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Gitschener Post - Frühling 2000
Nr. 6 / Frühling / Sommer 2000
Editorial
Liebe Freunde von Gitschenen,
bereits seit unglaublichen 10 Jahren führen Beatrice und Franz Herger-Kieliger
das Gasthaus Gitschenen. In all diesen Jahren ist einiges gegangen auf
Gitschenen. Zu dieser Angelegenheit steht für Sie in dieser Ausgabe ein ausführlicher
Artikel bereit.
Die Gitschener Post ist zwar erst vier Jahre alt, ist aber eigentlich noch gar
nicht verstaubt. Trotzdem hat sie, wie Sie sehen können, bereits ein neues,
frisches Aussehen verpasst bekommen. Wir meinen, es tut der Zeitung gut. Und was
meinen Sie?
Nachdem nun ein weiterer, äusserst schneereicher Winter - in welchem es auch
auf Gitschenen einen Sturm mit umgeblasenen Bäumen und umgeknickten Strommasten
gab – vorbei gegangen ist, wenden wir uns gerne wieder einem warmen,
freundlichen Sommer zu. Dieses Jahr werden auf Gitschenen Zwerge die Saison
bestimmen! Wenn Sie im Sommer das Gasthaus Gitschenen besuchen, werden Sie
einige Spuren dieser drolligen Geschöpfe vorfinden. So ist zum Beispiel die
Speisekarte „kräuterlastig“ geworden und im Alpenkunsthäuschen gibt es
eine Ausstellung mit lustigen Zwergen. Apropos Ausstellungen: diese werden heuer
wieder vom Feinsten sein. Verpassen Sie nicht die Guggchäschtli-Ausstellung,
die Arnold-Aquarelle und die Herger-Seidenstickerei im Alpenkunsthäuschen! Aber
auch an Tagesveranstaltungen werden Sie Ihre Freude haben. Übrigens kosten Sie
doch vor- oder nach dem Besuch einer Veranstaltung einmal die Gitschener
Steinsuppe! Zu dieser Köstlichkeit können Sie in dieser Ausgabe gleich zwei
Geschichten lesen.
Zwerge gehören eigentlich ins Reich der Märchen und Sagen. Nicht zuletzt
deshalb finden Sie in dieser Zeitung ein paar dramatische Sagen aus dem Isenthal
vor.
Bestimmt kennen auch Sie jemanden, der einmal in der Schweiz, eventuell sogar in
der Innerschweiz gelebt hatte, inzwischen aber ausgewandert ist. Haben Sie sich
auch schon einmal gefragt, wieso eigentlich jemand wegzieht, ob er am neuen Ort
Angewöhnungsschwierigkeiten hat, ob er unter Heimweh leidet oder ob er in der
neuen Heimat glücklich ist? Als in meinem Bekanntenkreis neulich über
Auswanderung diskutiert wurde, kam die Idee auf, in der Gitschener Post das
Thema „Emigration aus der Innerschweiz“ einmal aufzugreifen. Das spannende
Ergebnis können Sie in dieser und der folgenden Ausgabe der Zeitung lesen.
Mit freundlichen, alpinen Grüssen
Neue
Saison und Ausstellung mit Zwergen

Am Sonntag 30. April 2000 wird die
neue Saison „offiziell“ eröffnet. Mit dabei sein wird ab 13:00 Uhr die
Musikkapelle Bärebode, mit Bettina Zürcher Geige und Dario Bertolami.
Zwerge, Gnome, Kobolde oder wie immer diese Wesen genannt werden, sind auch auf
Gitschenen heimisch und wenn man mit offenen Augen durch Gitschenen’s Wälder
geht, kann man da und dort unter den Wurzeln ein solches, liebliches Geschöpf
entdecken. Jedes Jahr gegen Ende des Frühlings versammeln sich die Zwerge
irgendwo auf Gitschenen. Dieses Jahr soll dies, so haben wir erfahren, just zur
Zeit der Sommersonnenwende stattfinden.
Am Samstag 24. Juni 2000 um 13:30 Uhr, werden die Gitschener Zwerge eine
Ausstellung über sich selbst eröffnen. Thema: „Zwerge auf Gitschenen“. Sie
werden ihre Brüder und Schwestern, welche von Frau Maria Sohm-Köpfli
geschaffen worden sind, zeigen. (Frau Sohm leitet übrigens auch unseren
begehrten Kurs „Zwerge aus Filz zum Liebhaben“.) Die Märchenerzählerin
Frau Ammann wird die Eröffnung der Ausstellung mit Sagen und passenden
Geschichten begleiten.
Die Zwerge werden bis in die Küche des Gasthauses vordringen. Sie werden uns
helfen, mit allerlei feinen Kräutern und guten Tipps delikate Speisen
herzustellen. Wir werden somit in dieser Saison unsere Gäste mit grossartigen
Überraschungen kulinarisch verwöhnen können.
Der
Wandel des Gasthauses Gitschenen im Verlauf der Jahre
Wie es ursprünglich war und wie es heute ist

Im Dezember 2000 feiern die jetzigen
Eigentümer des Gasthauses Gitschenen bereits das 10jährige Geschäftsjubiläum.
Wir nehmen dies zum Anlass, einen kurzen Rückblick auf die Geschichte sowie
Gegenwart des Hauses und seiner Umgebung zu machen.
Im Jahr 1955 begann Walter Bissig, zusammen mit seiner Schwester Käthy, mit dem
Bau des Berggasthauses Gitschenen. Parallel dazu wurde die Luftseilbahn
erstellt. Seilbahn und Gasthaus nahmen 1957 den Betrieb auf. Ab 1958 führte
Walter Bissig gemeinsam mit seiner Frau Cecile das Gasthaus. Schon bald zeigte
sich, dass das Haus dem Ansturm nicht gewachsen war. Die damaligen Eigentümer
vergrösserten deshalb 1964 die Kapazität des Hauses um das Doppelte, indem sie
es erhöhten und gegen Süd-Westen verbreiterten.
Nachdem 1988 Walter Bissig verstarb, wurden für das Gasthaus Käufer gesucht.
Im Dezember 1990 schliesslich wurde es von den heutigen Besitzern, Beatrice und
Franz Herger-Kieliger, übernommen. Unmittelbar nach dem Kauf haben die frischen
Unternehmer mit einer Erneuerung des Betriebs begonnen. Diese hat auf drei
Ebenen stattgefunden und wird zum Teil noch weitergehen:
1.
Erneuerung der Geschäftsphilosophie: Die neuen Besitzer wollen eine
Erholung und Ruhe suchende, naturverbundene Kundschaft nach Gitschenen holen.
Diese soll durch das scharmante, neuerdings alpenmodisch gekleidete Personal und
durch originelle sowie köstliche Speisen verwöhnt werden.
2.
