sich jetzt doch besorgt an. So viel Schnee ist schon
ein wenig unheimlich. Sie traten ins Haus, wischten den Schnee von den Kleidern
und wollten zu Bett gehen. Doch halt, was war das? Eine besonders heftige Sturmböe
liess das Haus erzittern. Da wurde es einem Angst und Bange. War das der Sturm,
eine Lawine oder gar das Brüllen des Viehs? Es waren unheimliche Momente. Dann
eine erdrückende Stille - Totenstille. Die Stalllaterne wurde wieder entzündet,
es gab ja zu jener Zeit weder Elektrizität noch ein Telefon auf dieser Höhe.
Die beiden Brüder machten angstvoll kehrt, um draussen nachzuschauen, was los
war. Erschrocken stellten sie fest: "Da ist ja kein Stall mehr!" Türme
von Schnee lagen vor ihnen, sonst konnte man nichts erkennen. Eine riesige
Lawine hatte den Stall samt dem, Vieh weggefegt. Entsetzen machte sich breit.
Vor kurzer Zeit nur hatten sie noch einem kleinen Kälbchen auf die Welt
geholfen und jetzt war da nichts mehr. Die Haare standen ihnen zu Berge, als
Franz und Alois erkannten, dass sie nur wenige Minuten von den Schneemassen
getrennt hatten. So schnell sie konnten, eilten sie ins Haus, um Hilfe zu holen.
Doch sie waren zu wenig und konnten solch einer Masse Schnee nicht trotzen.
Stini ging in finsterer Nacht und bei starkem Schneegestöber ins Tal, um zusätzliche
Helfer anzuwerben. Man bedenke, bei diesen Verhältnissen ein fast
aussichtsloses Unterfangen. Trotzdem gab es gar keine andere Möglichkeit. Diese
nächtlichen Stunden wollten nur schleppend vorbeigehen. Bei Tagesanbruch zeigte
sich dann der ganze Schreck. Die volle Tragik des Unglücks wurde wahrgenommen.
Nichts mehr war da, wo es ursprünglich hingehörte. Holzbalken, Heu, eine tote
Kuh, eine Ziege... ein trauriger Anblick.
Käthy Furrer-Gisler, Isenthal
Gitschenen
und der Lawinenwinter 1945

Über persönliche Erlebnisse und
Erfahrungen aus ihrer Jugendzeit wissen die Brüder Meinrad und Wendelin Imholz
von der "Hinteregg" eindrücklich zu berichten:
Der Kriegswinter 1945 war sehr
schneereich und liess mehrere Lawinen zu Tal fahren. Im Februar herrschte eine längere
Schönwetterlaune. Den Tag über war es warm, des Nachts gefror der Schnee, so
dass eine harte Decke entstand. Als das Wetter anfangs März umschlug, schneite
es während 2 bis 3 Tagen unaufhörlich, aber still, d.h. ohne Wind, auf die
harte Unterlage. Mulden und Tobel waren bald mit Schnee ausgefüllt, während
sich in den höheren Regionen 7 bis 8 Meter hohe Wächten gebildet hatten. Im
Grosstal herrschte die gleich prekäre Situation. An einem Dienstag schneite es
um 10 Uhr so ergiebig, dass die Schüler nach Hause geschickt wurden und etwa
eine Woche lang nicht zur Schule gehen konnten. Diese Vorsichtsmassnahme erwies
sich als sehr klug, denn 2 bis 3 Tage später donnerten die Staublawinen zu Tal,
ausgelöst durch einen Sturm und begünstigt durch die enormen
Schneeverwehungen. Die Babergerlawine löste sich nachts etwa um 4 Uhr, ergoss
sich über den "Neien" und richtete dort Schaden an. Die Zingellawine
auf Gitschenen ging gleichentags um die Mittagszeit auf bewohntes Gebiet nieder.
