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Gitschener Post - Herbst 1999
Nr. 5 / Herbst / Winter 1999/2000
Editorial
Liebe Freunde von Gitschenen,
willkommen zur letzten Ausgabe der
Gitschener Post in diesem Jahrtausend. Lassen Sie mich ein paar Gedanken äussern
über Gitschenen und wie sich die Alp in den letzten tausend Jahren verändert
hat, Ich stelle mir vor, dass sich vor tausend Jahren in den wilden Tannenwäldern
auf Gitschenen Bären und Wölfe vor der Kulisse des vergletscherten
Uri-Rotstocks gute Nacht sagten. Erst so vor 500 Jahren werden wohl die ersten
Menschen vom Kanton Nidwalden her über die Pässe mit ihrem Vieh gekommen sein.
Dass die ersten "Bewohner" aus dem Westen gekommen sein müssen,
schliesse ich aus der Sprachverwandtschaft sowie aus der Tatsache, dass der
Zugang nach Gitschenen zu Beginn dieses Jahrtausends über die im Westen
gelegenen Pässe bestimmt einfacher war als über den früher nur mühsam
begehbaren Taleingang vom Urnersee her. Weideflächen wurden gerodet und erste Hütten
wurden gebaut. Noch bevor 1820 der letzte Bär des Tals erledigt worden war,
wohnten hier oben trotz den widerlichen Lebensbedingungen permanent Menschen.
Das älteste, heute noch stehende Haus ist wohl die Alphütte auf der Alp "Gitschenen".
Zu ihm gesellten sich im Verlauf der Zeit acht weitere Häuser, wobei das jüngste
kurz vor seiner Vollendung steht (Kneiwies II). 1915 wurde zum ersten Mal ein
Haus ein Opfer einer Lawine (Stall des "Basler Häuschens"). Im
letzten Winter erwischte es den Geissboden. Er ist im vergangenen Sommer in
Rekordzeit wieder neu aufgebaut worden. Vor etwa fünfzig Jahren wurde das erste
Ferienhaus auf der „Schrindi“ gebaut und 1994 wurde die Bergkapelle
fertiggestellt. Eine Wegverbindung zum Urnersee dürfte es bereits seit einigen
hundert Jahren gegeben haben. Die Strassenverbindung an den See gibt es aber
erst seit 1901. 1927 wurde die erste Luftseilbahn von St. Jakob her auf die „Schrindi"
gebaut. Die heutige Bahn wurde 1956 / 1957 erbaut und durch die Erneuerung von
1982 auf eine Kapazität von acht Personen gebracht. Seit 1957 / 1958 existiert
das Gasthaus, welches 1963 / 1964 vergrössert und in den Jahren 1991 bis 1999
vollkommen renoviert worden ist. Diesen Sommer gab es auf Gitschenen am
zweitletzten Sommerwochenende einen neuen Besucherrekord. Die neue Küche des
Gasthauses hat ihre erste ernsthafte Bewährungsprobe bestanden.
Nun wünschen wir Ihnen mit dieser
Ausgabe der Gitschener Post eine vergnügliche Lesestunde. Sie enthält
spannende Themen wie die 1999 neu entstandene „Alpenmode", die Zu- und
Umstände im Isental vor 100 Jahren, eine Heirat auf der Alp, die neuen
Freizeitkurse des Alpenkurszentrums usw.
Mit freundlichen, alpinen Grüssen
Aus dem
Leben eines Verdingbuben oder das
Leben im Isental vor 100 Jahren

Herkunft
Im Urnerland herrschten nicht gerade
rosige Zeiten, als Michael Aschwanden am 17. Juni 1882 das Licht der Welt
erblickte. Als bemerkenswertestes Ereignis dieser Zeit ist zwar die nach zehnjähriger
Bauzeit erfolgte Eröffnung der Gotthardbahnlinie am 1. Juni des gleichen Jahres
zu erwähnen. In den Bergtälern abseits der Verkehrswege hingegen lebten die
Bewohner infolge der Überbevölkerung in Armut und wirtschaftlich und sozial
prekären Verhältnissen. Deshalb waren viele schon in jungen Jahren gezwungen,
abzuwandern, um bessere Verdienstmöglichkeiten zu suchen.
Auch Michis Vater Hanssepp entstammte
einer armen Isenthaler Bergbauernfamilie mit 15 Kindern und hatte das Tal im
Alter von 18 Jahren verlassen. Er erlernte das Zimmermannshandwerk und gelangte
als Wanderbursche bis nach Wien. In dieser Zeit spezialisierte er sich auf den
Bau von Holztreppen und wandte seine Kenntnisse nach der Rückkehr in die engere
Heimat an verschiedenen Orten an. Seine Tätigkeit trug ihm in der Folge den
Zunamen „Träppi“ ein. In Seedorf, wo er sich niederliess, ging der 44-Jährige
mit der jungen Weberin Maria Anna Echser (Exer) die Ehe ein. Sie schenkte vier
Buben das Leben, von denen der zweite nur einen Monat alt wurde. 1885, ein Jahr
nach der Geburt des Jüngsten, wurde der Familie auch die erst 35-jährige
Mutter durch den Tod entrissen. Der Vater zählte nun schon 51 Jahre, arbeitete
da und dort auswärts und war ohnehin ein etwas „loser Vogel“, der sich
nicht um die Söhnchen kümmern konnte oder wollte. Die Heimatgemeinde musste
deshalb nach damaligem Recht für die drei Halbwaisen sorgen.
Toneli, der Kleinste, konnte bei
Verwandten mütterlicherseits bleiben, bis er im 1887 neu gegründeten
Kinderheim in Altdorf, der „Erziehungsanstalt für arme und verwahrloste
Kinder“, Aufnahme fand. Dort erhielt er eine gute Ausbildung und später die Möglichkeit,
den Beruf eines Zahntechnikers zu erlernen. Franzli, der Sechsjährige und der
drei Jahre jüngere Micheli kamen an Pflegeplätze nach Isenthal. Der dortige
Waisenvogt, dem von Amtes wegen die Sorge für Witwen und Waisen übertragen
war, nahm sich persönlich der Aufgabe an, die beiden Buben im Dorf unten am See
abzuholen und ins Bergtal zu begleiten.
Frühe Erinnerungen
Eines schönen Tages erschien also der
Isenthaler Waisenvogt, Josef Zurfluh, im bescheidenen Häuschen im Seedorfer
Unterdorf und es galt, sich von den Verwandten der Mutter zu verabschieden. Die
„Träppi“- Buben fassten bald Zutrauen zum unbekannten, aber
vertrauenerweckenden Mann. Dieser packte Micheli, zusammen mit den wenigen
Habseligkeiten, kurzerhand in einen Tragkorb, während der grössere Franzli an
seiner Hand zu marschieren hatte. So war es dem Kleinen vergönnt, die erste
Reise seines Lebens von aussichtsreicher Warte aus zu geniessen, gewiss kein
schlechtes Omen! Zuerst ging es dem See entlang, dann wand sich der Weg aufwärts
über die steinige Grobgand bis auf die Höhe des „Chäppeli“ und führte
anschliessend durch Wald und Wiesland gemächlich dem Dörfli zu. Schon von
weitem grüsste der heimelige Zwiebelturm der Kirche und nach etwa zweistündigem
Marsch war Franzli am Ziel. Er wurde dort von „Gertäli“, einer Schwester
des Vaters, in Empfang genommen. Diese wohnte in einem kleinen Häuschen, war
von Beruf Schneiderin und verdiente den Lebensunterhalt vor allem als
Heimarbeiterin mit Seidenweben.
Für Micheli ging die bequeme
Wanderung noch weiter, bis zuhinterst ins Grosstal, denn der gütige und verständige
Waisenvogt Zurfluh war mit seiner Frau übereingekommen, den mutterlosen Buben
vorerst in der eigenen grossen Familie in der „Riedmatt“ aufzunehmen, die
von 1874 bis 1890 auf 10 Kinder anwuchs. Dort durfte der Pflegbub bleiben, bis
die Schulpflicht begann, also etwa vier Jahre lang. Zeitlebens erinnerte er sich
dankbar daran, dass er von der Hausmutter fast besser behandelt worden sei als
deren eigene Kinder. Auch diese waren dem neuen Hausgenossen zugetan und
besonders das älteste der Mädchen kümmerte sich liebevoll um ihn, nahm ihn überallhin
mit und trug ihn wenn nötig sogar auf dem Rücken, bis er selber marschtüchtig
war. So wuchs er zu einem zufriedenen, flinken und kecken Schüler heran.
Erste Schuljahre
Als die Schulzeit herannahte, hiess es
Abschied nehmen von der freundlichen Pflegefamilie. 1889 kam Micheli anstelle
seines Bruders, der nun in der „Fernen“ als Geissbub schon fremdes Brot
essen musste, zu Tante „Gertäli“, deren richtiger Name ihm aber unbekannt
blieb. Erst bei späteren Nachforschungen konnte man erfahren, dass sie Maria
Anna Zwyssig-Aschwanden hiess und eine lustige Frau gewesen sei, die gerne an
die Fasnacht ging. Ihre zwei Söhne waren in jungen Jahren nach Deutschland
ausgewandert. Sie war nicht mehr die Jüngste, arbeitete aber fleissig am
Webstuhl. Auch der neue Kostgänger musste sich nützlich machen und ihr beim
Spulen der Seide an die Hand gehen. Stellte er sich ungeschickt an, gab es etwa
einen Haarrupf. Vom Pflegrat (Armenpflege) erhielt sie, wie für jüngere
Verdingkinder üblich, einen Zustupf an seinen Unterhalt. In der Pflegrechnung
von 1886 findet sich der beträchtliche Posten von 340 Fr. „für J. J.