Damit verbunden ist die Erweiterung des Angebots: Um auch unter der Woche
den Betrieb optimaler auslasten zu können, hat das Gasthaus 1994 damit
begonnen, Freizeitkurse anzubieten. Das Angebot enthält Themen zu
traditionellem Kunsthandwerk, Volksmusik und Entspannung. Das Alpenkurszentrum
floriert und erlebt eine eindrückliche Nachfrage. Zusätzlich organisiert man
jeden Sommer zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, welche meistens zu einem
grossen Erfolg werden. Und das „Alpenkunsthäuschen“ dient während des
Sommers, nebst seiner Funktion als Seminarraum, als Kunstgalerie. Die 1997 zum
ersten Mal erscheinende Gitschener Post dient nicht nur der Werbung für das
Gasthaus und seinem Kursangebot, sondern dem Verbreiten von interessanter
Information zur Region. Sie ist auf Anhieb zu einem weit über die Gegend hinaus
geschätzten Blatt geworden.
3.
Renovation der Anlage: Unter dem neuen Besitzerpaar ist mehr oder weniger
das ganze Haus erneuert worden. Diese Arbeiten dauern noch an und werden wohl
nie ganz zu Ende gehen. Als grösste Änderung muss dabei speziell auf die
Erneuerung und Vergrösserung der Küche hingewiesen werden. Sie erlaubt nun ein
effizientes sowie professionelles Arbeiten und ist auch dem grössten Ansturm
gewachsen. Aber auch die Zimmer, die Gaststube mit dem neuen Buffet sowie die
sanitären Einrichtungen präsentieren sich heute modern und schick aussehend.
Als jüngste Neuerung dürfen wir den soeben fertiggestellten Garderoben- und
Schuhraum erwähnen.
Auch die Umgebung des Gasthauses
Gitschenen ist in den letzten Jahren durch diverse Neuerungen noch attraktiver
geworden. Davon möchten wir vor allem die seit 4 Jahren in lieblicher Umgebung
stehende, architektonisch einzigartige Betrufkapelle sowie den einstündigen
Rundweg erwähnen.
Der Aus- und Umbau des Gasthauses zusammen mit den Neuerungen der Umgebung hat
inzwischen dazu geführt, dass Gitschenen vom „Geheimtip“ zu einem begehrten
Ausflugs- und Weiterbildungsziel geworden ist. Verschiedene Berichte in diversen
Zeitungen und Zeitschriften sowie der Auftritt im Internet haben zusätzlich
dazu beigetragen, Gitschenen weit herum bekannt zu machen. Dabei ist es den
Verantwortlichen gelungen, dass Gitschenen seinen lieblichen, wunderbaren
Charakter behalten hat, ohne zu einem Rummelplatz zu verkommen. - CM

Guggchäschtli

Einblicke in eine friedvolle Miniaturwelt im
Alpenkunsthäuschen
Der Künstler
Peter
Gugg, Jahrgang 1942, wuchs in Landquart auf, wo er auch die Schulen besuchte.
Anschliessend machte er seine Lehre als Dekorateur in Chur. In Zürich
erweiterte er sein Fachwissen und arbeitete dann als Grafiker bei einer grossen
Werbeagentur, wo er Spezialist für Arbeiten wurde, die Genauigkeit und Feingefühl
erforderten. Doch diese Arbeit war nicht ganz das, was er sich unter
befriedigendem Schaffen vorstellte. Immer wieder zog es ihn aufs Land, und dort
geschah es auch, dass er bei seinen Streifzügen die Tenntore alter Bauernhäuser
fotografierte. Verkleinerte Nachbildungen aus Holz waren seine ersten Versuche.
Es wurde eine Begeisterung daraus, die man auch den weiteren Arbeiten ansah.
Peter Gugg wurde immer mutiger: statt Tenntore waren es zum Schluss ganze
Bauernhäuser und Ställe, die er in Kästen setzte. So entstanden die ersten
"Guggchäschtli". Neben Häusern und Ställen fertigte er auch Bäume
und Holzbeigen an, kurzum alles, was zur Dokumentation der bäuerlichen Welt gehört.
Dreidimensionale, idyllische Miniaturen
Peter
Gugg lebt von seinen nach ihm benannten "Guggchäschtli". Er
produziert kleine Kästen, in die man hineingucken kann. Und drinnen im Kästlein
sieht man die wunderschönsten Bauernhäuser, von Obstbäumen umgeben,
Holzstapeln vor der Scheune, Schindeln auf dem Dach, verschiedene Tiere im Stall
und den Misthaufen vor dem Tor. Die dreidimensionalen Wandbilder mit ihren bäuerlichen
Motiven kann man aufhängen und immer wieder betrachten. Sie sind mit grosser
Liebe zum Detail hergestellt. Immer wieder entdeckt man neue Kleinigkeiten, die
dem Betrachter auf den ersten und zweiten Blick überhaupt nicht aufgefallen
sind.
Wie kam Peter Gugg zu seinem künstlerischen Broterwerb? "Ich bin von Beruf
Schaufensterdekorateur", erklärt der bärtige Künstler. Für ihn ist das
ganz logisch nachzuvollziehen - sind doch Schaufenster in seinen Augen Guggkästen
im Grossformat, die es einzurichten gilt. Seit Peter Gugg sich selbständig
gemacht hat, dekoriert er also im Grunde genommen weiter Kästen - nur dass er
die Motive jetzt selber aussucht. "Nichts war naheliegender, als die Guggchäschtli
zu erfinden", behauptet Peter Gugg. Er liebt Bauernhäuser, Ställe und Bäume.
Für seine Kunst schleicht er wie ein Detektiv stunden- und tagelang durch die
Gegend. Er beobachtet und fotografiert, bevor er zur Tat schreitet, und das
Resultat sind peinlich genaue Abbilder der Wirklichkeit. Vielleicht wirken
deshalb seine Guggchäschtli nie kitschig, sind sie doch einfach verkleinerte ländliche
Realität. Auch mit den Materialien hält sich Peter Gugg getreu ans Vorbild: Er
nimmt Holz, Stein, Stroh und Gips für seine Arbeiten. Das passende Material ist
nicht immer leicht zu finden, und es braucht einen ganzen Vorrat von Ästchen,
Brettchen, Steinchen, Moosen, Heu und Strohhalmen, bis so ein dreidimensionales
Kunstwerk fertig ist. Dabei dauert jedes Werk seine Zeit, mal wird ein Kästchen
schneller fertig. Ein anderes dagegen braucht Wochen bis zur
Fertigstellung.
Guggchäschtli im Alpenkunsthäuschen
Nachdem Peter Gugg seine Werke bereits
an vielen bekannten Orten wie Basel, Zürich, Frauenfeld oder Kollbrunn
ausgestellt hat, kommt er diesen Sommer nun ins „Alpenkunsthäuschen“
Gitschenen und zwar vom 8. Juli bis 6. August 2000. Der Eintritt zur Ausstellung
ist frei. Die einzelnen Ausstellungsstücke können erworben werden. Die Preise der dekorativen Kastenkunst richten sich nach Grösse und
Aufwand eines Werks und betragen zwischen 500 und 7000 Franken.