Sie zerstörte zuerst das "Baslerhuisli" und bewegte sich dann auf die
"Hinteregg" zu. Bei der "Oberegg" teilten sich die
Schneemassen. Der grössere Teil fuhr gegen das Bachtobel und riss dabei ein
lichtes "Wäldli" mit etwa 40 Tannen mit sich in die Tiefe. Ein
kleinerer Teil landete beim Haus der "Frendler" und drückte die
hintere Wand des Gadenhauses ein. Die Bewohner wussten zuerst nicht, was
geschah. Da ein Sturm tobte, meinte man, es sei ein neuer "Gux". Doch
war es plötzlich stockfinster und das Haus begann zu ächzen und zu krächzen.
Nach dem ersten Schrecken entdeckte man Risse am Kachelofen und am Kamin und die
Türen klemmten. Beim Nachlassen des Druckes gingen sie wieder besser, aber
nicht mehr so gut wie vorher. Auch das Nachbargehöft "Gitschenen" war
in Mitleidenschaft gezogen worden. Dort hatte der Luftdruck den Abtrittanbau
weggerissen.
Einen Schutzengel hatte der 12-jährige
Meinrad! Die Tiere der Bergbauernfamilie waren im Stall auf der "oberen
Egg" untergebracht, der vor der Lawine durch einen "Gubel" (= Hügel)
geschützt war. Täglich dreimal hatte jemand nach den 7-8 Kühen, den 4-5
Schafen und den Hühnern zu schauen. Morgens und abends wurde gehirtet, um die
Mittagszeit hiess es "i Gadä lüägä" und den Hühnern Korn bringen.
An jenem Tag sollte auch auf das Befinden eines kranken "Jährlig"
geachtet werden. Beim "Znyyni" wurde bestimmt, dass Meinrad dieses Amt
zu übernehmen habe. Um nicht einzusinken, bediente man sich damals noch
einfacher "Fassdauben" oder Brettlein. Als es Zeit war zu gehen, bat
der Bub eine seiner Schwestern, ihm ihre Schuhe zu leihen, doch diese war damit
nicht einverstanden. Während die beiden "zangget hend", ging die
Lawine nieder. Wäre Meinrad schon auf dem Weg gewesen, hätte er wohl den
sicheren Tod gefunden. Der geschwisterliche Streit hatte ihm das Leben gerettet!
Die Gitschener-Lawinen machten auch
dem Schweizer Militär im Zweiten Weltkrieg mehr als einen Strich durch die
Rechnung! Im Sommer 1940 erstellten Soldaten eine Militärtelefonleitung von
Gitschenen durchs Sulztal über den Schoneggpass. Sie hatten Quartier auf der
"Egg" bezogen. Die Stangen und Drähte wurden vom Grosstal mit dem
alten Drahtseil zur Höhe gefahren und dann von Pferden weiter transportiert.
Doch im Winter 1944 zerstörte die "Fyyfer-Läüwi", die vom
Oberalpgrat herunterfuhr, diese Leitung, wie auch einen Stall im Bachtobel. Nun
legten die Soldaten die neue Leitung weiter oben an, doch fiel diese 1945
ebenfalls der "Zingel-Läüwi" zum Opfer. Der ins Tobel stürzende
Lawinenzug rasierte alle im Wege stehenden Stangen weg. Die meisten brachen auf
der Höhe der harten Schneeschicht entzwei. Die Drähte lagen wirr
durcheinander. Daraufhin brach das Militär die ganze Leitung endgültig ab,
denn auch der Krieg ging ja dem Ende entgegen.
Die damals schon bestehende, private
Telefonleitung ins Heimwesen "Gitschenen" war ebenfalls gefährdet.
Infolge des Luftdrucks berührten sich die Leitungsdrähte. Der entstehende
Kurzschluss liess das Telefon im Haus erklingen. Sepp, ein Cousin der "Frendler"-
Kinder, entging dadurch einer Körperstrafe, die ihm sein Vater in diesem
Augenblick erteilen wollte!