Aschwanden, Träppis, 3 Kinder, Kostgeld und Kleider.“
Der Erstklässler hatte einen
ausgesprochen kurzen Schulweg, lag doch der alte Pfarrhof, wo die unteren
Klassen von Menzinger Klosterfrauen geführt wurden, recht nahe. Er ging gerne
zur Schule und hatte keine Mühe im Unterricht. Nach der morgendlichen
Schulmesse drängten sich die Unterschüler in die niedrige Schulstube. Die
Lehrschwester bemühte sich, ihren Schützlingen die Grundbegriffe im Rechnen,
Lesen und Schreiben beizubringen, doch ging vieles während der schulfreien
Sommermonate wieder vergessen. Für die Schüler der 1. und 2. Klasse waren
allerdings im Vorsommer 10 zusätzliche Schulwochen vorgesehen, was aber nicht
strikte durchgeführt werden konnte. Manche Eltern sahen ihre Kinder lieber bei
der Arbeit zuhause als in der Schule.
Hier im Dörfli verstand sich Michi
bald recht gut mit den im dritten Grade verwandten „Marilis“, die im
Gummenhaus neben Pfarrhof und Kirche wohnten und den Spitznamen „Chiilemyys“
(Kirchenmäuse) trugen. Die jüngeren gingen auch noch zur Schule, während die
ältesten schon um die zwanzig waren und als Sigristen amteten, Andreas im Jahre
1890, Josef von 1891 bis 1899. Diesem Umstand ist es wohl auch zuzuschreiben,
dass „Träppi-Michi“ etwa in der 3./4. Klasse zum Ministrantendienst
herangezogen wurde.
An Freunden fehlte es dem aufgeweckten
Bürschchen nicht. Oft erzählte er später noch von „Sack-Hans“ (Imholz),
„Brunneli-Toni“ (Zwyssig), „Schloffen-Michel“ (Jauch) oder „Peterli-Michel“
(Arnold). Jeder besass zur genaueren Unterscheidung von Familie und Herkunft
einen Zunamen und meistens kannte man den Geschlechtsnamen kaum. Natürlich
kamen den Buben in der karg bemessenen Freizeit auch allerlei Streiche in den
Sinn. Zwei davon waren unvergesslich und wurden noch oft und gerne zum Besten
gegeben.
Bubenstreiche
„Gertäli“ hatte alljährlich an
Martini (11. November) eine Schuld zu verzinsen, die auf ihrem bescheidenen Häuschen
lastete. Gläubiger war ein angesehener, wohlhabender Bürger im vorderen
Grosstal. Als Micheli alt und zuverlässig genug war, schickte ihn die Tante mit
dem genau abgezählten Zins zu ihm. In Begleitung eines Freundes führte er
stolz den Auftrag aus. Der Mann zeigte sich wenig beeindruckt, zählte aber
sorgfältig das Geld nach, rechnete und bemängelte dann, dass eigentlich noch
ein halber Rappen fehle, den er ihnen nun aber schenken wolle. Die Buben, die
eher eine Anerkennung oder sogar ein kleines Trinkgeld erwartet hatten, zogen
enttäuscht von dannen. Auf dem Heimweg heckten sie einen Plan aus und trieben
im Dörfli, nicht faul, einen Räppler auf. Der Vater des Freundes, der das nötige
Werkzeug besass, sägte denselben auf Wunsch der Knaben in der Mitte entzwei.
Auch er hatte Spass daran, dem knauserigen Talgenossen ein Schnippchen zu
schlagen. Dieser erhielt postwendend den Rest des Zinses und soll nachher auf
solche Rappenspaltereien verzichtet haben. Er war aber gewiss nicht der einzige
„Santyymäspalter“ (von frz. centime), wie ein urnerischer Ausdruck für
Geizhals lautet.
In den abgelegenen Bergtälern gab es
zu jener Zeit wenig Abwechslung und Unterhaltung. Wohl wussten die Buben immer
allerlei anzufangen. Besonders interessant wurde es aber, wenn Bettler oder
Landstreicher, sogenannte „Kundi“ oder „Fecker“, auftauchten, um etwas
zu ergattern. Als dieses Bettelwesen in Uri zu einer richtigen Landplage
geworden war, ernannte auch die Gemeinde Isenthal einen Dorf- oder Betteljäger,
der von Amtes wegen das fremde Gesindel, dem man nichts Gutes zutraute,
fortjagen oder notfalls sogar einsperren musste. Montur und Bewaffnung sollten
diesen wenig begehrten Posten attraktiver machen.
Eines Tages erschien wieder so ein gefürchteter
„Kundi“ im Dorf und die Kinder spionierten ihm nach. Als ruchbar wurde, der
Dorfjäger sei im Anzug, gab der Landstreicher Fersengeld und flüchtete auf der
alten Landstrasse talauswärts, von der Dorfjugend bis zur Schwybogenbrücke
begleitet. Bald tauchte keuchend der Ordnungshüter auf und erkundigte sich bei
den zurückkehrenden Kindern, welchen Weg der Entflohene genommen habe.
Offensichtlich lag deren Sympathie aber beim Verfolgten und sie versicherten
allen Ernstes, dieser habe sich Richtung Bärchi aus dem Staube gemacht. Der
Dorfjäger folgte eilig dieser falschen Spur und der „Kundi“ war gerettet.
Ob die Geschichte noch ein Nachspiel hatte, ist nicht bekannt!
Das Los als Verdingbub
Mit 10 Jahren, also etwa als Viertklässler,
begann dann für „Träppi-Michi“, wie drei Jahre früher für seinen älteren
Bruder Franz, sozusagen der Ernst des Lebens. Statt der Gemeinde weiter zur Last
zu fallen, mussten die Verdingbuben als Geiss- oder Schafhirten bei Bauern ihr
Brot selber verdienen. Michi hatte ein recht gutes Los gezogen, denn er kam für
zwei Jahre in den „Oberen Stalden“ zu einer Cousine seines Vaters, Aloisia
Bissig-Aschwanden. Sie war Witwe und bewirtschaftete mit dem Sohn Hans und der
Tochter Maria zusammen den Hof. Diese Verwandten aus der Linie der „Portler“
waren ihm nicht fremd, denn Hans hatte ihm bei der Firmung am 24. Juni 1890
schon Pate gestanden. Ob dem Buben wohl auch bekannt war, dass sein jetziger
Aufenthaltsort vor Jahren von seinem Urgrossvater, dem „Staldetoni“ aus dem
Stamm des Balz, erworben worden war?
Das Kleinvieh zu hüten war für den
wendigen, geschickten Knaben eine ganz angenehme Pflicht. Er schulte dabei
seinen Sinn für die Natur, übte seine Kräfte und wurde mutig, ausdauernd und
selbständig, aber auch genügsam und zufrieden. Natürlich ging nicht immer
alles wie am Schnürchen. Besonders das Hüten der Schafe war keine einfache
Sache, denn das sind ausgesprochene Herdentiere, die dem Leittier blindlings
folgen. So geschah es einmal, dass die Schafe erschraken und alle nacheinander
über eine hohe Fluh hinaussprangen. Die gleiche Fluh, „Baberger-Schooss“
genannt, wurde beinahe auch dem Hüterbuben zum Verhängnis. Beim Ziegenhüten
entdeckte Michi einst in der Felswand die vermeintlich schönsten Edelweiss. Die
musste er haben! Flink kletterte er hinauf, pflückte die begehrten Blumen und -
er konnte nicht mehr zurück. Es blieb ihm kein anderer Ausweg, als bis oben auf
die Alp zu klettern und auf einem grossen Umweg heimzukehren. Die Verspätung
entschuldigte er damit, er habe eine verirrte Ziege suchen müssen. Die
Edelweiss hatte er wohlweislich versteckt. Doch die Sache kam aus, da Nachbarn
seine waghalsige Klettertour beobachtet hatten und die verdiente Strafe blieb
nicht aus.
Der eher kleingewachsene Knabe war überall
wohlgelitten. Auf dem Schulweg kam er in vermehrten Kontakt mit der
Grosstaljugend. Dazu gehörten die schon beinahe erwachsenen „Theoduler“-
Cousins von der „Vorderen Bodmi“ wie auch deren jüngere Stiefgeschwister,
die etwa gleich alt waren wie er. Diese, nach ihrer Mutter Ursula „Urschelis“
genannten Aschwanden, stammten von Seelisberg. Bis ins hohe Alter verkehrte
Michael freundschaftlich mit Angehörigen beider Linien.
Glücklicherweise hatte „Träppi-Michi“
eine gute Konstitution und war selten krank. Doch einmal litt er ernsthaft unter
Magenbeschwerden, wogegen kein Hausmittel helfen wollte. Ein Arzt aus Altdorf
wurde damals nur in Notfällen zugezogen. Es war aber bekannt, dass die dortigen
Kapuzinerinnen ein Lebenselixier aus Heilpflanzen zusammenbrauten. Dieses
bittere Getränklein beschaffte man für den kleinen Patienten und siehe da - es
half! Das vergass er nicht mehr und die probate Medizin durfte in vorgerückten Jahren in seiner Hausapotheke nicht fehlen.