Von R. Bollinger, Flüelen
Matinee mit dem
Posaunenquartett Tromburi

Am Pfingstmontag, dem 12. Juni 2000 um
10.30Uhr gastiert das Urner Posaunenquartett Tromburi (Daniel Gutjahr, David
Walker, Urs Zenoni und Patrik Stadler) in einer Matinee auf Gitschenen.
Thematischer Schwerpunkt des Konzertes sind auf der einen Seite originale
Posaunenquartettliteratur und auf der anderen Seite Unterhaltungsmusik,
trefflich arrangiert von Ingo Luis und Frigyes Hidas. Auf Einladung des
Schweizer Botschafters von Montreal, Herrn Albert Mehr, kann Tromburi in Kanada
an mehreren Orten konzertieren. Inhaltlich wird somit die Matinee auf Gitschenen
zum Vorbereitungskonzert für Montreal. Zu einem solchen Auftritt gehört auch
der Einbezug des Alphorns. Im Konzert kommt der Zuhörer in den Genuss von echt
heimatlichen Klängen. Das Posaunenquartett Tromburi würde sich freuen, am
12.Juni auf Gitschenen vor zahlreichem Publikum spielen zu dürfen. Der Eintritt
zur Matinee ist frei, es wird eine Kollekte für weitere Projekte auf Gitschenen
aufgenommen.
Die
Zither in der Schweiz
Von den Anfängen bis zur Gegenwart
– das Buch von Lorenz Mühlemann
Erstmals wird hier die Kultur- und
Wirkungsgeschichte der Zither in der Schweiz von den Anfängen bis zur Gegenwart
umfassend dargestellt. Aus heutiger Sicht gliedert sich die grosse Familie der
Zither in drei Hauptbereiche:
-
Volksinstrument (Scheitholt,
Kratzzither, Schlagzither – die schweizerischen Entsprechungen sind das Häxeschit,
die Schwyzer Zither und die Glarner Zither)
-
Konzertzither und
Streichzither
-
Griffbrettlose
Zithern (Akkordzither, Violinzither, Mandolinettezither, Pianochordiazither,
Tremoloazither etc.)
Während in Deutschland und Österreich,
beides Kernländer der Zither, praktisch nur die Konzertzither gepflegt und gefördert
wird, präsentiert sich die Zitherlandschaft Schweiz als offenes Bilderbuch der
gesamten Geschichte aller drei Hauptbereiche. Das Häxeschit wurde in
abgelegenen Gebirgstälern bis tief in die 1930er Jahre gespielt und erlebte im
Zuge der Folkmusic-Bewegung der 70er und 80er Jahre ein Comeback. Die Schwyzer
Zither entspricht in Bau, Besaitung und Spielmöglichkeiten im Wesentlichen dem
Kratzzithertypus (Tiroler Zwillingszither) des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die
Glarner Zither einer Schlagzither um 1820. Beide sind in der Innerschweiz in
ungebrochener Tradition erhalten geblieben. Die Konzertzither kam um 1850 als
fertiger Importartikel in unser Land und bewährt sich bis auf den heutigen Tag
als Kunst-, Volks- und Hausmusikinstrument. Die Akkordzither, zweifellos
wichtigste Exponentin der griffbrettlosen Zithern, verzeichnet am meisten
Spielerinnen und wird in der deutschsprachigen Schweiz in unzähligen Gruppen
und Hausmusik-Ensembles gepflegt, während die französischsprachige Schweiz das
Psalterion bevorzugt, eine zwölfakkordige Zither, deren Entwicklung in die
vergangen 30 Jahre fällt. Nach einer Baisse in den Nachkriegsjahrzehnten hat
die Zither (in ihrer ganzen, hier genannten Vielgestaltigkeit) in den vergangen
fünfzehn Jahren eine neue Anhängerschaft und ein neues Publikum gefunden.
Jedes der drei Hauptkapitel enthält eine allgemeine Einführung, worauf die
Verhältnisse in der Schweiz abgehandelt werden. Sorgfältig recherchiert,
sachlich anschaulich geschrieben und gediegen illustriert hat Lorenz Mühlemann
ein populärwissenschaftliches Werk mit Nachhaltigkeit geschaffen, ein Buch für
all jene, die sich in irgendeiner Weise mit der Zither befassen, eine reiche
Informationsquelle und unerschöpfliche Fundgrube, darüber hinaus ein
wesentlicher Beitrag zur Erforschung der Zither im europäischen Raum.
Abgerundet wird das Ganze mit einer kleinen Notensammlung, mit Beispielen für
alle Bereiche, welche die unterschiedlichen Möglichkeiten der einzelnen
Instrumente spiegeln, Tipps für einschlägige Tonträger (inkl. Bezugsadresse)
sowie einem nützlichen Personen- und Sachregister.
Der Autor Lorenz Mühlemann setzt sich seit 20 Jahren mit der Zither
auseinander. Mit seinen Projekten fördert er die Zithermusik und Kultur.
Konzerte, Radiosendungen, Tonträger (div. CD’s), Ausstellungen mit
Konzertreihen (Vorschau: Herbst 2000 Kornhaus Burgdorf). Er lebt mit seiner
Familie als Lehrer, Musiker und Leiter des Schweizer Zither-Kultur-Zentrums in
Konolfingen.
Bezugsadresse: Lorenz Mühlemann,
Burgdorfstrasse 8, 3510 Konolfingen, VP inkl. Versand: Fr. 59.--
Gebunden, A4, 160 Seiten, 150 Abbildungen, Zytglogge Verlag Bern,
ISBN 3-7296-0584-4
Buchbesprechung von Ingrid Stöcklin

Isenthaler
Sagen
Das Wildmännchen und die Gämsen
Es war im urnerischen Isenthal, wo
sich ein Gämsejäger auf die Jagd begab. Ein Wildmännchen stand plötzlich vor
ihm und bat, seine Gämsen nicht zu schiessen, es wolle ihn dafür reichlich
schadlos halten. Das gefiel dem Jäger, der sich und seine Familie mit der Gämsenjagd
erhielt. Das Wildmännchen gab ihm ein kleines Gämsekäschen mit der Mahnung,
es niemals ganz aufzuessen. Es werde dann am kommenden Morgen wieder ganz sein,
und so werde dieses Käslein für ihn immerfort dauern und das Abgeschnittene
sich allemal wieder ersetzen . Unser Jäger hielt sich geraume Zeit an diese
Vorschrift. Nach einiger Zeit aber ass er vor Hunger dasselbe in einem Male auf,
und hatte nachher kein Käslein mehr. Der Jäger war nun wieder gezwungen, auf
die Jagd zu gehen, wurde aber von dem Wildmännchen, weil er ihm die Gämsen
niederschoss, zerrissen.
Die wilden Leute im Isenthal
Im Isenthal gab es vor Zeiten wilde
Leute. Die meisten bewohnten die Ruosstalbalm, auch Heidenbalm genannt, und das
Hornefeli. Die Gämsen hielten sie für ihre Ziegen, hüteten und molken sie.