Abschliessend darf dankbar
festgehalten werden, dass in den geschilderten, gefährlichen Wintern auf
Gitschenen wenigstens keine Menschenleben zu beklagen waren.
Hedi Kleiner-Aschwanden, Meilen

Base
Karoline in der Lawinengefahr (1951)
Ich hörte zufällig von einer mir
bekannten Bauernfamilie, dass die Mutter schwanger und dazu etwas gesundheitlich
angeschlagen sei. So nahm ich eines Tages die Ski auf die Achsel und ging ins
Jakobstal. Von dort aus fuhr eine lebensgefährliche Seilbahn nach Gitschenen.
Mit dieser fuhren jeweils einige Kinder in die Schule. Gott sei Dank kannten
selbige keine Angst, und so fuhren sie meistens sogar fröhlich in die Tiefe.
Bei grossen Schneestürmen hatten die Kinder die Erlaubnis, der Schule fern zu
bleiben. Auch dies war ein Fest für sie. Für uns Ältere aber bedeutete die
Fahrt mit dem vorsintflutlichen Gefährt nicht eitel Freude, und wir fühlten
uns in dieser Kiste kaum des Lebens sicher. Beim allerkleinsten Sturm wusste man
nie, ob die Kiste ausgeleert würde.
Einmal fiel der Föhn ins Land und die
Bahn kippte um. Fünf Schweine verloren dabei ihr junges Leben. Dabei hatten
drei Regierungsräte von Altdorf unerhörtes "Schweineglück", denn
genau eine Viertelstunde vor dem Unfall waren sie in die Höhe gehisst worden.
Genau ein halbes Jahr später wurden ein Mann und eine hochschwangere Frau
hinaufgeseilt. Etwa 50 Meter vor der Seilbahnstation Gitschenen wurde der Mann
hinausgeschleudert. Zum grossen Glück konnte sich die schwangere Frau an einer
Latte festhalten, sonst wäre es ihr wohl übel ergangen. Das Kindlein kam verfrüht,
aber gesund und heil auf die Welt. Und so wurde es von den neun Geschwistern mit
grosser Freude angenommen.
Nun aber wurde auch ich trotz des
Hudelwetters bei einer freundlichen Familie herzlich aufgenommen. Die drei
Kinder Theresli, Kätherli und Xaverli schauten hinter den verschneiten Fenstern
interessiert, was das wohl für eine Frau sein könnte, die es wagte, trotz
schneeweissem Haar mit angeschnallten Ski zu ihnen zu gelangen.
Die gute Mama, Käthi Gisler, nahm
mich sehr herzlich auf in ihre Gemeinschaft, und sie stellte mich den Kindern
vor. Ich sei eine Art Familienhelferin, sagte sie. und die Kinder müssten ja
etwas mehr gehorchen, sonst würde ich zu früh wieder davonfahren. Bald war ich
für die Kinder die Base Karoline. Alle drei schauten mich treuherzig an, als ob
sie jederzeit die brävsten Engel wären. Xaverli fragte mich: "Warum hesch
dü so schneewisses Haar und chasch so güet schifahre?" Die Mutter erklärte
dann, ich sei noch nicht so alt, wie sie meinten. Es gebe Menschen, die schon früh
mit weissem Haar beglückt würden. Ich versprach dann allen Kindern, ich würde
sie alle drei Ski fahren lehren, so dass sie, statt mit der gefährlichen
Seilbahn, mit den Skiern in die Schule fahren könnten. Ja, ich stand vor einer
strengen Zeit; vor allem mit dem Flicken hatte ich viel zu tun. Zum grossen Glück
war ich eine gewandte Näherin und Büglerin. Es standen drei grosse Körbe vor
mir, und ich berechnete genau die Zeit für das Bügeln eines Hemdes.