Ein weniger gutes Los war einem andern
Verdingbuben namens Aschwanden beschieden, der zu gleicher Zeit in der Nähe
wohnte und mit dem Michi oft Mitleid hatte. Dieser Emil, dem Andreas-Stamm angehörend,
war als Unehelicher in Paris geboren worden. Nachdem seine Mutter ihn offenbar
nicht bei sich behalten konnte und später in Frankreich heiratete, kam auch er
an die Heimatgemeinde. Er hatte es wohl dort nicht gerade gut getroffen und
wahrscheinlich gab es anfänglich auch sprachliche Schwierigkeiten. Jedenfalls
muss er sich nie heimisch gefühlt haben. Er verliess das Tal mit gut 20 Jahren,
machte seinen Weg und verzichtete dann auf das Bürgerrecht von Isenthal.
Freuden und Leiden in der Oberschule
Die Isenthaler hatten im letzten
Jahrhundert Mühe, geeignete Lehrpersonen für die Oberschule, also die 4. bis
6. Klasse, anzustellen, so dass es alle paar Jahre zu einem Lehrerwechsel kam.
Das Interesse an Schulbildung war sowieso gering und ebenso der Lohn. 1886
musste Pfarrhelfer Bissig auf Wunsch der Gemeinde die Oberschule übernehmen,
1890 erhielt eine Lehrschwester diese Aufgabe und 1893 wurde der Pfarrer an
diesen Posten gewählt.
Für Michi und seine Kameraden wehte
nun in der 5. und 6. Klasse ein rauherer Wind als zuvor bei den Klosterfrauen.
Das Schulzimmer befand sich im gelben Pfarrhof unterhalb der Pfarrwohnung, wo
die leibliche Schwester des Geistlichen das Regiment führte. Die ärmeren
Kinder bekamen bald zu spüren, dass es offenbar zweierlei Schüler gab. Der
Lehrer schien die Kinder von hablicheren Bauern zu bevorzugen, die ihm hin und
wieder etwas mitbrachten, sei es Käse, Butter, Fleisch oder Brennholz. Das war
natürlich den Verdingbuben nicht möglich. Sie bekamen in der Folge ihre Plätze
in den hinteren Bankreihen zugewiesen. Der kleingewachsene Michi passte aber
trotzdem gut auf und war ein aufgeweckter, gelehriger Schüler, besonders
interessiert und begabt im Rechnen.
Natürlich wurde auch Unfug getrieben,
was Nachsitzen oder Tatzen eintrug. Die Sündenböcke amüsierten sich aber
jeweils köstlich, wenn die Pfarrköchin den Bruder zum Mittagessen rief. Zuerst
ertönte es sanft über die Treppe herunter: „Martineli, essen!“ Nützte das
nichts, tönte es schon forscher: „Martin, so komm endlich!“ Wenn auch das
nichts half, kam ein drohender Befehl: „Märtel, jetzt kommst du aber
sofort!“ Dann musste er wohl oder übel die nachsitzenden Bengel springen
lassen, welche sich ins Fäustchen lachten.
Einmal schmiedeten die Lausbuben ein
Komplott, um dem Schulmeister das Tatzengeben auszutreiben. Sie behändigten
dessen Stecken und liessen von einem Vater einen feinen Schnitt hinein sägen.
Als der Pfarrherr das nächste Mal zum Schlag ausholte, brach der Stecken bei
der Einschnittstelle ganz entzwei. Das lose Stück schnellte in die Höhe, traf
ihn an der Stirne und verursachte eine blutende Wunde. Ob die Sünder wohl im
Arrestlokal büssen mussten, das 1891 vom Schulrat im alten Pfarrhof errichtet
worden war, um ungehorsame Schulkinder einzusperren?
Allgemein herrschten im 19.
Jahrhundert nicht die feinsten Sitten, denn schon 40 Jahre früher hatte laut
Protokollbuch das Dorfgericht einschreiten müssen, da einige Buben sich in der
Kirche unehrerbietig verhielten, schwatzten, lachten und sich stiessen. Aber
auch ältere Kirchgänger wurden 1865 gerügt, weil sie während des
Gottesdienstes ausserhalb der Kirche zu bleiben pflegten.
Ein Examenerlebnis blieb unserem
Verdingbuben zeitlebens unvergesslich. Am festgesetzten Tag zu Ende des
Schuljahres tauchte jeweilen der kantonale Schulinspektor auf, um die Schüler
abzufragen. Im Rechnen schrieb dieser einst eine schwierige Aufgabe an die
Wandtafel, die zum Leidwesen des Pfarrers keiner seiner Lieblingsschüler, die
zuerst drankamen, lösen konnte. Der Fünftklässler Michi hatte die Lösung
schon längst im Kopf und lächelte verschmitzt. Das bemerkte der Inspektor und
machte den Lehrer darauf aufmerksam. Doch dieser entgegnete verlegen: „Der
kann es sowieso nicht!“ Jener wurde aber trotzdem als Letzter noch nach vorn
gerufen und bald stand die richtige Ausrechnung an der Tafel. Der Schulinspektor
zeigte sich sehr befriedigt und belohnte den guten Rechner mit einem Zweifränkler,
zu jener Zeit ein schöner Batzen Geld! Der Pfarrer aber habe eine Rüge
erhalten.
Zu erwähnen ist noch, dass früher
nur die grösseren Knaben einen bescheidenen Turnunterricht erhielten. Als
Turnlehrer amtete ein dafür geeigneter Dorfgenosse. Um 1880 übertrug der
Schulrat zum Beispiel diese Stelle dem Wirt Michael Gasser. Geturnt wurde bei
trockenem Wetter auf der Wiese unterhalb der Kirche.
Neue Verdingstelle
In der 6. Klasse, als „Träppi-Michi“
schon ein kräftiges Bürschchen geworden war, wurde von der Armenpflege
wiederum ein Wechsel angeordnet. Er musste nun das bequem gelegene, vordere
Grosstal verlassen und kam zu Ratsherr Josef Gisler, dem Besitzer des
Bergheimwesens „Obere Gitschenen“. Dort konnte er sich auf dem etwa 1600 m
hoch gelegenen Hof nützlich machen und genoss im Sommer die gesunde Höhenluft
als Geisshirt. Aus dieser Zeit stammt der folgende Lausbubenstreich:
Mit einem anderen Hüterbuben zusammen
hatte Michi die Ziegen aufs Haldifeld zu treiben. Bei der Alp Unterbolgen
spielten die beiden einst Verstecken. Als gutes Versteck diente auch ein dort
abgestelltes Fässchen und sie bemerkten zu spät, dass es Salz enthielt. Da
dieses nun von ihren Schuhen beschmutzt worden war, trollten sie sich, nichts
Gutes ahnend, davon. Sie rechneten sich dabei aus, dass gewiss noch eine Strafe
folgen werde. Anderntags drückten sie sich vorsichtig um die Hütte herum. Doch
der erboste Senn hatte ihnen abgepasst und verfolgte die Flüchtenden, ihnen
dicht auf den Fersen bleibend. Der Kamerad konnte sich in Sicherheit bringen und
Michi versuchte sein Glück mit einem Haken bergabwärts. Als er auch damit den
Verfolger nicht abschütteln konnte, legte er sich kurzerhand platt auf die
Erde. Der Senn stolperte über das Hindernis und stürzte kopfvoran zu Boden.
Die Buben suchten das Weite und entgingen so der Strafe.
Vom Herbst 1894 bis zum Frühling 1895
hatte der Sechstklässler aber noch das letzte Schuljahr zu absolvieren. Das war
eine strenge Zeit, denn der ganze Weg von Gitschenen hinunter ins Tal und dem
Bach entlang ins Dorf musste zu Fuss zurückgelegt werden. Abwärts brauchten
flinke Beine bei aperem Boden mindestens anderthalb, heimwärts gar zwei
Stunden. Wenn Schnee lag, erleichterten eine Art primitiver Fassdauben den
Abstieg ins Grosstal, während das Schneestampfen bergauf viel Zeit und Kraft
erforderte und drei bis vier Stunden in Anspruch nehmen konnte.
Der alte Gitschenerweg führte durchs
„Stettli“ über das Heimwesen „Port“ und an den letzten noch stehenden Käsgaden
vorbei bis zum Grosstalersträsschen. Von einem Haus zum andern wuchs die Zahl
der Schüler, die dem Dörfli zustrebten, kräftig an. Im „Oberen Stettli“
gelangte Michi am Gadenhaus der „Römer“ vorbei, wo Onkel Kari, ein Bruder
des Vaters, mit seiner Frau und acht Kindern als Kleinbauer und Tagelöhner ein
kärgliches Dasein fristete. Mit diesen ungefähr gleichaltrigen Cousins und
Cousinen, die später ebenfalls abwanderten, pflegte er stets guten Kontakt. Im
„Unteren Stettli“ stiessen noch „Kaspeler“- und „Ziner“-Aschwanden
zur Schülerschar und der „Träppi“ war mit allen gut Freund. So mag der
lange Schulweg recht kurzweilig gewesen sein, wenigstens bei gutem Wetter. War
es aber kalt, nass oder stürmisch, waren die Kinder nicht zu beneiden.
Herrschte sogar Lawinengefahr, konnten oder mussten sie die Schule überhaupt
nicht besuchen.