Ihre Freunde und Gönner beschenkten sie mit Gämsekäschen, die immer wieder
nachwuchsen, wenn man sie nicht ganz aufass. Als die ersten Jäger ins Tal kamen
und anfingen, die Gämsen zu schiessen, da wurden die wilden Leutchen traurig,
weinten und sagten laut klagend: „Jetzt töten sie alle unsere Geisslein,
jetzt müssen wir fort!“ Mit den Leuten des Tales standen sie auf gutem Fusse
und kehrten in ihre Häuser ein und waren ihnen beim Heuen und Viehhüten
behilflich. Sie hatten verkehrte Füsschen. Wenn man zum Beispiel morgens in das
Kleintal hineinging, so erblickte man die Fussspuren eines Männchens, das schon
taleinwärts gegangen; in Wirklichkeit, so brachte man nach und nach in
Erfahrung, war es ein Wildmandli, das schon talauswärts gewandert war.
Einst näherten sich einige wilde Leutchen einer Alphütte (nach andern dem
Berghäuschen in Hermisegg), wo sie manchen guten Dienst geleistet hatten. Die
geizigen Älpler (nach anderer Erzählart: die Kinder, die allein zu Hause
waren) waren gerade am Essen und hatten das russige Chupferchessli mit dem
Nidelreisbrei (oder ein Muttli voll Milchsuppe) auf dem Tisch, als sie die
Wilden kommen sahen. Mit denen wollten sie aber nicht teilen. Also rasch mit dem
Chupferchessli (mit dem Muttli) unter die Bank! Einige Minuten warten die
Wilden, dann aber entfernen sie sich, indem sie höhnisch fragen: „Wend-er
hinecht under dä Bänkä-n-ässä?“
Der Teufel und der Hexenmeister
So haben wir es als Kinder in Isental
erzählt.
Da wollten sie probieren, welcher von ihnen die grössere Hitze aushalten könne.
Sie heizten einen Kachelofen, bis er glühend war und setzten sich nebeneinander
oben auf die Platte. Nach einer Weile begann der Hexenmeister mit dem Hintern
hin- und herzurutschen. Der Teufel lächelte höhnisch und fragte, ob’s ihm
etwa heiss genug sei. „Nein, ich suche nur ein warmes Plätzchen“,
entgegnete der Hexenmeister. Da gab es der Teufel verspielt und sprang herab.
Ein anderes Mal sollten sie probieren, welcher von beiden mehr Reis zu essen
vermöge. Sie liessen sich davon eine riesige Menge aufstellen und begannen zu
essen. Der Hexenmeister aber hatte sich heimlich einen Sack vorne angeschnallt
und darin tat er den Reisbrei. Der Teufel konnte nicht begreifen, wie sein
Kamerad so viel Brei zu sich nehmen könne. Da schnitt endlich der Hexenmeister
seinen Sack auf, um den Bauch, wie er sagte, zu leeren und dann von neuem reis
hineinzutun. Das wollte ihm der Teufel nachmachen. Er schnitt aber wirklich
seinen Bauch auf und musste dieser Operation verrecken.
Die Hexe und der Felsblock im Isenthal
Einmal brachte eine Hexe in ihrer Fürscheibe
einen fürchterlichen Stein von der Babergerschooss her bis ob das Gut Weid.
Dort stellte sie ihn nieder, band ihn an einen Faden und zog an ihm, so viel sie
mochte und eine andere Hexe stiess hinten am Stein. Sie fuhren mit ihm abwärts
gegen das hölzerne Kirchlein, das damals noch einige Schritte westlich des
„tosenden Steines“ gestanden haben soll. Aber die Leute erblickten sie,
liefen zur Kirche und läuteten. Da rief die Hexe, die am Felsblock zog: „Lunni
stoss!“ und die andere entgegnete: „Ich mag nimmä g’stossä, ds Sywli
gysset.“ Und beide verschwanden, aber der Felsblock blieb in der Weid liegen,
wo er heute noch liegt. Man sieht Eindrücke von den Krallen der Hexe in der
Steinmasse zur Stunde noch.
Hexe verdirbt das Vieh
Von Bauen her kam ein fremdes,
unbekanntes Weibervolk auf die Bärchi hinauf, kehrte bei Salome-Josten ein und
bettelte etwas zu essen und um Obdach für die anbrechende Nacht. Das Weibervolk
gefiel den Leuten nicht. Dennoch sott ihm das Salome-Nänni Milch, tat aber ein
klein wenig Weihwasser hinein, brachte sie in die Stube und stellte sie vor das
Weibervolk auf den Tisch, mit dem Bedeuten, es solle zulangen. Dieses schaute so
kurios auf die Milch, liess sie unberührt stehen und sagte giftig: „Hättisch-mer-si
nitt prücht z’versywä!“ Ohne Z’nacht bezog es ein Nachtlager im Stall,
den das Nänni sorgfältig von aussen verriegelte. Als Nänni am nächsten
Morgen öffnete, war die Fremde fort und lag die einzige Kuh im Stall tot am
Boden. Das hat sich vor wenigen Jahrzehnten ereignet.
Aus: Sagen der Schweiz, Ex Libris
Verlag 1985
Die
Gitschener Steinsuppe – zwei Geschichten zu deren „Erfindung“
Der schlaue Pilgrim - von Johann Peter Hebel
(1760 – 1826) in seinen „Erzählungen und Aufsätzen des Rheinischen
Hausfreundes“
Vor einigen Jahren zog ein Müssiggänger
durch das Land, der sich für einen frommen Pilgrim ausgab, gab vor, er komme
von Paderborn und laufe geraden Wegs zum heiligen Grab nach Jerusalem, fragte
schon in Müllheim an der Post: „Wie weit ist es noch nach Jerusalem?“. Und
wenn man ihm sagte: „Siebenhundert Stunden; aber auf dem Fussweg über Mauchen
ist es eine Viertelstunde näher“, so ging er, um auf dem langen Weg eine
Viertelstunde zu ersparen, über Mauchen. Das wäre nun so übel nicht. Man muss
einen kleinen Vorteil nicht verachten, sonst kommt man zu keinem grossen. Man
hat öfter Gelegenheit, einen Batzen zu ersparen oder zu gewinnen als einen
Gulden. Aber 15 Batzen sind auch ein Gulden, und wer auf einem Wege von
siebenhundert Stunden nur allemal an fünf Stunden weiss eine Viertelstunde
abzukürzen, der hat an der ganzen Reise gewonnen – wer rechnet aus, wie viel?