Die Bäuerin brauchte eine ganze
Stunde für vier Hemden. Ein Bauernhemd, das meistens im Stall gebraucht wird.
sollte man aber rasch bügeln können. Ich brachte ihr das bei und sie erwies
sich als gelehrige Schülerin und war mir sehr dankbar. Ja, diese gute Frau kam
kaum vor elf Uhr abends ins Bett. Nach vier Tagen war alle Wäsche geflickt und
gebügelt, aber trotzdem kam es zu einer sehr schweren Zeit. Mit jedem Tag wurde
der Schneefall schlimmer. Nach sechs Tagen konnte man überhaupt nicht mehr zu
den Fenstern hinaus sehen. Die Kinder allerdings waren froh, zu herrlichen
Schulferien zu kommen, denn in 1600 m Höhe gab es eine gewaltige Schneemenge.
Auch der Kachelofen frass unvernünftig viel Holz, aber trotzdem war es nur beim
Ofenbänklein sehr warm. Am Abend musste ich den vier Kindern viele Geschichten
erzählen. Somit vergessen sie die Angst vor den zu erwartenden Lawinen.
Es war im Jahre 1951. Diese Zeit
bleibt mir unvergesslich. Milch und Brot wurden rar. So lebten wir von Lindenblütentee,
magerem Käse und Suppe. Auch Äpfel hatte es genügend im Keller. Also mussten
wir nicht hungern. Aber drei Wochen in Angst leben zu müssen, war kein Vergnügen,
denn das ganze Jakobstal wurde samt dem Vieh nach Isenthal disloziert. Aber wir
konnten die Dislokation nicht mehr wagen, weil wir die höchstgelegene Station
waren. Auch erwartete man von beiden Seiten des Tales vereinzelte Lawinen. Zum
grossen Glück konnten wir durch das Radio vernehmen, was in der Schweiz
passierte. Man vernahm von schrecklichen Lawinen in Airolo, Andermatt und Graubünden.
91 Lawinentote wurden gemeldet. Auch unser Telefon wurde öfters unterbrochen.
Jeden Tag kam eine Militärpatrouille, um die gestörten Telefonleitungen
reparieren zu können. Die Kinder konnte ich nur mit Geschichten beruhigen. Ich
brachte sie jeweils in den Kleidern ins Bett, denn man war keinen Tag sicher vor
Lawinen. Käthi und ihr Mann konnten sich kaum der grossen Angst erwehren. Es
kam dann zu einem grossen Sturm. In dieser Nacht wurde das Haus erschüttert.
Ich bin dann mit den Kindern in die Kammer geflüchtet und wir beteten
ununterbrochen. Wenig später aber dislozierten wir mit den Eltern in den Stall.
Vater Alois führte uns und seine gesegnete Frau an einen sicheren 0rt. Er
glaubte, wir wären beim Vieh besser aufgehoben. Aber es ging nicht lange und
das Vieh wurde sehr unruhig. Die Schweine grunzten, die Kühe muhten und die
Geissen meckerten. Wie konnte man da im Heu ruhig schlafen? Die Kinder heulten,
als ob es ums Sterben ginge. Vater Alois sagte zu mir: "Weisst Du, Base
Karoline, wenn wir noch den Morgen erleben, gehst Du mit den Skiern ins Isenthal.
Wir wollen nicht, dass Du mit uns unter die Lawine kommst." Aber ich wollte
die Leute nicht im Stich lassen. Ich war ganz sicher, dass wir überleben würden.
Plötzlich fing es an, im Gebälk zu
krachen und das Vieh und Barri brüllten fürchterlich. Auch Mutter Käthi
schrie: "Erbarm's Gott, ermarm’s Gott, der heilige Wendelin möge uns behüten!"
Vater Alois nahm allen Mut zusammen. Er ging hinaus, um nach dem Häuschen zu
schauen. Nach langen, langen Minuten erschien er wieder und sagte mit glänzenden
Augen: "Kinder, Kinder, danket dem Herrgott, d'Laüwi isch hert bim Hüs
verby z'Bodä gfahrä".