Der Unterricht dauerte, im Anschluss
an die Schulmesse in der Kirche, bis um 12 Uhr. Anschliessend bekamen die Kinder
mit weitem Schulweg Suppe und Brot in der Suppenanstalt. Manchmal hatte Michi
noch den Auftrag, im Laden Brot und Lebensmittel zu besorgen, die er zusammen
mit dem Schultornister in einem Tragkorb heimbuckelte. Bei schlechten
Witterungsverhältnissen durfte er allerdings die Last in der „Schwändi“
bei der Kapelle St. Jakob, dem Talgut der Meistersfamilie, abgeben. Nach der
abendlichen Rückkehr auf Gitschenen gab es noch Schulaufgaben zu erledigen. Die
Ziegen wollten auch gefüttert werden, eine Arbeit, die bei gutem Wetter
ebenfalls bereits morgens vor der Schule zu tun war.
Die schneereichen Winter bedeuteten
eine schwierige und gefahrvolle Zeit für die Bergbauern. Auch Michi erlebte
bedrohliche Lawinenniedergänge auf bewohntes Gebiet. Zu Beginn des Jahres 1895
wurde einst eine mächtige Tanne zwischen Haus und Gaden der Familie Gisler
geworfen, so dass sich die Bewohner am Morgen zuerst einen Weg zum Stall
freischlagen mussten. Später, im Januar 1915, fiel dann auch der Gaden einer
Lawine zum Opfer und im März 1945 überdies noch das Haus.
Eine ähnlich gefährliche Situation
entstand ein weiteres Mal, als der Knabe in einem andern Heimet aushelfen
musste. Eines Nachts wurden er und der erwachsene Knecht durch ein mehrmaliges
dumpfes Rumpeln aufgeschreckt. Bei Tag erst gewahrten sie, was passiert war. Man
konnte das Gebäude nur noch durch das Fenster verlassen und gelangte direkt auf
meterhohen Schnee. Das Haus war von einer Lawine auf den Grundmauern verschoben
worden und ragte talwärts vor. Doch wenigstens waren bei diesen Ereignissen
keine Menschen zu Schaden gekommen!
Jahre als Knechtlein
Nach der 6. Klasse war damals die
obligatorische Schulpflicht erfüllt, wenn man von der Repetierschule absieht,
die während zweier Winter, allerdings nur an einem Vormittag pro Woche,
anschloss. Im Übrigen galten die Schulentlassenen als willkommene Arbeitskräfte
und wurden praktisch wie Erwachsene behandelt. Die einen zogen schon ganz jung
ins Unterland, andere verdingten sich als Knechte im Tal oder dienten sommers
auf den Alpen sowie winters als Holzer und bekamen dafür einen bescheidenen
Lohn.
Michi blieb auf Gitschenen und liess
sich vom Ratsherrn Gisler zum Hüten von mehreren hundert Schafen anstellen. Als
Entgelt für diese verantwortungsvolle Arbeit von Mitte März bis Mitte Oktober
wurden 100 Franken vereinbart. Wie war der junge Hirte aber enttäuscht, als er
im Herbst den Bescheid erhielt, die Armenpflege habe den ganzen Lohn
beansprucht!
Die nächste Stelle fand „Träppi-Michi“
im „Oberen Schluchen“ beim damals noch ledigen Jost Aschwanden aus der
entfernt verwandten Linie der „Wätzliger“, wo er ein Jahr lang blieb.
Anschliessend diente er während eines Winters bei einem alleinstehenden Meister
namens Hans Imhof aus der Familie der „Hinkis“, der ein etwas tiefer
gelegenes Gütlein bewohnte. Das alte Haus wurde von einem breiten Dach geschützt
und enthielt unten nebst Stube und Stübli eine Schreinerwerkstatt und im oberen
Stock noch ein einzelnes Zimmer. Dem Knechtlein oblag die Sorge für die Ziegen
wie auch alle in Haus und Stall anfallenden Arbeiten. Daneben musste beim Holzen
geholfen werden und in der Werkstatt gab es die verschiedensten Handreichungen
zu verrichten. Diese ganz praktische Lebensschule sagte dem interessierten und
geschickten Burschen sehr zu. Er konnte dabei manches lernen, was ihm später
zustatten kam. Im nächsten Sommer hätte Michi am liebsten eine Stelle auf
einer Alp angetreten, doch auf Verlangen des Pflegrates versah er nochmals den
besser bezahlten Dienst auf Gitschenen, sah aber auch diesmal nichts vom
abgemachten Lohn.
Daraufhin kehrte er dem Grosstal den Rücken
und wechselte für 2 Franken Wochenlohn zuhinterst ins Kleintal. Der neue
Meister, Michael Gasser, stammte ursprünglich aus dem „Wyler“. Er war
verheiratet mit Maria Anna Aschwanden, verwitwete Zwyssig, einer weiteren „Portler“-
Cousine von Michis Vater, welcher der „Untere Neien“ im Grosstal gehörte.
Als sie nach zehn Jahren Ehe starb, übernahm der Gatte, „Neien-Micheli“
genannt, den „Steinberg“ im Kleintal. Er lebte aber grösstenteils in
Altdorf, wo zwei seiner Schwestern ansässig waren. Meistens erschien er am
Freitag im Isental, brachte das zum Leben Nötige mit und verschwand am Sonntag
nach der Messe wieder. So trug der jeweilige Knecht viel Verantwortung und
genoss weitgehende Selbständigkeit. Es bereitete dem „Träppi“ denn auch
keine Mühe, den Viehstand zu besorgen sowie für sich selbst zu kochen und
alles in Ordnung zu halten. Nur im Winter war es bei Schnee mit grosser Mühsal
verbunden, auf ungepfadeten Wegen ins Dörfli zu gelangen. Das wurde Michi und
seinem Verhältnis zum Heimatort zum Verhängnis.
Flucht aus dem Tal
Die 17- bis 18-jährigen Burschen
hatten als zukünftige Rekruten die Pflicht, die militärische Vorschule zu
besuchen, die während zweier Winter an Sonntagnachmittagen von 14 bis 16 Uhr
stattfand und im Ganzen etwa 60 Stunden dauerte. In diesem Zusammenhang ist
interessant zu erfahren, wer diesen Unterricht erteilte. Es waren sage und
schreibe die Klosterfrauen! Das zeugt einerseits vom Ansehen, das diese bei der
Bevölkerung genossen, hängt aber anderseits noch mehr damit zusammen, dass sie
nur geringe Löhne beanspruchten. In der Gemeindeversammlung vom November 1891
wurde einmal beantragt, der Schulrat solle nach Möglichkeit eine männliche
Lehrkraft anstellen. Im April 1892 wurde aber beschlossen, den pädagogischen
Vorunterricht wie bisher von den Lehrschwestern erteilen zu lassen.
Nachdem am Anfang des Jahres 1899
recht viel Schnee gefallen war, kam der „Steinberg“- Knecht an einem
Sonntagabend nach dem Kurs erst um 18 Uhr wieder zu Hause an, zu spät, um die
Tiere wie gewohnt zu besorgen. Am Sonntag darauf, als immer noch Schnee lag, sah
er sich deshalb ausserstande, den Unterricht zu besuchen. Der Rekrutenschüler
erhielt bald darauf eine Verwarnung der Schulbehörde samt der Drohung, man
werde ihn das nächste Mal durch den Landjäger abholen lassen. Da bekam es der
Jüngling mit der Angst zu tun und er beschloss, das Tal zu verlassen und im
Unterland sein Glück zu versuchen. Gesagt, getan! Als der Meister zufälligerweise
schon am Donnerstag im Kleintal erschien, verlangte der Knecht den Lohn. Am
darauffolgenden Sonntag begab er sich mit seinem Bündel zu Gemeindeschreiber
Johann Gasser, der wenige Jahre älter und ihm wohlgesinnt war. Er meldete sich
ab und dieser versprach, ihm den Heimatschein nachzuschicken, sobald er sich
irgendwo niedergelassen habe. Nach dem Fussmarsch an die Isleten bestieg der
„Deserteur“ das Fünf-Uhr-Schiff nach Bauen, wo er fürs Erste bei der dort
im „Tablat“ verheirateten Tante Viktoria Unterschlupf fand. Von da aus
wollte er seinen Bruder Franz aufsuchen, der dem Isental auch jung den Rücken
gekehrt und in Küssnacht am Rigi eine Stelle als Bauernknecht angetreten hatte.
Wanderjahre
Der Besuch von Michael kam dem älteren
Bruder gerade gelegen. Dieser trug sich nämlich mit dem Gedanken, nach
Deutschland auszuwandern und sich dort als Melker, sogenannter „Schweizer“,
zu verdingen. Der jüngere „Träppi“ konnte nun sein Nachfolger werden,
blieb also weiterhin auf sich selbst gestellt. Dank seines sympathischen Wesens,
seiner Anpassungsfähigkeit an die verschiedensten Lebenslagen und seiner guten
Intelligenz fiel ihm dies nicht schwer. Eigentlich wäre es sein Wunsch gewesen,
das Schmiedehandwerk zu erlernen, doch fehlten ihm die Mittel für das damals nötige
Lehrgeld. So blieb er zwei Jahre an diesem ersten Arbeitsplatz, wo er 60 Stück
Vieh für einen Wochenlohn von 2 Franken, nebst Kost und Logis, zu besorgen
hatte. Auf dem nächsten Bauernbetrieb verbesserte er sich dann bereits auf 10
Franken wöchentlich.