Allein unser verkleideter Pilgrim dachte nicht ebenso, sondern weil er nur dem Müssiggang
und gutem Essen nachzog, so war es ihm einerlei, wo er war. Ein Bettler kann
nach dem alten Sprichwort nie verirren, muss in ein schlechtes Dorf kommen, wenn
er nicht mehr darin bekommt, als er unterwegs an den Sohlen zerreisst, zumal
wenn er barfuss geht. Unser Pilgrim aber dachte doch immer darauf, sobald als möglich
wieder an die Landstrasse zu kommen, wo reiche Häuser stehen und gut gekocht
wird. Denn der Halunke war nicht zufrieden, wie ein rechter Pilgrim sein soll,
mit gemeiner Nahrung, die ihm von einer mitleidigen und frommen Hand gereicht
wurde, sondern wollte nichts fressen als nahrhafte Kieselsteinsuppen. Wenn er nämlich
irgendwo so ein braves Wirtshaus an der Strasse stehen sah, wie zum Exempel das
Posthaus in Krotzingen oder den Baselstab in Schliengen, so ging er hinein und
bat ganz demütig und hungrig um ein gutes Wassersüpplein von Kieselsteinen, um
Gotteswillen, Geld habe er keines. – Wenn nun die mitleidige Wirtin zu ihm
sagte: „Frommer Pilgrim, die Kieselsteine könnten euch hart im Magen
liegen!“, so sagte er: „Eben deswegen! Die Kieselsteine halten länger an
als Brot, und der Weg nach Jerusalem ist weit. Wenn Ihr mir aber ein Gläslein
Wein dazu bescheren wollt, um Gottes Willen, so könnt ich’s freilich besser
verdauen.“ Wenn aber die Wirtin sagte: „Aber, frommer Pilgrim, eine solche
Suppe kann Euch doch unmöglich Kraft geben!“ so antwortete er: „Ei, wenn
Ihr anstatt des Wassers wolltet Fleischbrühe dazu nehmen, so wär’s freilich
nahrhafter.“ Brachte nun die Wirtin eine solche Suppe und sagt: „Die Tünklein
sind doch nicht so gar weich worden“, so sagte er: “Ja, und die Brühe sieht
gar dünn aus. Hättet Ihr nicht ein paar Gabeln voll Gemüse darein, oder ein
Stücklein Fleisch, oder beides?“ Wenn ihm nun die mitleidige Wirtin auch noch
Gemüse und Fleisch in die Schüssel legte, so sagte er: „Vergelt’s Euch
Gott! Gebt mir jetzt Brot, so will ich die Suppe essen.“ Hierauf streifte er
die Ärmel seines Pilgergewandes zurück, setzte sich und griff an das Werk mit
Freuden, und wenn er Brot und Wein und Fleisch und Gemüse und die Fleischbrühe
aufgezehrt hatte bis auf den letzten Brosamen, Faser und Tropfen, so wischte er
den Mund am Tischtuch oder an dem Ärmel ab oder auch gar nicht, und sagte:
„Frau Wirtin, Eure Suppe hat mich rechtschaffen gesättigt, so dass ich die
schönen Kieselsteine nicht einmal mehr essen kann. Es ist schade dafür! Aber
hebt sie auf. Wenn ich wiederkomme, so will ich Euch eine heilige Muschel
mitbringen ab dem Meeresstrand von Askalon oder eine Rose von Jericho.“
Die Gitschener Steinsuppen Sage
Es war einmal vor langer Zeit, als die
Menschen noch an Märchen glaubten, da klopfte ein Landstreicher an die Tür
eines Bauernhauses in Gitschenen und bat um ein wenig heisses Wasser. Das wurde
ihm gewährt. Der Landstreicher setzte seine Gamelle mit dem Wasser auf das
Feuer, zog einen Kiesel aus der Tasche und fügte ihn ins Wasser. Dann rührte
er das heisser werdende Wasser mehrmals um, schmeckte ab, leckte sich
geniesserisch die Lippen. Auf die Frage, was er da mache, antwortete er: „Ich
koche mir eine Steinsuppe“. „Schmeckt sie gut?“ „Vorzüglich. Aber
ehrlich gesagt, etwas Salz könnte ihr nicht schaden“, sagte der
Landstreicher. Das Salz wurde ihm ebenfalls bewilligt. „Wie schmeckt die Suppe
jetzt?“ „Immer besser. Allerdings mit etwas Zwiebeln und ein wenig Griess wäre
sie ein Genuss“. Auch diese Zutaten wurden ihm gereicht. Mit der Zeit erbat
sich der Besucher weitere Zutaten, am Ende gar noch Wein und geriebenen Käse.
Die Suppe schmeckte allen wirklich herrlich. Als man gegessen hatte, wusch der
Landstreicher den Stein sorgfältig ab und steckte ihn in die Tasche. Aber der
Bauer liess solange keine Ruhe, bis der Suppenkoch ihm den Stein verkauft hatte.
Postskriptum
Die Gitschener Steinsuppe war letzte
Saison ein grosser Renner. Nachdem das Rezept einmal im Schweizer Fernsehen
gezeigt wurde, kamen verschiedene Leute nur wegen der Steinsuppe nach Gitschenen.
Bergkristalle
– die geheimnisvollen Schätze unserer Alpen

Suchen nach Mineralien und
Bergkristallen, oder das „Strahlnen“, wie es im Kanton Uri heisst, ist eine
in der Schweiz recht beliebte Tätigkeit. Strahlner sind – obwohl es auch
einige Berufsstrahlner gibt – in erster Linie Amateure, die ihrem Hobby mit
glutvoller Leidenschaft nachgehen. Alle haben eines gemeinsam: Eine tief
verwurzelte Liebe zur Natur, zu ihren Geheimnissen und zu ihren teilweise
verborgenen Schätzen. Grundsätzlich gibt es keine Unterschiede in der
Strahlnertechnik zwischen Amateurstrahlnern, Halbprofessionellen und
Berufsstrahlnern. Wenn ein Kristallsucher von seiner Leidenschaft gepackt wird
und ausdauernd genug ist, um auf seine Glücksstunde zu warten, eine Kluft
aufzutun, wenn er es versteht, die manchmal offensichtlichen und die manchmal
weniger deutlichen Anzeichen in der Felsstruktur zu deuten, die auf eine
verborgene Kluft hinweisen, und wenn er alle Regeln respektiert, die für das Öffnen
einer Kluft wesentlich sind, ohne die zu bergenden Kristalle zu beschädigen und
ohne dabei die unmittelbare Umgebung zu verwüsten, dann wird er sicher in einem
gewissen Masse erfolgreich sein.
Klüfte und Spalten, die Mineralien und Bergkristalle enthalten, bildeten sich während
der Entstehung bzw. Faltung der Alpen. Vom umgebenden Gestein drangen
mineralhaltige Lösungen in diese Klüfte ein, die dort nach Erreichen des Sättigungszustandes
auskristallisierten. Mineralien enthaltende Klüfte können überall dort
gefunden werden, wenn man in den Gebieten sucht, in denen sie vorkommen. Einige
befinden sich in leicht zugänglichem Gelände und andere wiederum in steilen
Felswänden und Gebirgshängen, so dass vom Strahlner eine gute körperliche
Kondition und bergsteigerische Fähigkeiten verlangt werden. Manche Klüfte, die
an der Felsoberfläche liegen, wurden bereits durch Bergstürze, Lawinen oder
durch normale Erosion infolge Regen, Schnee und Eis geöffnet. In den meisten Fällen
jedoch sind die Klüfte noch im Felsinnern verborgen und können nur gefunden
bzw. geöffnet werden, wenn man in den Fels eindringt, sei es zum Beispiel bei
einem Tunnelbau oder sei es durch den Strahlner selbst.