Oh, wie haben wir alle aufgeschnauft,
dass wir endlich die Angst los geworden waren. Wir zogen dann beruhigt wieder in
unser Häuschen und schliefen den Schlaf der Gerechten. Aber anderntags schneite
es so, dass die Flocken gross wie Gitziohren über unsere Dächer fielen. Von
Skifahren war keine Rede. Wir wären glatt alle eingesunken. Es dauerte noch
viele Tage, bis sich der Schnee setzte. Jetzt aber erkrankte das vierjährige Kätherli
an einer Magenvergiftung. Der Arzt empfahl eine strenge Diät, und die
Medikamente wurden durch eine Militärpatrouille übergeben. Anfänglich konnten
wir nicht wissen, wo die Vergiftung herrührte. Dann aber wusste ich es genau.
Bestimmt lag der Herd in einer Mandarine, die innerlich etwas angefault war. Ich
setzte die Kleine auf eine schwere Diät. Die Mutter wollte es anfänglich nicht
glauben, dass man ihr Kind hungern lassen konnte. Aber ich sagte ihr, es gebe
nur eine Lösung, die Diät, die andere wäre der Tod von Kätherli. So wird der
Magen total geschont.
Es gab nur Schwarztee und
Haferschleimsuppe und später etwas Zwieback. In den Fiebern redete die Kleine
nichts anderes als von der Angst vor einer kommenden Lawine. Doch, je mehr es
aufhörte zu schneien, desto leichter wurde es der Kleinen. Die Mutter war sehr
dankbar, dass ich sie nicht verlassen hatte. Sie wäre nicht imstande gewesen,
ein schwerkrankes Kind zu pflegen und all die andere Arbeit leisten zu können.
Ja, diese Frau war tief fromm, und sie betete meist auf den Knien, um die Angst
zu verlieren, aber sie betete nicht umsonst. Es fiel zum Glück kein Schnee
mehr, und als er sich gesetzt hatte, kam die junge, tüchtige Hebamme zur
rechten Zeit ins Haus. Als Toneli durch die ersten Schreie seine Ankunft
meldete, war es mir, als ob ein Vogel den nahenden Frühling ankünden würde.
Miggi Muther
lsenthal
und der Zugang über den See

Mit viel Engagement, Sachkenntnis und
Liebe zum Detail ist an dieser Stelle bereits zweimal über die Verbindungen
nach Gitschenen, respektive die beteiligten Verkehrsmittel geschrieben worden:
über die Seilbahn(en) und über die Postautoverbindung.
Wenn wir uns heute der Schifffahrt -
oder mindestens einigen wenigen speziellen Aspekten des Schiffsverkehrs -
zuwenden, so vor allem deshalb, weil lsleten und damit das lsenthal lange Zeit
ganz wesentlich auf diese Transportart angewiesen war. Die Literatur zur
Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee ist reich und vielgestaltig. Von prächtigen
Fotoalben über eher technisch gefärbte Bücher über die einzelnen Schiffe
(insbesondere auch über die majestätischen Raddampfer) bis hin zu Kapitänsportraits
und diverse historische Recherchen findet der Interessierte eine reiche Auswahl.
Wir beschränken uns hier deshalb auf einzelne Facetten, welche einigermassen
direkt mit der Erschliessung des Isenthals verbunden sind.
Vor der Einführung des
dampfgetriebenen Schiffes, also vor 1837, beherrschten insbesondere die grossen
Schifferzünfte von Uri und Luzern mit ihren zahlreichen Segel- und
Ruderschiffen verschiedensten Kalibers und Zuschnitts die Szene. Diese Art der
Schifffahrt reicht tief in die Geschichte zurück und dürfte bereits zur Römerzeit
eine recht grosse Rolle gespielt haben. Dieser archaische Schiffsverkehr diente
im Kern vorwiegend dem Transit - Handelswaren aller Art von Nord nach Süd und
von Süd nach Nord. Daneben wurden aber - nach dem reinen Bedarfsprinzip - die
Uferorte bedient und versorgt. Was unter welchen Umständen ins Tal und mit
welchen Schiffen über den See gelangt ist, lässt sich wohl erahnen, die
Geschichte müsste aber vermutlich im einzelnen noch geschrieben werden.