Den militärischen Vorunterricht hatte
er unterdessen in Küssnacht nachgeholt, bevor er in Chur vom 9. Juli bis 25.
August 1902 die siebenwöchige Rekrutenschule absolvierte. Es war zu jener Zeit
üblich, dass ein Knecht etwa alle zwei Jahre die Arbeitsstelle wechselte.
Michael suchte sich gerne Betriebe aus, in denen etwas lief. Bei einem Viehhändler,
bei dem er sogar fünf Jahre blieb, gelangte er zum Beispiel als Begleiter von
Viehtransporten per Bahn bis nach Russland. Weitere interessante Stellen fand er
bei einem Holzhändler und in Sägereien. Dazwischen gab es noch einige hundert
Diensttage während des Ersten Weltkriegs, wobei er weite Teile der Schweiz
kennen lernte und auch zum Gefreiten befördert wurde.
Als bald 40-Jähriger trat Michael
Aschwanden 1921 seine Lebensstelle in der Chemischen Fabrik Uetikon am Zürichsee
an, die sogar in Geschäftsbeziehung stand zur Sprengstofffabrik an der Isleten.
Seinem Heimatort Isenthal hielt „Träppi-Michi“ die Treue bis ins hohe
Alter. Gerne weilte er mit seiner Familie dort in den Ferien, hätte aber nie
mehr für ganz zurückkehren mögen. Oft erzählte er von seiner Jugend, der er
viele positive Seiten abgewinnen konnte. Doch auch die trüben Zeiten hatten
seinem frohen Gemüt, seinem Witz und einer beneidenswerten Gelassenheit nicht
schaden können, im Gegenteil!
Rückblickend darf man feststellen,
dass Michi trotz seines Verdingbubenloses vom Glück begünstigt war. Den grössten
Teil seiner Kinder- und Jugendjahre verbrachte er bei wohlmeinenden Verwandten
oder in kleineren Haushalten von Erwachsenen und musste auch nie Mangel leiden.
Von ihrem Vater fanden die drei Söhne indessen keine Unterstützung. Dieser
hatte sich 1889 ein zweites Mal verheiratet und war 1897 an den Folgen eines
Unfalls gestorben. Die Brüder pflegten in späteren Jahren mehr oder weniger
regelmässige Kontakte. Insbesondere „Träppi-Franz“ kam zwischen den
Weltkriegen öfters in die alte Heimat und besuchte, teilweise in Begleitung von
Familienangehörigen, jeweils auch Altdorf und das Isental, während Anton
praktisch keine Beziehung zu seinem Bürgerort hatte, da er nie dort lebte.
Allen drei ehemaligen Waisenbuben war
es aber möglich, ihren Weg durchs Leben zu finden, nicht zuletzt dank der in
der Kindheit erfahrenen Fürsorge durch die Heimatgemeinde.
Hedy Kleiner-Aschwanden, Meilen

Warum die Alpgebiete
bewirtschaftet werden müssen
Die Bergbauern nutzten schon in früheren
Jahrhunderten die Flächen, welche oberhalb der Waldgrenze liegen und für
Dauerbesiedlung ungeeignet sind. So entstanden bei uns die Alpgenossenschaften
und an anderen Orten die Almen. Sie werden nur saisonal bewohnt und
bewirtschaftet. Sie sind aber für die jährlich benötigte Futtermenge für das
Vieh von grosser Bedeutung. Die bergbäuerliche Landwirtschaft hängt somit eng
mit der Alpwirtschaft zusammen. Ein Verfall der Alpwirtschaft - beispielsweise
durch extensive Bewirtschaftungsauflagen - würde den Rückgang der Anzahl
Bergbauern beschleunigen.
Zudem ist die Alpwirtschaft auch eine
Grundlage für den Tourismus. Ohne Alpbewirtschaftung im Sommer müssten riesige
Summen aufgewendet werden, um für den Winter Ski- und
Snowboardfahrgelegenheiten herzurichten.
Ohne Alpbewirtschaftung würden die
Probleme mit dem Wildbestand sehr bald zunehmen. Der Naturhaushalt würde in
grossem Umfang instabil und der Kampf gegen die Verbuschung würde die heute
noch vorhandene Vielfalt von Blumen und Sträuchern, anderen Pflanzen und
Kleintieren verlieren.
Die Förderung und der Weiterbestand
von bewirtschafteten Alpen in unserem Land sind somit eine bessere Perspektive,
als die Vergandung durch Abwanderung oder die zu grosse Einschränkung der
Freiheit von unseren Bergbauern. Tragen wir Sorge zu unserem Bergbauernstand -
dies ist für uns alle wichtig.
Marcel Peier, Adliswil
Entstehung und
Existenzprobleme der Alp-Bauernbetriebe
Der Zweck der Alpbewirtschaftung ist
die Ausdehnung von im Tal begrenzt vorhandener Futterfläche.
Bis zur Jahrhundertwende pflanzte der
Talbauer fast ausschliesslich Getreide an und betrieb Ackerbau. Dann wurde es
technisch möglich, über das Meer billiges Getreide zu importieren. Das brachte
den Talbauer in Bedrängnis. So begann er, vermehrt Vieh auf sein Land zu
bringen. So bekam der Bergbauer Konkurrenz.
Seit dann fing man auch politisch an,
sich für die Landwirtschaft
einzusetzen. 1917 erfolgte die erste Intervention in Form eines Postulats des
damaligen Nationalrats Schär. Der Bundesrat wurde aufgefordert zu prüfen, was
gegen die Abwanderung zu tun sei. 1924 wollte die Motion Baumberger, dass
nicht nur die Abwanderung, sondern auch das Lebens- und Arbeitsverhältnis,
die ärztliche Versorgung, Verkehr,
Steuern, Kredite, Bestossung der Alpen usw. zu behandeln und berücksichtigen
seien. Während der Kriegsjahre 1935-46 wurde der Bundesrat aufgefordert, bei
Teilmobilmachungen mehr Rücksicht auf die Bergbauern zu nehmen. Er setzte die
Armee- ein und ... die Berghilfe wurde gegründet. Noch immer konnte der
Bergbauer keine grösseren Investitionen auf seinem Hof einsetzen. 1966 kam die
Hochkonjunktur. Die Ständeräte Danioth und Brosi reichten wieder eine Motion
ein. Diesmal wollte man eine gesamtwirtschaftliche Betrachtung. Seit Ende 1966
ist deshalb vom Bund ein Netz von Massnahmen zugunsten der Berglandwirtschaft
aufgebaut worden.
1911 fing der Prozess an. Heute sind
wir dabei, das Netz wieder aufzulösen und die Existenz der Bauern erneut zu gefährden
oder sie durch Direktzahlungen zu Bundesangestellten zu machen. Nicht nur in der
Schweiz - in ganz Europa.
Ein Bergbauer verdient im Durchschnitt
nur 60 % eines vergleichbaren Talbetriebes; aber die Landschaftspflege lässt
sich nicht als Einkommen definieren. Es ist eine Existenzfrage und von den
Bergzonen 1-4 gibt es auch ein steigendes Manko gegenüber dem Paritätslohn.
Marcel Peier, Adliswil
Trachtenhochzeit auf
Gitschenen

Susi und Sepp trauten sich auf volkstümliche
Art
„Für mich war von Anfang an klar,
dass ich ganz traditionell in Tracht heiraten werde", erklärt Susi
Berther-Reber. Als Bernerin entschied sich Susi für eine festliche Berner
Sommertracht, bestehend aus einem langem Jupe, einer weissen Bluse mit Puffärmeln
und einem reich verzierten „Gstältli“, das über der Bluse getragen wird.
Dazu trug Susi schwarze Spitzenhandschuhe, weisse Kniestrümpfe und einen mit
einem Satinband verzierten Strohhut. Sepp trug seine Original Urner
Sonntagstracht, wovon es nur noch ganz wenige gibt. „Besonders gefreut hat uns
natürlich, dass so viele Freunde und Bekannte in einer Tracht erschienen sind.
Einige haben sich regelrecht darum bei Verleihern bemühen müssen", freut
sich Sepp.
Gefunkt hat es in Schweden
Kennengelernt hat sich das Paar vor
rund fünf Jahren auf einer Rundreise in Schweden - und seither sind Susi und
Sepp unzertrennlich. Susi hat sogar ihre Berner Heimat verlassen, um zu Sepp ins
Urnerland zu ziehen. Ihre Liebe haben sie im Zivilstandsamt Altdorf besiegelt,
einen Tag vor der kirchlichen Trauung.
Sonniger Fotospass am Urnersee
Wir trafen uns mit unserer Fotografin,
Ruth Clalüna, zwei Stunden vor Ankunft der Gäste an einem wunderschönen Plätzchen
am Urnersee. Hier entstanden die ersten Fotos des glücklichen Paares in
ungezwungener Atmosphäre. „Wir veranstalteten dafür sogar ein improvisiertes
Picknick", erinnert sich Susi. Vor einer atemberaubenden Kulisse - und wie
man sieht bei schönstem Wetter - entstanden denn auch tolle Schnappschüsse.