Ein Strahlner braucht viel Geduld, um das zu finden, wonach er sucht. Oft läuft
er stundenlang in den Bergen über steile Felshänge, mit schwerem Rucksack, in
dem er seine Werkzeuge, Essen, Getränke und manchmal sogar ein Zelt
mitschleppt, falls er übernachten muss. Er muss die Gefahren der Berge kennen,
wie sie aus plötzlichen Wetterstürzen, durch die schrecklichen Berggewitter,
durch Nebel und Lawinen entstehen. Ein Strahlner muss ein guter Beobachter sein
mit einem scharfen Auge für das Detail.
Die Schweizer Alpen sind sehr reich an Mineralien und Kristallen, obwohl Bergbau
nur in früheren Jahrhunderten in einem bescheidenen Masse betrieben wurde.
Fachkundige Leute und Sammler schätzen das „Leben“ und die spezielle
Ausstrahlung, die von Schweizer Bergkristallen ausgehen. In anderen Ländern wie
zum Beispiel in den USA und in Brasilien gibt es Bergkristalle im Überfluss,
aber sie unterscheiden sich von den Schweizer Kristallen dadurch, dass sie oft
unnatürlich wirken. Sie erscheinen zu perfekt und durch ihr glasartiges
Aussehen wirken sie fast wie gezüchtet. Schweizer Bergkristalle haben oftmals
Einschlüsse von anderen Mineralien, die Auskunft über ihre
Entstehungsgeschichte und über ihre Zusammensetzung geben. Solche Einschlüsse
führen manchmal zu den sogenannten „Phantomkristallen“ oder machen innere
Spannungen sichtbar. Solche Kristalle zeigen dann unterschiedliche Formen und
Farben. Bergkristalle bestehen aus Quarz, das heisst Siliziumdioxid SiO2,
aber auch andere Quarzmineralien wie Citrin, Amethyst, Opal, Achat und Karneol
etc. gehören zur gleichen „Quarz-Familie“. Diese Mineralien werden oftmals
volkstümlich als Halbedelsteine bezeichnet, richtiger wäre die Bezeichnung
Schmucksteine. Ihre unterschiedliche Färbung kommt teilweise von Einschlüssen
anderer Mineralien, von Bestrahlung durch zum Beispiel UV-Licht oder durch
Bestrahlung von benachbarten Mineralien.
Die Mineralien- und Kristallsuche ist in der Schweiz reglementiert, da
Bergkristalle und anderer Mineralien zu den Bodenschätzen eines Landes zu
rechnen sind und, wie anderer Ressourcen der Natur, dem Staat oder den Gemeinden
gehören. Der Strahlner braucht daher eine Lizenz, das sogenannte
Strahlnerpatent, will er auf einem Gemeindegebiet nach Bergkristallen und
Mineralien suchen. Mit diesem Patent unterwirft er sich den Regeln, die unter
anderen folgendes beinhalten:
-
man verwende
keinen Sprengstoff
-
man vermeide Schäden
an der Umwelt
-
man vermeide
Aktivitäten, die das Leben anderer gefährden
-
man verlasse das
Kluftgebiet so, wie man es vorgefunden hat.
Der Kanton Uri und das gesamte
Gotthard-Aare-Massiv gehören mit zu den bekanntesten Gebieten der Schweiz, in
denen Bergkristalle gefunden werden.

Wenn das Hobby zum Beruf wird
Franz von Arx wurde am 11. Januar 1950
geboren, ist Vater von zwei erwachsenen Kindern und lebt zusammen mit seiner
Frau auf einem kleinen Baurenhof hoch über dem verkehrsreichen Reusstal auf der
Sonnen-Terrasse von Gurtnellen-Dorf im Kanton Uri.
Im Jahre 1991 hat er seine Tätigkeit als Bauführer aufgegeben, um neben der
Bewirtschaftung seines Bauernhofes und der Nebenbeschäftigung als Kundenmaurer
mehr Zeit für seine Leidenschaft „dem Suchen nach Kristallen“ zu haben.
Nachdem er 1994 zusammen mit seinem Freund Paul von Känel die grosse
Kristallkluft am Planggenstock gefunden hatte, war es naheliegend, dass er sein
Hobby endgültig zu seinem Beruf machen würde. Heute ist er als
Berufs-Strahlner tätig und übt noch ein Nebenamt als Jagdaufseher aus.
Während den Sommer- und Herbstmonaten ist er hauptsächlich damit beschäftigt,
Kristallklüfte zu finden und die einzigartigen geheimnisvollen Schätze unserer
Alpen behutsam zu bergen. In den Wintermonaten werden diese edlen, unerreichten
Kunstwerke der Natur sorgsam gereinigt und zu Hause in der eigenen Ausstellung
oder an Börsen zum Verkauf angeboten.
In Dia-Vorträgen für Vereine und Gruppen aller Art erhalten die Zuschauer auf
eindrückliche Art und Weise Einblick in eine Jahrhunderte alte Tätigkeit die
die Menschen seit jeher zu begeistern vermochte.
Eigenverantwortung, Selbstständigkeit, Freiheit, die Liebe zur Natur und der
stete Gedanke, dem Leben einen besonderen Sinn zu geben, sind die Idee seiner
Verwirklichung.
Von Franz von Arx, Gurtnellen

Die
Heimat verlassen
Emigranten aus der Zentralschweiz und ihre
Geschichte
Einleitung
Die lokal-geschichtlichen Artikel
unserer Zeitung stossen bei den Lesern der Gitschener Post auf ein besonderes
Interesse. Beim Suchen nach neuen, lokal-geschichtlich interessanten Themen
kamen wir auf die Idee, einmal etwas über Leute zu recherchieren, welche ihre
Heimat in der Zentralschweiz aufgegeben haben, um irgendwo im Ausland sesshaft
zu werden. Wir wollten uns mit der Frage beschäftigen, aus welchen Gründen
wann wohin emigriert wurde. Was waren die hauptsächlichsten Schwierigkeiten, um
sich am neuen Ort zurechtzufinden? Hat man schon einmal ans Zurückkehren
gedacht? Hat man Kontakte in die Schweiz? Und so weiter.
Nun standen wir vor dem Problem, geeignete Kandidaten für ein Interview zu
finden. Dabei kamen wir auf die Idee, uns über das Internet alle Adressen von
Familien in den USA mit dem Namen „Aschwanden“ ausgeben zu lassen (Aschwanden
ist ein typischer Isenthaler Name). Wir sandten den 25 Adressaten einen Brief
zu. Er enthielt eine kurze Erklärung zu wer wir sind und dass wir gerne ein
paar Fragen über ihre Emigration von ihnen beantwortet hätten. Als Beilage
erhielten die Adressaten zusätzlich auch eine Ausgabe der Gitschener Post. Wir
veröffentlichen hier nachstehend die Übersetzung einer ersten Antwort.