Die 1837 mit der ersten "Stadt
Luzern" eröffnete Dampfschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee läutete
nun aber ganz andere Dimensionen ein. Die Schifferzünfte (vor allem in Uri)
protestierten deshalb lebhaftestens gegen diese neue (wohl als teuflisch
verrufene) Erfindung. Dank der Weitsicht und Initiative des hochangesehenen
Urners Carl Emmanuel Müller (1804-69) konnten aber die härtesten
Konfrontationen vermieden werden, zumal Müller die Gelegenheit bald einmal beim
Schopf packte und der ersten Luzerner Schifffahrtsgesellschaft 1846 seine eigene
urnerische Postdampfschifffahrts-Gesellschaft als Konkurrenzunternehmen
entgegenstellte.
In der allerersten Zeit der
Dampfschifffahrt wurden fast nur direkte Transitfahrten Luzern-Flüelen und
umgekehrt durchgeführt. Die wichtigsten Uferorte, etwa Weggis und Brunnen,
wurden aber bald einmal mit Kähnen vom im See draussen anhaltenden Schiff aus
bedient. Stationsanlagen wie wir sie heute kennen, haben sich nur ganz zögerlich
durchgesetzt - immerhin sind Bauen und lsleten im Jahr 1874 (erste Landungsbrücke
bis 1901 etwa beim heutigen "Seegarten“) mit festen Landungsvorrichtungen
ausgerüstet worden. Ab jenem Zeitpunkt konnte man wohl mit Fug behaupten, dass
mindestens diese beiden Uferorte einigermassen "an die Welt
angeschlossen" waren. Treibende Kraft hinter der Eröffnung dieser beiden
Landungsstellen war aber mit Sicherheit nicht das Allgemeininteresse, sondern
die Bedürfnisse der neu eröffneten Dynamitfabrik in lsleten.
Bauen und lsleten wurden denn zunächst
von den durchgehenden Kursen auch nur sporadisch angefahren - der Lokalverkehr
im oberen Urnersee wurde nämlich von der Sprengstofffabrik in eigener Regie mit
dem von der Schifffahrtsgesellschaft vorerst gemieteten und dann angekauften
Schraubendämpferchen "Rütli" besorgt. Dieser Zustand dauerte eine
gute Generation lang, d.h. von 1874 bis 1908. In diesem Jahr pachteten die
Sprengstoffwerke den etwas leistungsfähigeren Schraubendampfer
"Schwan" und zwei Jahre später, also 1910, übernahm die
Schifffahrtsgesellschaft den Lokalverkehr Flüelen-Isleten-Bauen in eigener
Regie, vor allem wohl deshalb, weil neben den Personaltransporten zur
Dynamitfabrik nun auch der Tourismus langsam aufblühte und die Mobilität der
Bevölkerung ganz allgemein etwas anzusteigen begann. Auch dem
"Schwan" waren lange Jahre im Kanton Uri zugemessen: das Schiff blieb
- ab 1920 in ein Motorschiff umgebaut - bis etwa 1930 treu auf seinen
Stammkursen. Etwa zu diesem Zeitpunkt wurde der "Schwan" durch die
legendär gewordene und auch heute noch als Reserveschiff vorhandene "Reuss"
ersetzt. Dieses in Deutschland an der Elbe gebaute, sehr gefällige und robuste
Motorschiff war in der Folge für beinahe 50 Jahre das "Wahrzeichen"
des Urnersees bis etwa 1970 mit Heimathafen Flüelen - später Brunnen. Seit
etwa jenem Zeitpunkt werden ab Flüelen keine Lokalkurse mehr gefahren - die
Post hat das Schiff definitiv und zuverlässig abgelöst. lsleten ist aber mehr
und mehr sehr gut in den Gesamtfahrplan der Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee
eingebunden worden und ausserhalb des eigentlichen Winter-Werktagfahrplanes
(aber durchaus an Wintersonntagen) kann das Isental per Schiff sehr bequem und
vor allem auch auf sehr sympathische Weise erreicht werden.