Trauung in luftiger Höhe
Die Hochzeitsfeierlichkeiten fanden in
der wunderschön gelegenen Bergkapelle Gitschenen statt. Um gemeinsam dorthin zu
gelangen, traf sich das Brautpaar mit der 40-köpfigen Hochzeitsgesellschaft
beim Restaurant Trögli in Altdorf. Mit einem bequemen Bus fuhren sie über die
kurvenreiche, sehr romantische Kantonsstrasse am Urnersee entlang über Isenthal
bis nach St. Jakob. Hier galt es für die fröhliche Gruppe, in achtplätzige
Gondeln umzusteigen und die anschliessende zehnminütige Fahrt zur Bergstation
Gitschenen zu geniessen. „Wir hatten ein so traumhaftes Spätsommer-Bilderbuchwetter",
erzählt Sepp: „An diesem Tag schien für uns im wahrsten Sinne des Wortes die
Sonne." Einmal angelangt, machte sich die Gesellschaft auf den kurzen
Fussweg zur Kapelle Gitschenen. Als gelungene Überraschung, spielten zwei
Alphornbläser und begleiteten das Brautpaar auf dem Weg zur Kapelle. „Sepp’s
Freunde waren extra gekommen, um für uns ein Ständchen zu spielen", freut
sich Susi.
150 Gäste gratulierten
In der Kapelle fanden sich aber bei
weitem nicht nur die 40 geladenen Hochzeitsgäste ein - die Kirche war mit ihren
150 Plätzen zum Bersten voll. „Ich glaube, dass da auch einige neugierige
Passanten zu unserer Trauung gekommen sind", erklärt Sepp: „Kein Wunder,
bei uns ging es sehr fröhlich und vor allem sehr musikalisch zu. Wir wurden vor
und nach der Predigt von Pfarrer Arnold Furrer von einer Zitter und einem
Schwiizer Handörgeli begleitet."
Der Apero nach der Trauung wurde im
Bergrestaurant auf der grossen Sonnenterrasse serviert. Die kleine „Beiz“
verwöhnte uns mit Käse und „Dürrs“, getrocknetem Fleisch. Dazu gab es
Weisswein. Auch hier wurde musiziert: „Einige Gäste tanzten spontan zu den Klängen
der Zitter und des Schwiizer Örgelis", erzählt Susi. Und schon bald
trugen Freunde die ersten witzigen Sketches vor. „Unser Tafelmajor, Robi
Arnold, verstand es, die ganze Truppe mit sehr viel Humor in Bewegung zu halten
und immer wieder für Spässe zu sorgen. Er war es auch, der uns mit dem
Kabarettisten „Bärti“, der hierzulande sehr bekannt ist, überraschte."
Ballone zogen nach Mailand
Bevor die Hochzeitsgäste wieder die
Gondeln zur Talstation bestiegen, hielten sie zum Aufsteigen der
Hochzeitsballone an. Alle erhielten einen Ballon, der mit einer Adresskarte des
Brautpaares versehen war. Nun galt es aber noch, sich ein Geschenk auszudenken,
das man dem Brautpaar machen wollte, sollte die entsprechende Karte vom Finder
zurückgeschickt werden. Die Ballone zog es sofort nach Süden.
Eine Karte wurde sogar aus Mailand zurückgeschickt!
Die meisten blieben allerdings irgendwo im Tessin hängen. „Wir hatten auf
jeden Fall unseren Spass und haben die Absender der Karten mit einem „Urner
Stierli“, einer hiesigen süssen Spezialität, belohnt", erklärt Sepp.
Urige Spiele und viel Spass
Nach dem ausgiebigen Apero ging die
Fahrt mit Gondelbahn und Bus wieder zurück zum Ausgangsort, dem Restaurant Trögli,
wo ein wundervolles Essen serviert wurde. Viele witzige Spiele und Produktionen
folgten. „Sepps Schwester hat sich dazu etwas ganz Besonderes einfallen
lassen, sie sprach urschweizerische Worte aus, deren Bedeutung es dann zu
erraten galt. So fielen witzige Ausdrücke wie „Plurp“ (Matsch), „Anetzerli“
(Apero), „tunderschiässig“ (vorwitzig) und natürlich „Gspüsiächläid“
(Hochzeitskleid). „Sepp und ich gewannen dabei ein aufregendes Velowochenende
im Berner Seeland mit allem Drum und Dran, das wir inzwischen schon eingelöst
haben, es war wundervoll", schwärmt Susi.
"Ruth Clalüna, die ja auch
unsere Hochzeitsbilder gemacht hat, hat sich etwas ganz Besonderes einfallen
lassen. Als meine langjährige Freundin kannte sie auch meine Eltern. Sie hat
einen Film von früher so zusammengeschnitten, dass meine und ihre Eltern zu
sehen waren. So hatten wir alle ein bisschen das Gefühl, dass meine Eltern auch
dabei waren", erklärt Susi weiter: „Das war für mich eine Überraschung,
die mir sehr ans Herz ging."
Aus der Zeitschrift: Braut und Bräutigam,
Juli/August 1999
Alpenmode
- wie das Projekt entstand
Am Anfang standen Briefe und am Schluss eine
Modeschau
Am Anfang standen die Briefe der Anna
Loretz. Ihr Lebenswerk und ihr Kampf für die Tracht, das Kleid der Heimat,
wollte man im „Urner Wochenblatt“ in Erinnerung rufen. Es sollte eine
Zeitungsseite werden! Die Idee uferte aus: Am Samstag, 21. August 1999, fand auf
dem Lehnplatz in Altdorf im Rahmen des Musikfestivals Alpentöne als Höhepunkt
und Abschluss der Zeitungsserie die Alpenmodeschau statt. Der Artikel zeigt dem
interessierten Leserkreis wie es zur Alpenmode gekommen ist - einem Urner
Projekt, das Wurzeln schlagen will.
Vor Jahr und Tag erhielt die Redaktion
des „Urner Wochenblatts“ einen Ordner mit Briefen, Rechnungen, Notizen und
Skizzen aus dem Nachlass einer gewissen Anna Loretz, welche im Jahre 1948 jung
gestorben war und sich sehr im Trachtenwesen engagiert hatte. Ein Mitarbeiter
des „Urner Wochenblatts“ sichtete den Inhalt der beiden Ordner, mit dem
Auftrag abzuklären, ob sich das Material für einen Zeitungsartikel eigne. Bei
der Durchsicht offenbarte sich sehr schnell, dass die Briefe sehr interessant
waren. Anna Loretz zeigte sich in den Schriftstücken als eine sehr aktive Frau,
obwohl ihre Schaffenskraft durch eine Krankheit immer wieder gehemmt wurde. Anna
Loretz hatte für die Tracht, das Kleid der Heimat, gekämpft. Keine Frage, der
Stoff war seitenfüllend! Für den Zeitungsartikel stellte sich Beatrice
Herger-Kieliger als Beraterin zur Verfügung. Beatrice Herger beschäftigt sich
auch schon jahrelang mit Trachten und mit dem damit verbundenen Handwerk, vor
allem der Stickerei.
Von der Zeitungsseite zur Serie
In der Folge reifte die Idee, die
geplante Zeitungsseite zu einer kleinen Serie zu erweitern, welche sich mit dem
Urner Trachtenwesen befasst. Damit war jedoch noch nicht genug, sondern wenn
schon, denn schon: Das Kleid, die Kleidermode allgemein sollte zum Thema werden.
Seit Februar lief denn auch im „Urner Wochenblatt“ die Serie Alpenmode mit
22 Folgen, verfasst von Rolf Gisler-Jauch. Der Artikel über die Trachten von
Heinrich Danioth wurde von Staatsarchivar Dr. Rolf Aebersold beigesteuert.
In den Diskussionen um den Rahmen der
Serie stellte sich auch die Frage, wieso es in der Schweiz - im Gegensatz etwa
zu Süddeutschland, Bayern und Österreich - keine Folkloremode gibt. Und: Wie würden
Kleider wohl aussehen, welche modern im Folklorestil geschaffen sind - nicht
Dirndl, aber doch volkstümlich und vielleicht gar einen Bezug zu Uri haben. Man
müsste solche Kleider entwerfen und herstellen lassen, sagte man sich. Eine
Idee zum Weiterverfolgen! Nächste Ansprechpartnerin war Gerda Walker, die
Leiterin des Lehr-Ateliers für Damenschneiderinnen im Berufsschulhaus Altdorf.
Die Idee stiess auch hier auf Begeisterung. Die Kosten für Stoff und
Herstellung der Kleider liessen sich nun beziffern.
Die Idee wurde Erich Herger,
Chefredaktor des „Urner Wochenblatts“, sowie Otto Aeschbacher, dem Geschäftsführer
der Gisler Druck AG, vorgelegt. „Man hätte für die geplante Zeitungsserie
noch einen krönenden Abschluss - 25 Folklore-Kleider in einer abschliessenden
Modeschau“, liess man etwas zaghaft verlauten. Die Idee rannte offene Türen
ein und das „Urner Wochenblatt“ und die Gisler Druck AG erklärten sich
bereit, das Patronat für das Projekt zu übernehmen. Ja und dann sollte das
Projekt keine Eintagsfliege sein, sondern Wurzeln schlagen, die man im Jahre
2001 anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums des „Urner Wochenblatts“ eine erste
Bilanz ziehen könnte. Das Projektteam, bestehend aus Beatrice Herger-Kieliger,
Erich Herger, Otto Aeschbacher und Rolf Gisler-Jauch, verteilte die Aufgaben und
es ging an die Arbeit!
Die Suppe, die man sich einbrockt...