Inzwischen haben wir noch eine weitere „Auswanderungsgeschichte“ bekommen,
welche wir in der Herbstausgabe 2000 der Gitschener Post veröffentlichen
wollen.
Interview
mit Herrn M. Aschwanden und seiner Familie, welche von der Innerschweiz nach
Kalifornien ausgewandert sind
M. Aschwanden (MA): Vielen Dank für
das Zusenden der Gitschener Post, welche uns nette Eindrücke über Isenthal
gibt, der Ort wo unsere Vorfahren verwurzelt waren. Gerne will ich auf Ihre
Fragen für Ihren Artikel über Emigranten aus Isenthal antworten.
GiPo: Stammen Sie oder Ihre Vorfahren aus der Schweiz, möglicherweise aus der
Zentralschweiz?
MA: Ja, unsere Familie hat
Sisikon (UR) als Bürgerort. Wir haben einen Stammbaum der zeigt, dass unsere
Vorfahren vor fünf Generationen in Isenthal lebten. Stammväter waren Melchior
und Balthasar Aschwanden, welche so um 1650 herum lebten. Ich selbst wurde 1954
in Stans (NW) geboren und ich wuchs in Dallenwil (NW) auf.
GiPo: Wann sind Sie bzw. Ihre Vorfahren ausgewandert?
MA: Ich wanderte im März 1988 aus, also vor 12 Jahren.
GiPo: Was waren die Gründe für die Auswanderung?
MA: Ich besitze einen Universitätsabschluss als Doktor der Astrophysik. Für
eine Weiterbildung ging ich nach Boulder (Colorado). Unsere Familie blieb danach
in den USA, weil ich dort für eine Karriere in der Forschung für Astrophysik
bessere Möglichkeiten vorfand als in der Schweiz.
GiPo: Kannte man bereits jemanden am neuen Lebensort?
MA: Ja, ich hatte bereits viele Forscher an Amerikanischen Universitäten
gekannt.
GiPo: Wie wurde der Umzug organisiert? Was wurde mitgenommen? Was wurde zurückgelassen?
Wie war die Reise?
MA: Nun gut, heutzutage reist jedermann mit dem Flugzeug. Ein Passagier darf
zwei grosse Koffer mitnehmen sowie eine Handtasche. Für unsere Familie waren
das somit 12 Gepäckstücke (wir haben zwei Kinder). Wegen der beschränkten Gepäckzahl
konnten wir somit nur das Allernotwendigste wie Kleider und Küchengeräte
mitnehmen. Alles andere wurde zurückgelassen. Ich habe immer noch viele Möbel
und Bücher in der Schweiz, welche ich noch zu verkaufen versuche. Die Reise war
angenehm ausgenommen für das einjährige Baby, welches während 11 Stunden
weinte und erst eine Stunde vor Atlanta den Schlaf fand.
GiPo: War genügend Geld da für einen Neubeginn?
MA: Ich erhielt vom Schweizerischen Nationalfonds ein Stipendium für ein Jahr.
Danach musste ich einige Gesuche um Geld an die NASA stellen, um überleben zu können.
GiPo: Gab es am Anfang prinzipielle Schwierigkeiten?
MA: Nun gut: neue Möbel kaufen, Führerprüfung neu machen, Freunde finden, die
Kinder mussten von Deutsch auf Englisch wechseln, das Amerikanische Essen ist
nicht so gut wie das Schweizerische (wir backen immer noch unseren eigenen
Zopf). Das waren nicht eigentlich Schwierigkeiten, mehr Anpassungen.
GiPo: Wie ist Ihre heutige Beziehung zur Schweiz im allgemeinen und zur
Zentralschweiz im speziellen?
MA: Wenn immer ich die Möglichkeit habe, nach Europa zu gehen (zum Beispiel an
einen wissenschaftlichen Kongress), besuche ich auch die Schweiz und all meine
Verwandten in Nidwalden. Ich liebe es, dann mit meinem Bruder ein paar
Bergwanderungen zu unternehmen. Die Wanderung, bei welcher ich Isenthal am nächsten
kam, war von Beckenried über Seelisberg nach Bauen. Aber es regnete den ganzen
Tag, das Gegenteil von dem was ich gewöhnt bin im sonnigen Kalifornien.
GiPo: Fühlen Sie sich noch als Schweizer oder sind Sie endgültig ein
Amerikaner geworden?
MA: Ich denke, ich bin ein Weltbürger. Ich fühle mich immer als Schweizer,
wenn ich die Schweiz besuche. Aber ich habe in den USA ebenfalls keine
Schwierigkeiten, mich als Amerikaner zu fühlen.
GiPo: Haben Sie je daran gedacht, die Schweiz wieder zu besuchen oder wieder in
der Schweiz zu leben?
MA: Ich besuche die Schweiz alle ein bis zwei Jahre. Mein letzter Besuch war
anfangs Oktober 1999. Ich dachte daran, in die Schweiz zurückzukehren,
vielleicht während den ersten fünf Jahren. Aber jetzt, seit ich hier eine
permanente Arbeit habe, ein Haus mit Swimmingpool besitze und die Kinder
effektiv Schwierigkeiten haben, von Englisch auf Deutsch zu wechseln, denke ich
immer weniger ans definitive Zurückkehren in die Schweiz.
GiPo: Wie sehen Sie die Schweiz vom Ausland her? Denken Sie überhaupt je an die
Schweiz?
MA: Ich habe viel Kontakt mit Schweizern, privat und geschäftlich. Ich tausche
auch wissenschaftliche Arbeiten mit Schweizerischen Universitäten aus, was
beiden Seiten zugute kommt. Ich denke, die Schweiz hat lebendige Beziehungen zum
Rest der Welt. Aber die Schweiz hat auch ein paar historische und ökonomische
Privilegien, welche die Schweizer schätzen und mit dem Rest der Welt teilen
sollten. Ich sähe es gerne, wenn die Schweiz in Europa besser integriert wäre,
anstatt eine isolierte Insel zu sein. Aber natürlich gibt es viele Unterschiede
zwischen der EU und Schweizerischen Politik und Wirtschaft, welche den
Integrationsprozess schwierig machen.
GiPo: Kennen Sie andere Schweizer in Ihrer Umgebung? Sehen Sie diese häufig?
MA: Ich lebe in der Bay Gegend von San Francisco. Hier gibt es viele Swiss Clubs
und ich kenne viele Schweizer. Wir sind Mitglied des Schweizer Clubs von Newark.
Ferner bin ich Mitglied der „Schweizer Liste“, eine Gruppe von Schweizer
Wissenschaftlern und Ingenieuren der Bay Gegend.
Ich weiss auch von Nachbarn mit Schweizerischer Abstammung, zu welchen ich
regelmässigen Kontakt habe. Und wir haben auch gerne öfters Besucher und
Familienmitglieder aus der Schweiz.