Wir schliessen diese Betrachtung mit
einigen Gedanken zum legendären "Marktschiff". Jahrzehntelang
verliess an den Tagen des grossen Altdorfer Winter Marktes ein grosses
Dampfschiff Luzern um 05:20 Uhr, welches nach einem Halt an fast allen Stationen
jeweils um 08:35 Uhr in Flüelen eintraf. Tags darauf verliess das Marktschiff
Flüelen um 16:10 Uhr in Richtung Brunnen-Beckenried-Luzern. lsleten wurde aufwärts
um 08:15 Uhr bedient, talwärts am Folgetag um 16:25 Uhr. Transportiert wurden
Landwirte und - vor allem - ihr auf den Markt zu bringendes oder dort
erstandenes Grossvieh. Wenn das Marktschiff erzählen könnte - der Geschichten
wären wohl Legion! Auf dem vorderen Hauptdeck wurden die Relinge mit
Steckvorrichtungen, Brettern und Halterungen erhöht und die Sippe der Rinder
bevölkerte diesen sonst den Zweitklasspassagieren vorbehaltenen, luftigen Teil
des Schiffes. Hinten im gemütlich geheizten Salon werden die Bauern und Händler
bei einem Kaffee Träsch derweil wohl den Marktereignisssen entgegengefiebert
oder darüber nachphilosophiert haben.
Für diesen heute pittoresk anmutenden
Sondereinsatz wurden diverse Schiffe bereitgestellt, ab 1949 aber fast
ausschliesslich das kürzlich generalrevidierte und bestbekannte DS
"Uri". Das Marktschiff konnte sich recht lang gegen die
Strassenkonkurrenz halten, doch Mitte der Sechzigerjahre verschwand dieses
sympathisch-archaische Angebot aus den Fahrplänen der SGV - der Lastwagen hatte
seinen Tribut gefordert.
Jürg Meister, Basel

Begebenheit mit einer Hochzeit
Für eine bestimmte Hochzeit wurde gewünscht,
dass man diverse Regionen, aus welchen die Gäste kommen, berücksichtigen
solle. So wurde bei der Talstation und der Bergstation „Tea“ auf englische
Art serviert. Dazu gab es englische Brötchen (nach Rezept des Brautpaars). Bei
der Kapelle servierten wir Bayrisches Bier und eine bayrische Spezialität. Die
Hauptspeise im Gasthaus war Schweizerisch und das Dessertbuffet sollte Kroatisch
sein.
Aber auch bei dieser Hochzeit ging
nicht alles „nach dem Schnürchen“. Das Brautpaar war öfters in Gitschenen
gewesen, um die diversen Einzelheiten zu besprechen. Die fremdländischen
Spezialitäten wurden vorgestellt mit Rezept und in natura. Die Wirtin konnte so
sehen, wie das Endprodukt aussehen sollte. Bei der Bayrischen Spezialität ist
es dann passiert. In der Küche wurden die Silser Brötli halbiert und eine Füllung
zubereitet. Die bereitgestellten Salzstengeli sollten dann in die fertigen
Silser Brötli als Dekoration gesteckt werden. Wie es halt in der Hektik
vorkommen kann, hat sich die Chefin leider in der Küche zu wenig deutlich
ausgesprochen und in einem kurzen Moment waren die Salzstengeli mit dem Mixer in
der Füllung verkleinert worden. Oh Schreck!