Beatrice Herger machte sich daran, die
Kleider zu entwerfen. Die vorhandenen Ideen wurden mittels Zeichenstift zu
Papier gebracht. In Zusammenarbeit mit Gerda Walker wurde die Idee von den
Kleidern auf Papier bald einmal konkreter und was man auf Papier besitzt, kann
man von Gitschenen getrost nach Altdorf tragen. Die Entwürfe lösten im Team
alsbald Begeisterung aus. Man war motiviert.
An den Aufgaben, welche sich die
anderen drei Team-Mitglieder eingebrockt hatten, hatten die Betreffenden etwas
mehr zu beissen. Der Verfasser der Zeitungsserie konnte sich keineswegs einen
Experten im Mode- und Trachtenwesen nennen und eine Modeschau organisiert man ja
auch nicht alle Tage. Zumindest auf einem Nachttischchen stapelte sich nun
Literatur über Trachten und Kleidermode und wartete darauf, gelesen zu werden.
Wenn man etwas über Trachten
schreibt, müssen auch die Trachtengruppen orientiert werden. Also wurde ein
Orientierungsschreiben, verbunden mit einem Fragebogen, verschickt. Jetzt war
die Serie endgültig lanciert. Die Botschaft einer Folkloremode löste in
Trachtenkreisen anfänglich nicht nur eitel Freude aus. Tracht und Mode seien
zwei Begriffe, welche sich nicht miteinander vertragen; das sei wie Feuer und
Wasser, wurde erklärt. Telefonate und Aussprachen mit dem Präsidenten der
Kantonalen Trachtenvereinigung und der Präsidentin der Kantonalen
Trachtenkommission glätteten die Wogen. Das Projekt wurde sodann an der
erweiterten Präsidentenkonferenz in Erstfeld vorgestellt und die Mitarbeit der
Trachtengruppen besiegelt. In der Folge sollte die Zusammenarbeit mit den
Trachtengruppen in Minne verlaufen und das Projektteam durfte auf eine sehr gute
Zusammenarbeit zählen. Als Entrée zur Alpenmodeschau zeigte die Tanzgruppe der
Kantonalen Trachtenvereinigung die traditionellen Urner Trachten und zwei
Trachtentänze.
Das Kleid musste noch einen Namen haben
Nun mussten die Kleider noch einen
Namen haben und vor allem war noch eine Modeschau mit Laufsteg, Models und so
weiter zu organisieren Das Projektteam gelangte an Beat Widmer, Altdorf, welcher
schon einige Erfahrungen mit Frisurenshows hatte. Zudem ist er OK-Mitglied des
Musikfestivals Alpentöne. Es folgte dann das Angebot, die Modeschau in den
Rahmen der „Alpentöne“ zu integrieren. Nichts lieber als das! Mit diesem
Angebot waren auch die Kleider getauft: „Alpenmode“ sollte das Projekt
heissen. Kleider, die etwas auf sich halten, haben auch ein anständiges Logo:
Das Krokodil war bekanntlich schon vergeben und zudem nicht gerade typisch für
die Urner Bergwelt. Die Alpendohle sollte es sein (siehe Kasten)! Die
Organisation und die Choreografie der Alpenmodeschau übernahmen Ursula Furrer,
Inter-Coiffure, Altdorf und Susanne Zurfluh, Altdorf. Für „Alpentöne“
sorgten Carlo Gamma und Christian Hartmann, welche für die Alpenmodeschau
eigens die Musik arrangierten.
Die Idee der Alpenmode
Die Alpenmode versteht sich nicht als
Konkurrenz zu den traditionellen Trachten, auch kann und will sie sich nicht mit
Modezentren messen. Das Projekt Alpenmode hat die Ideen der Anna Loretz
aufgenommen, weiterentwickelt und in die heutige Zeit umgesetzt. Die neu
erstellten Kleider sollen fröhliches, modernes „Agglegg“ sein, entworfen
und hergestellt in Uri, für Leute, welche Folklore und die Bergwelt lieben -
eben Alpenmode!
Die erste Kollektion nimmt einen Bezug
zu Uri. Dieser kann in den Farben Gelb-Schwarz, im Uristierli-Stoff oder in
Elementen von alten Urner Trachten bestehen. Alpenmode-Kleider lassen sich auch
kombinieren. Ein Oberteil kann zu einer Jeanshose oder zu einem Leder-Rock
getragen werden. Die Verwandlungsmöglichkeiten der Alpenmode-Kleider wurden an
der Alpenmodeschau am Kleid „Anna“ gezeigt, welches in verschiedenen
Variationen gezeigt wurde. Es sollte auch an Anna Loretz und an ihre Entwürfe
zu Trachtenkleidern erinnern.
Rolf Gisler, Altdorf
Der Puppenkurs auf Gitschenen
- ein Erlebnis
In
der Tiefe auf des Menschen wartet etwas auf Verwirklichung. Einmal erwacht es
und drängt an das Licht. Diesen Leitsatz habe ich an den Beginn meines
Anleitungsbuches „Die andere Art Puppen zu modellieren" gesetzt. Ebenso
kann ich diesen Leitsatz an den Beginn des Puppenkurses, den ich auf Gitschenen
erteilen durfte, setzen.
Bestimmt war bei allen sechs
Kursteilnehmerinnen das Wartende in der
Tiefe des Menschen die unbewusste Motivation, sich für diesen Kurs zu
entscheiden. Zum Kursbeginn versammelten sich alle um den runden Tisch im Saal,
wo uns die Gastgeberin, Beatrice Herger, mit einem Hauskaffee (mmh!) herzlich
willkommen hiess.
Schon beim Einführungsgesprächs spürte
ich, dass das Wartende in der Tiefe
konkret geworden ist, zwar noch etwas zögernd, zaghaft und ein wenig zweifelnd.
Ich konnte aber den Teilnehmerinnen versichern, dass sie am Ende der Woche alle
mit einem schönen „Kind" nach Hause gehen werden.
Nun drängt das
Etwas in der Tiefe auf Verwirklichung. Es drängt so fest, dass es umgesetzt
wird in Fleiss, Freude, Kameradschaft und Harmonie. Alles, was wir noch rund um
diesen Kurs erleben durften, war einmalig und schön: die Gastfreundschaft, das
Essen, die Atmosphäre, das fröhliche Personal, die Blumenpracht, die Bergwelt,
die Sonne und der Wind, die Bewegungsübungen, die Gespräche, das Lachen, und
nicht zuletzt auch die Überraschungsideen der Gastgeberin! Alles dies trug zur
inneren Zufriedenheit und zu tiefer Freude bei.
Dieses Drängen
an das Licht hat sich für unsere Puppe in kleinen Schritten vollzogen. Bis
Donnerstag waren alle Gliedmassen und der Kopf fertig modelliert und getrocknet,
teilweise im Backofen, teilweise bei Sonne und Wind. Und nun haben wir
stundenlang geschliffen:
- abgeschliffen, was störte
- feingeschliffen, was zu grob oder zu rauh war
- auf- oder angesetzt, was zu wenig war
- gerundet, was zu flach war.
Mit diesen Modellier- und
Schleifarbeiten konnten wir gleichzeitig auch vieles in der Seele zurecht
„modellieren und schleifen", bis schlussendlich die Freude und die
Gelassenheit über alles siegte!
Eine fröhliche und heitere Lektion
war das Auswählen einer passenden Echthaarperücke! Sie muss perfekt zum
erschaffenen Typus passen und dessen Ausdruck dadurch noch unterstreichen. Nach
verschiedenen Versuchen und Lacheinlagen haben alle eine sichere Wahl getroffen.
Am Samstag ist dann die ganze Verwirklichung ans Licht gekommen: Das Puppenkind ist
„geboren". Keine Kursteilnehmerin würde das ihrige mit einem anderen
tauschen, zu viel „Herzblut" ist in dieses Kunstwerk geflossen. Die tiefe
Erfüllung rührte teilweise bis zu Freudentränen und zu Zwiegesprächen mit
dem selbsterschaffenen Geschöpf.
Gegen Mittag sind Freunde und
Familienangehörige eingetroffen. Sie geniessen mit uns das letzte Mittagessen
auf Gitschenen. Wie auch Beatrice Herger, die auf die „Deckeli"-Suppe ein
liebevolles DANKE kreierte, danke auch ich allen Beteiligten (direkte und
indirekte) ganz herzlich für die wundervolle Woche. Ich freue mich bereits auf
das nächste Mal - vielleicht mit vertrauten Gesichtern, und sicher auch mit
neuen, bei denen das eingangs erwähnte Zitat auch in Erfüllung gehen könnte!
Die Kursleiterin, Agnes Walder-Klärer
Claire
Laufer, Eglisau
Gitschenen ist für mich ein Ort der
Ruhe und Entspannung. Da finden immer wieder kreative Kurse statt, so
zum Beispiel auch der Puppenkurs von Agnes Walder. Es war ein sehr schönes
Erlebnis, aus einem Klumpen Modelliermasse Hände, Füsse und Kopf zu
modellieren. Das Schleifen auf der Terrasse, mitten in der schönen Bergwelt,
bei prächtigem Herbstwetter, war einfach herrlich! Das Bemalen dieser Teile -
und was daraus entstanden ist, war einmalig und begeisterte mich sehr. Ende der
Woche ging ich ganz glücklich und erfüllt mit einem Puppenkind nach Hause.
Dieser Kurs wird für mich zur bleibenden Erinnerung: Die angenehme Instruktion,
die Superküche und das schöne Wetter! Herzlichen Dank!