Wir danken Herrn Aschwanden herzlich,
dass er sich die Mühe genommen hat, uns auf all die vielen Fragen so
umfangreiche und äusserst interessante Antworten zu geben! - CM

Dorferneuerung
Isenthal
Das neue Buch von Josef Schuler
Isenthal, ein attraktives Urner Bergdorf inmitten schöner Landschaft und
imposanter Bergwelt – Isenthal, eine ruhige Talgemeinde, abgeschieden am Rande
der Randregion Uri.
Josef Schuler, der Autor der anlässlich der Eröffnung des umgebauten
Schulhauses und der neuen Gemeindekanzlei veröffentlichten Publikation,
thematisiert genau dieses Spannungsfeld zwischen Idylle und Moderne, in dem sich
Isenthal – wie jede andere Berg- und Talgemeinde – befindet. Seit Mitte der
70er-Jahre zogen vor allem die jungen Erwerbstätigen und Frauen von Isenthal
weg ins Urner Reusstal und in städtische Zentren, wo sie attraktivere Arbeits-
und Ausbildungsmöglichkeiten fanden. Isenthal hatte bis Ende der 80er Jahre
einen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen. Ebenso sank die Zahl der Arbeitsplätze
und Landwirtschaftsbetriebe.
Josef Schuler präsentiert im Hauptteil seines rund 70-seitigen Isenthaler Büchleins
eine würdigende Gesamtschau an aktiven Anstrengungen und Massnahmen seitens der
EinwohnerInnen und der Gemeinde, um die Berggemeinde als Wohn- und Arbeitsort zu
erhalten und fördern. Der Autor macht dabei eine realistische Rundschau und
Einschätzung – ohne allerdings nur optimistisch das Positive hervorzuheben.
Im Gegenteil, Josef Schuler – wie die Gemeindeverantwortlichen – erkennt
Handlungsbedarf: Der breit gefächerte Massnahmenkatalog im Schlussteil könnte
aufzeigen, wie Isenthal - und andere Bergdörfer auch – sich in einer immer
mehr globalisierten und mobileren Welt zurechtfinden könnte.
Buchbestellungen zuhanden: Gemeindekanzlei,
Postfach, 6461 Isenthal, Tel. 041 878 11 31, Fax 041 878 10 71. Preis: Fr.
16.–
Buchtipp von R. Brand

Zwergen
Tipp für alle verheirateten Frauen
Lege ein Zweiglein Dill in deine
Schuhe. Dann sag immer wieder: „Ich hab Hirn und hab Dill, mein Mann muss
machen, was ich will“!
Zum höchsten Berg der Welt
– Diavortrag in Panoramaprojektion
Das Thema dieses Diavortrags hat eine
besondere Beziehung zu Gitschenen: Ein Freund einer Frau von Gitschenen bestieg
vor einigen Jahren mit einer Bergsteigergruppe den Amai Dablan (6856m), welcher
sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Lhotse (8501m) und des Mt. Everest
(8848m) befindet. Der Berg ist eine Art Matterhorn von Nepal, so schön,
wohlgeformt und majestätisch ist er. Für echte Bergsteiger wirkt er wie ein
Magnet. Aber, er ist gefährlich. Eine Teilnehmerin der Bergsteigergruppe geriet
plötzlich in Bergnot. Der besagte Freund eilte zu Hilfe. Bei dieser Hilfeaktion
geriet er selbst in eine Notlage und stürzte zu Tode. – Die Vortragenden
wanderten mehrere Tage lang in der Nähe dieses Amai Dablan und waren bei seinem
imposanten Anblick immer geistig mit Gitschenen verbunden.
Isabelle und Christof Müller-Duvoisin zeigen in ihrem Diavortrag imposante
Bilder von ihrer 12-tägigen Wanderung, welche auf 2800m begann und auf 5555m
ihren Höhepunkt erreichte. Sie zeigen die Bilder in Panoramaprojektion am
Samstag 28. Oktober 2000 um 20:00 Uhr im Gasthaus Gitschenen. Der Eintritt ist
gratis.
Leserpost
/ Post von „Internetten“
Nochmals vielen Dank für die super
Verpflegung am Haarkunstkurs. Die Gastfreundschaft hat sehr viel beigetragen,
dass wir uns so wohlgefühlt haben auf Gitschenen.
E. Bosshard
Wiederum sind ein paar kreative und
kulinarisch hochstehende Tage vorbei. Strahlend, lächelnd und leuchtend wie die
Kerzen, die wir verziert haben, bin ich von Euch bedient worden.
T. Ziegler
Herzlichen Dank für die schöne Zeit,
die ich bei Ihnen verbringen konnte! Ich hoffe, dass wir uns bald wiedersehen
werden in Gitschenen.
F. T. Wolf
Wir danken Ihnen ganz herzlich für
Ihre grosszügige Gastfreundschaft. Der Aufenthalt auf Gitschenen samt gutem
Essen und freundlicher Bedienung werden wir noch lange in guter Erinnerung
behalten.
Frauenchor Andelfingen
Besten Dank für die immer
interessante Gitschener Post.
Im Namen der ganzen Gitschener Equipe von Caran d’Ache
Liebi Gitschener Lüt!
Dankeschön für die Gitschener Ziitig
Die isch halt eifach guet
Wenn du die richtig aluegsch und verstohsch
Git si dir au früsche Muet
Für s zweute Bsüechli hets nit glängt
S isch etliches derzwüsche choo
Mir hoffe, as im nächschte Früehlig
Bi Euch denn wieder sige doo
Liebi Wirtslüt vo dr Gitschene
I hoff,s göng guet im Bluemehüüsli
Äs Fritzli Värsli in Euer Ziitig
Würd ihn freue doch ganz grüüsli
Vill Glück und au äs heiters Gmüet
Wünscht Euch dr Fritz vom Baselbiet
Fritz Bitterlin
Die
Gewinner des Wettbewerbs der Gitschener Post vom letzten Jahr
Pirmin Bissig, Isenthal, zog die drei
glücklichen Gewinner aus den Dutzenden von eingegangenen Antworten mit
korrektem Lösungswort „LOHNENSWERTE“.
Der 1. Preis geht an Frau Verena Stutz, Obfelden; sie gewinnt ein Wochenende mit
Halbpension im Gasthaus Gitschenen für zwei Personen.
Der 2. Preis geht an Herr Albin Grass, Basel; er gewinnt einen Gutschein für
einen Zabigteller für zwei Personen im Gasthaus Gitschenen.
Der 3. Preis geht an Frau Paula Jost, Hunzenschwil; sie gewinnt einen Gutschein
für einen Zabigteller für eine Person im Gasthaus Gitschenen.
Tipp
Schauen Sie sich das Dorf Isenthal
einmal etwas genauer an! Es hat viele grossartige Sehenswürdigkeiten wie zum
Beispiel: die Kirche mit dem properen Friedhof davor; daneben das prächtig
renovierte Pfarrhaus (1600), alte Urner Bauernhäuser, das neu renovierte
Schulhaus; die Holzschuhherstellung bei der Schreinerei Bissig; die Bärentatzen
am oberen Ende des Dorfs; der Stausee; usw.
Last Update:
22.11.2009
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