Es war Samstag ca. 15:30 Uhr - in
letzter Minute holte uns ein rettender Engel aus dem Dorf erneut einen Sack
Salzstengeli und schickte diese per Express nach Gitschenen. Im letzten Moment
waren unsere Bayrischen Silser Brötli richtig und perfekt dekoriert - und der
Apero vor der Kirche konnte zeitgerecht serviert werden.
Wir wollen auch in Zukunft solche
„Begebenheitsgeschichten“ veröffentlichen. Es ist allerdings möglich,
dass, wenn wir einmal 100%ige Profis sein werden, der Stoff für weitere
Geschichten ausgehen könnte. Aber dies wird wohl noch eine Weile dauern!
Beatrice Herger-Kieliger, Isenthal
Klosterfrauen
Im Pfarrhaus Isenthal sind dies mit
Apfelmus gefüllte Omeletten. Hier das Rezept für 4 Personen:
-
3
Äpfel
-
100
g Zucker
-
5
Eier
-
4
dl Milch
-
150
g Mehl
-
1
Prise Salz
Die Äpfel in Stücke schneiden, mit
80 g Zucker und etwas Wasser weichkochen, durch ein Sieb streichen und beiseite
stellen. 2 Eier, 2 dl Milch, Mehl und Salz verrühren. Eine Stunde ruhen lassen.
Dann mit dieser Masse 4 grosse machen. Die Omeletten mit Apfelmus bestreichen
und aufrollen. In eine Auflaufform geben. Restliche Milch mit 3 Eiern verrühren,
den restlichen Zucker zufügen und diesen Guss über die Omeletten verteilen.
Bei 180 Grad etwa 50 Minuten lang im Ofen überbacken. Warm servieren.
Der grosse Wettbewerb der
Gitschener Post
Gewinner des Frühling 1998 Wettbewerbs
Im Scherenschnitt von Sabine Abt
mussten die Fliege und die Grille gefunden werden. Aus den eingegangenen,
richtigen Lösungen haben wir die folgenden drei Gewinner gezogen:
1.
Preis Wochenende auf Gitschenen für zwei Personen: Frau Brigitte
Kaufmann, Klingnau
2.
Preis Mittagessen für zwei Personen: Frau Marie-Louise Gubler, Zug
3.
Preis Zabigteller für zwei Personen: Herr Peter Ernst, Biel
Wir gratulieren den Gewinnern
herzlich!
Sinsgäuer Schonegg
Unbekannter Übergang vom
Engelberger- ins Isenthal
Vorschlag für eine vierstündige
Wanderung durch herrliche, unberührte Berglandschaft
Hinfahrt:
Mit der Bahn gelangt man von Luzern über
Stans nach Wolfenschiessen und nimmt dort den Bus nach Oberrickenbach.
Wanderung:
Bei der Talstation der Luftseilbahn
zum Bannalpsee wandern Sie los über Fur,
überqueren den Bach nach Unter Spis
und erreichen über eine Krete Ober Spis.
Von dort geht es zur Haghütte und zur
Hüethütte. Folgen Sie den
Wegweisern. Über Flüelenboden und
dem Rinderstaffel gelangen Sie zum Sinsgäuer
Schonegg Pass auf 1924m. Der Abstieg führt an der Sulztalerhütte
vorbei und nach etwa vier Stunden Wandern erreicht man Gitschenen mit Gasthaus und Luftseilbahn.
Rückfahrt:
Mit der Luftseilbahn kommen Sie nach
St. Jakob, wo sie den Bus bis Altdorf/Flüelen und einen anderen bis Stans
nehmen können. Alternativ ist es möglich, ab Isleten mit dem Schiff bis
Beckenried und von dort mit dem Bus bis Stans zu fahren.
Rundfahrtbillet:
In Stans können Sie ein kombiniertes
Rundfahrtbillet kaufen.
Last Update:
22.11.2009
|