Lisabeth
Steiner, Hunzenschwil
Es hat mich riesig fasziniert, dass
trotz Abdruck von vorfabrizierten Masken, die Gesichter der Puppen ganz
individuell aussahen und Ähnlichkeiten und Merkmale der „Schöpferin“
zeigten, - wie Agnes Walder mit kleinen Stichen mit dem Modellierstab oder dem
Druck ihrer Finger den gewünschten Ausdruck im kleinen Puppengesicht
hervorzaubern konnte, - und natürlich der Gastfreundschaft und die gute Küche
auf Gitschenen, mit der wir eine Woche lang verwöhnt wurden.
Ich möchte mich noch einmal ganz
herzlich bedanken für diese unvergessliche Woche.
Christiane
Benz, Schmerkikon
Unbeschwert und allein bin ich
hergekommen,
glücklich und zu zweit sind wir gegangen - in meine Puppe ganz verliebt!
Speis und Trank waren Klasse -
vor allem die Freitags-Birnenglace.
Vielen Dank-, es war wunderschön!
Christine Sütterlin, Schönenbuch
Sich zurückziehen in die wunderschöne
Alpenwelt und unter fachkundiger Anleitung eine neue Technik für sein Hobby
erlernen. Das ist Erholung für Seele und Körper zugleich. Das Gitschenen-Team
sorgt mit einer fantastischen, fantasievollen Küche und blumig-farbiger
Ambiance für das leibliche Wohl. Derweil wächst die Puppe von Tag zu Tag und auf die Heimreise nimmt man ein schönes Puppengeschöpf,
von Kopf bis zu den Füssen selbst gemacht mit.
Verena Stutz, Obfelden
Ein
Puppenkurs war meine erste Wahl
Und
führte mich ins Urnerland nach Isenthal
Auf
Gitschenen fand ich die Ruhe und Kreativität
Das
Essen und die Bedienung war besser als jede Diät
Man
fing so richtig an zu träumen, Inspirationen in allen Räumen
Begeistert,
unter kundiger Führung wollen wir auch nichts versäumen
Mit
kneten, formen, schneiden und gutem Zureden
Erweckten
wir in unseren jüngsten Kindern das Puppenleben
Dann
noch ein bisschen Farbe und das Haar
Eingekleidet
sahen alle aus ganz wunderbar
Nun
sitze ich auf einem Stuhl in meinem neuen Zuhause
Spiele
ab und zu Örgeli oder mach mal Pause
Ein herzliches Dankeschön an alle,
die mir auf Gitschenen eine solch zauberhafte Woche ermöglicht haben. Mit herzlichen Grüssen
Ruth Graf, Minusio
Voller Erwartungen - und doch mit
gewissen Bedenken zu einem Gelingen, begann ich mit dem Material zu arbeiten.
Ich merkte bald, wie Freude mich durchströmte, als ich die Beine und Arme zu
formen begann. Dann die Gestaltung der zarten Füsse und Hände. Und zusehends
nahm das Geschöpf mit dem Modellieren des Gesichtes an Persönlichkeit zu. Als
dann auch noch unter der perfekten Anleitung das schwierige Unterfangen, die
Augen zu malen gelang, war meine Freude beinahe unbeschreiblich! Zur
Vollkommenheit wurden noch Wimpern aufgeklebt, eine einem Jungen entsprechende
Frisur verpasst, mit Hose, Hemd und Gilet eingekleidet... und geboren war mein
Giovanni!
Die würzige Bergluft, das
hervorragende, mit viel Liebe gekochte und servierte Essen und die tolle
Ambiance des Hauses waren Balsam für Leib und Seele.
Leserpost / Post von
„Internetten“
Für die tolle Verköstigung möchten
wir uns bedanken und freuen uns auf das nächste Mal. Mit freundlichen Grüssen
R. + P. L.
Am Sonntag besuchten wir Ihr
Restaraunt und genossen Ihre vorzügliche Küche. Die einmalige Lage der Alp und
das schöne Sommerwetter machte den Ausflug zum schönen Ereignis. Das war
sicher nicht das letzte Mal, wo wir mit der Gondel Ihr Haus besuchen werden.
R. R.
Von einer Bekannten habe ich Ihre
Gitschener Post erhalten. Ein Kompliment an die Macher! Nicht nur der Inhalt
bereitete mir Vergnügen, auch das Layout ist überzeugend. Ein richtiger
Appetitanreger, Ihr Haus kennenzulernen. Da ich ab und zu für unser Unternehmen
Anlässe organisiere und auch privat für Hinweise für Ausflüge empfänglich
bin, bitte ich Sie, meine Adresse in Ihre Kartei aufzunehmen und, falls möglich,
mir von den beiden letzten Ausgaben Ihrer Hauspost je ein Exemplar zukommen zu
lassen. Vielen Dank und freundliche Grüsse
M. T., Balterswil
bravo, schöne homepage. wir freuen
uns, morgen bezw. heute das ganze in realität zu erleben. beste grüsse aus
basel, aus der gruppe "opa"
Fam. R., Basel
Wir bitten um Aufnahme in die
Adresskartei und um Zustellung Ihrer Zeitschrift
J. M.
Grüessech, heute haben wir euch im
Internet besucht und morgen kommen wir persoelich vorbei - wir freuen uns auf
ein gutes Nachtessen in schoener Umgebung!
K. G.
Ce journal est tout simplement
admirable; quelle qualité! quel dynamisme! quelle organisation! quelle richesse
de documentation... et d'admirables photos! Comment avez-vous réussi à créer
ce large mouvement d'enthousiasme? Faut-il avoir de bonnes idées! Pourquoi une
telle qualité de papier pour un journal local?
C. F. Mauborget
Alm oder Alp
Sicher haben Sie sich schon gefragt,
warum vor allem die Österreicher „Alm" anstelle „Alp" sagen.
Es gibt Alpen und Almen im
deutschsprachigen Raum. Dem Land über der Waldgrenze sagt man
„Alpengebiet". Wenn das Alpengebiet aber allgemein genutzt wird, also
eigentlich zu einer Allmend in den Bergen wird, so nennt man diese nicht Allmend,
sondern eben „Alm". Somit liegt die Alm klar auf den Alpen oben.
Marcel Peier, Adliswil
Skilift Gitschenen
Isenthal
Klein, aber fein - Mit diesem Slogan will die
Skiliftgenossenschaft Gitschenen in die neue Saison und somit ins neue
Jahrtausend starten. Der Winter 1998 / 99 hat uns gezeigt, wie schnell sich
Schneemangel (anfangs Januar) und zuviel Schnee (im Februar) folgen können.
Rückblickend können wir sagen, der
Winter 1998 / 99 war für die Skifahrer ein erlebnisreicher Winter. Wir danken
allen unseren treuen Kunden, die uns in den letzten Wintern unterstützt haben
und hoffen, sie auch diesen Winter wieder begrüssen zu dürfen.
Die Landschaft Gitschenen im Winter
Gitschenen ist auch im Winter ein
gutes Ausflugsziel. Fahren Sie Ski oder Snöben Sie bei unserem Skilift, machen
Sie einen Winterspaziergang oder geniessen Sie einfach die Sonne und die schöne
Bergwelt. Gitschenen ist als Ausgangspunkt für Skitouren auf den Brisen,
Riseten, Schwalmis oder in Richtung Bannalp bestens bekannt.
Bei schönem Wetter haben Sie während
den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr die Möglichkeit, die Sonne durch ein
Felsloch (Tor) im Oberalpgrat beobachten zu können. Suchen Sie sich mit Hilfe
ihrer Ski selber den geeigneten Standort.
Das Skifahren auf Gitschenen
Der Skilift Gitschenen bietet einmal
eine sehr leichte Piste, welche für Anfänger bestens geeignet ist. Für geübtere
Fahrer gibt es aber auch anspruchsvollere, steilere Pisten. Nach einem
Schneefall bietet das Gebiet wunderbare Pulverschneehänge. Für Kenner gibt es
Stellen mit herausfordernden Sprunggelegenheiten. Und auch die Snowboader finden
ein ideales Gelände zum Ausüben ihrer Kunststücke vor.
Auf der Schrindi, bei der Bergstation
des Skilift Gitschenen, gibt es einen Kleinskilift, welcher ideal für Anfänger
des Skisports ist.
Wenn gewünscht, können Snowblades
gemietet werden. Für Firmen- oder Vereinsskitage stellen wir gerne, gegen einen
kleine Entschädigung, Torstangen, Flaggen und eine elektrische Zeitmessanlage
zur Verfügung.
In Zusammenarbeit mit dem Skiklub
Isenthal offerieren wir Snowboardkurse für Anfänger, Skikurse für Kinder
sowie Skikurse für alle zwischen 20 und 80 Jahren. Das Detailprogramm dazu und
weitere Auskünfte erhalten Sie beim Präsidenten Anton Furrer-Gisler, Telefon:
041 / 878 11 33 oder beim Betriebsleiter Karl Bissig-Arnold, Telefon: 041 / 878
12 89.
Anton Furrer und Karl Bissig, Isenthal
Unser Angebot für den Winter 1999 /
2000
Die Skiliftgenossenschaft Gitschenen
offeriert auch im kommenden Winter wieder jugend- und familienfreundliche
Spezialangebote. Die Fahrpreise des Skilifts bleiben gleich wie in der letzten
Saison. Ebenso bleiben die Preise für die Getränke und Esswaren am Kiosk oben
bei der Bergstation des Lifts unverändert.
Last Update:
22.11.2009
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